Der teuerste Teekocher der Welt

Der Thermomix für Tee: Vorwerks Temial im Praxistest

Die Deutschen trinken zwar viel Tee, aber lohnt es sich wirklich, einen Teekocher für 600 Euro zu kaufen? Das zeigt der Praxistest.

Datum:
Vorwerk Temial

Vorwerk will mit dem Temial Teeliebhaber ansprechen.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Der Temial polarisiert ganz klar: Die Einen können sich nicht einmal vorstellen, so viel Geld für eine hochwertige Kaffeemaschine auszugeben. Andere trinken so viel und gerne Tee, dass ein Kocher für mehrere hundert Euro durchaus seine Berechtigung hat. Ganz neutral lässt sich sagen: Vorwerks Temial ist hochwertig verarbeitet und tut was er soll. Umständlicher als ein Wasserkocher und eine einfache Tasse ist er dennoch: Vorbereitung und Geduld braucht der geneigte Teeliebhaber, bis der Temial beim Start alle Vorbereitungen abgeschlossen, den QR-Code des Tees erkannt und schließlich mit dem Brühvorgang begonnen hat. Dass der Tee nun wirklich besser schmeckt, lässt sich nicht verifizieren. Vermutlich schmeckt aber alles besser, das aus einem so teuren Gerät herausfließt – und zugegeben: Ein wenig meditativ kann das Aufbrühen des Temial-Tees beim Zuschauen schon wirken. Wer bereit ist, so viel Geld zu investieren, wird es sicher nicht bereuen.

Pro

  • Futuristisches Design mit traditioneller Note
  • Einfache Handhabung
  • Einfache Reinigung
  • Ästhetischer Brühvorgang
  • Gute Auswahl an eigenen Teesorten
  • App-Anbindung

Kontra

  • Hoher Preis
  • Vergleichsweise viel Müll
  • Keine Hilfestellung für markenfremde Tees
  • Hochfahren dauert meist länger

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Ein gewagtes Projekt: Die Firma Vorwerk, bekannt für den vielbeachteten Thermomix, die Alleskönner-Küchenmaschine, will seit einiger Zeit ein wenig abseitig Kunden locken – und zwar mit einem Teekocher, genannt Temial. An sich keine Idee, die überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit verdient, wäre der Temial nicht erschreckend hochpreisig: 600 Euro möchte Vorwerk für den Teekocher vom Verbraucher haben. Ein stattlicher Preis für ein Gerät, das eigentlich nur Wasser aufkocht, oder? Im Praxistest hat eKitchen einmal ausprobiert, was der Temial so kann und ob der hohe Preis gerechtfertigt ist.

Vorwerk Temial: Einfache Bedienung mit QR-Code

Die Nutzung des Kerngeräts soll sich laut Hersteller an traditionellen Teezeremonien orientieren. Und durchaus: Das Aufbrühen des Tees mit dem Temial hat etwas Beruhigendes. Auch, wenn das Gerät optisch eher an den futuristischen Thermomix erinnert und nicht unbedingt Assoziationen an altertümliche Teezeremonien weckt. Die Handhabung ist dafür sehr einfach: Wer den hauseigenen Tee von Vorwerk nutzt, nimmt sich ein kleines Sachet mit 7 Gramm Tee darin, füllt den Tee in das Aufgusssieb, scannt den QR-Code der Verpackung an der Seite des Temial ein und drückt Start. Der Temial weiß nun genau, wie heiß das Wasser für den ausgewählten Tee sein darf, heizt auf, füllt Wasser ein und fährt das Aufgusssieb langsam im Wasser auf und ab, während der Tee zieht. Im Display des Teekochers zählt der Timer herunter und sobald der Tee fertig ist, lässt ihn der Benutzer per Knopfdruck in ein Gefäß laufen. Fertig!

Vorwerk Temial: Eigene Teesorten und viel Müll

Die kleinen Tee-Sachets, von denen man zum Kauf des Temials zehn Probepäckchen bekommt, sind enorm praktisch. Leider orientiert sich Vorwerk dabei zu sehr an großen Kaffee-Vorreitern wie Nespresso – deren Aluminium-Kapseln stehen schon lange in der Kritik. Zwar sind die kleinen Tee-Päckchen, die losen Tee enthalten, nicht mit Aluminium beschichtet, dennoch entsteht für einen halben Liter Tee unnötiger Abfall. Beim Blick in den Temial-Shop stellt der Verbraucher schnell fest, dass es keine größeren Alternativen zu den Sachets gibt. Wer weniger Müll produzieren möchte, kauft also selbst losen Tee in größeren Mengen – doch bevor der perfekt schmeckt, muss man erstmal eine Weile mit dem Temial herumprobieren. Im Gegensatz zum neuesten Thermomix, der mit über 40.000 Rezepten daherkommt, kann der Temial nur den hauseigenen Tee perfekt brühen. Weder das Gerät, noch die App gibt Hilfestellungen für markenfremden Tee. Dabei wäre es so einfach: In der manuellen Auswahl einfach die gängigen Teesorten (Kräutertee, Früchtetee oder Roibos) anbieten und die für die Sorte übliche Temperatur und Brühzeit bereitstellen. Beides muss der Nutzer aber erst einmal selbst recherchieren (in den meisten Fällen ist eine Empfehlung auf der Verpackung abzulesen). Und der Temial macht es einem auch noch unnötig schwer: Die Brühzeit, die man am Gerät einstellt, beinhaltet auch die Zeit, die der Temial braucht, um das Wasser zu erhitzen – wenn der Tee also acht Minuten ziehen soll, müssen mindestens 11 Minuten am Temial eingestellt werden, nicht lediglich 8.

