Fragwürdige Ergebnisse

Kritik an Studie: Doch kein Freispruch für rotes Fleisch?

Anfang Oktober 2019 überraschte eine Studie mit der Erkenntnis, der Konsum von rotem Fleisch sei harmloser als bislang angenommen. Kritiker stellen die Glaubwürdigkeit dieser Untersuchung nun infrage.

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Fleisch

Wie ungesund ist der Fleischverzehr tatsächlich?

Eine Woge der Erleichterung und Selbstbestätigung ging Anfang Oktober 2019 durch die Reihen überzeugter Fleischesser. Wissenschaftler hatten frühere Studien zum Verzehr roten Fleisches analysiert und kamen zu dem Ergebnis, dass bisherige Warnungen vor gesundheitlichen Folgen unbegründet seien. Die Empfehlung der Forscher: Der Konsum von Wurstwaren und rotem Fleisch müsse nicht reduziert werden, da sich daraus keine nennenswerten Vorteile für die Gesundheit ergäben. Ein scheinbarer Freifahrtscheint für hemmungslosen Fleischgenuss – und eine äußerst überraschende Erkenntnis! Immerhin warnt die Wissenschaft seit Jahren vor erhöhtem Krebs- und Herzinfarktrisiko durch übermäßigen Fleischkonsum. Tatsächlich weisen die neuen Untersuchungsergebnisse jedoch eklatante Schwachpunkte auf.

Rotes Fleisch: Aktuelle Studie unvollständig

Das zumindest behauptet die Webseite Vegan.eu, die sich die aktuelle Studie genauer angesehen hat. Der Hauptkritikpunkt: Die Forscher haben sich in ihrer Untersuchung nicht mit dem vollumfänglichen Verzicht auf Fleisch oder gar jegliche Form tierischer Lebensmittel auseinandergesetzt. Sie haben lediglich festgestellt, dass es für die Gesundheit unerheblich ist, ob Menschen viel oder wenig Fleisch essen. Daraus leiteten die Forscher die fragwürdig erscheinende Empfehlung ab, dass gesunde Erwachsene so viel Fleisch essen sollten, wie sie möchten. Hätten die Wissenschaftler laut Vegan.eu jedoch Untersuchungsergebnisse zum vollständigen Fleischverzicht in ihre Studie mit einbezogen, hätte die Empfehlung ganz anders lauten müssen. Tatsächlich gebe es eindeutige Erkenntnisse dazu, dass eine vollständig vegetarische oder gar vegane Ernährung eindeutige, gesundheitliche Vorteile gegenüber einer fleischbasierten Ernährung bietet.

Rotes Fleisch: Fragwürdige Empfehlung

Vegan.eu stellt einen spannenden Vergleich zum Thema „Rauchen“ an: Nur weil es für die Gesundheit kaum einen Unterschied macht, ob ein Menschen fünf oder 20 Zigaretten am Tag raucht, würde kein seriöser Wissenschaftler die Empfehlung aussprechen, hemmungslos weiter zu rauchen. Stattdessen würde man darauf verweisen, dass der vollständige Verzicht auf den Glimmstengel die Gesundheit erheblich verbessert. Ähnlich verhalte es sich mit dem Fleischkonsum. Den kompletten Verzicht auf Fleisch stempeln die Forscher in ihrer Studie indes als unrealistisch ab. Eine Aussage, die angesichts der stetig wachsenden Zahl von Vegetarieren und Veganern auf der ganzen Welt absurd erscheint. Zudem verschweigt die Studie in ihrem Ergebnis, dass sich über 20 Prozent der an den Untersuchungen beteiligten Wissenschaftler gegen die Empfehlung zum ungezügelten Fleischverzehr aussprachen. Generell wirft Vegan.eu den Wissenschaftlern ein hohes Maß an Subjektivität und nicht belegbaren Annahmen vor und stellt die Vermutung auf, dass man mithilfe der neuen Studie gezielt ein positives Ergebnis zum Thema Fleischverzehr hat erzielen und kommunizieren wollen.

Rotes Fleisch: Mit Vorsicht genießen?

Wer sich angesichts der jüngst verbreiteten Informationen auf ungezügelten Fleischkonsum eingestellt hat, sollte seine Position möglicherweise noch einmal kritisch hinterfragen und die früheren Erkenntnisse zumindest nicht ganz über Bord werfen. Mehr als 600 Gramm rotes Fleisch und verarbeitete Wurstwaren pro Woche sollten Erwachsene laut Ernährungsexperten nicht zu sich nehmen. Die meisten Verbaucher kümmern diese Warnungen allerdings ohnehin wenig, der Deutsche isst im Durchschnitt noch immer deutlich mehr Fleisch als ihm laut Wissenschaft gut tut. Dabei kommt selbst die jüngste Studie zu dem Ergebnis, dass ein reduzierter Fleischkonsum unter ethischen und umwelttechnischen Gesichtspunkten durchaus empfehlenswert ist.

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