Temial Vorwerk

Eine App darf bei Temial von Vorwerk nicht fehlen. So bleiben alle relevanten Daten im Blick.

Vorwerk Temial: Reinigung und Verbindung per App

Die Reinung des Temial funktioniert dagegen wundervoll problemlos – das Sieb lässt einfach herausnehmen und leicht ausspülen, alle Utensilien und Bestandteile sind spülmaschinenfest. Hin und wieder möchte das Gerät die Restwasserschale an der Seite geleert wissen, und bei jedem Start führt es eine Reinigung durch. Regelmäßig stehen auch Firmenupdates und größere Reinungen sowie Entkalkungen an – die Firmenupdates lassen sich aber immerhin pausieren, so dass man erst einen Tee aufkochen und danach installieren kann. Dennoch verlangt der Temial recht viel Geduld vom Teeliebhaber. Bei manch einem Start am Morgen kann es bis zu zehn Minuten dauern, bis das Gerät sich durchgespült und ordentlich vorbereitet hat. Im Praxistest hat die Verbindung mit der Temial-App dagegen fast immer problemlos funktioniert – über das eigene WLAN synchronisieren sich beide Geräte. Die App bietet eine Art Tee-Tagebuch und ermöglicht das Eintragen von Lieblingsteesorten und auch das Fernsteuern des Temials. Zugriff auf den Shop, um Zubehör oder neuen Tee zu kaufen, bietet sie natürlich auch.

Vorwerk Temial: Diese Teesorten gibt es für den Temial

Die komfortabelste Teezubereitung ist mit den Sorten aus dem Temial-Teesortiment möglich. Zur Probe gibt es zehn Sorten beim Kauf eines Temial dazu – ziemlich knauserig vom Hersteller, wenn man den Preis des Geräts bedenkt, aber auch beim Kauf von Kaffeemaschinen so üblich. Die verfügbaren Sorten im Shop werden nach und nach erweitert, die Auswahl wächst. Wer will, bestellt sich saisonale Probierpakete mit Sorten etwa für den Herbst. Für echte Tee-Nerds fallen hier allerdings diverse Sorten durch, die nur aromatisiert sind, statt reine Zutaten zu enthalten – und daher nicht sonderlich traditionell in Sachen Teegenuss sind. Wen das nicht stört, der bekommt ein abwechslungsreiches Angebot. Eine Übersicht der Teesorten für den Temial gibt es hier.
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Temial-Sorten im Überblick

Kategorie

Name

Charakter

Weißtee

Fu Yu Bai Ming

vollmundig, mild, leicht

Weißtee

Rose-Lemongras

floral, leicht, süßlich

Grüntee

Long Jing

nussig, floral, zartherb

Grüntee

Minze-Zitrus

spritzig, krautig, frisch

Oolong

Tie Guan Yin

floral, süßlich, weich

Schwarztee

Darjeeling First Flush

floral, spritzig, vegetal

Schwarztee

Kakao-Vanille

Schokolade, duftig, kräftig

Rooibos

Grüner Rooibos

fruchtig, süßlich, frisch

Kräutertee

Milde Kräuter

mild, blumig, balanciert

Früchtetee

Orange-Sanddorn

spritzig, fruchtig, süß

Kräutertee

Drei Minzen

minzig, krautig, frisch

Weißer Tee

Jasminperlen

blumig, vollmundig, weich

Pu-Erh

Sheng Cha

vollmundig, rauchig, süß

Früchtetee

Tropische Früchte

exotisch, spritzig, süß

Schwarztee

Yunnan Gold

Kakao, süßlich, weich

Grüntee

Genmaicha

Röstnoten, nussig, weich

Weißer Tee

Bai Mu Dan

mineralisch, weich, floral

Früchtetee

Rote Beeren

beerig, fruchtig, süßlich

Schwarztee

Earl Grey

duftig, Zitrus, kräftig

Grüner Tee

Sencha

frisch, weich, umami

Kräutertee

Süßer Ingwer

Zitrus, süßlich, scharf

Gelber Tee

Mu Lan Huang Ya

fruchtig, süßlich, Kakao

Rooibos

Roter Rooibos

vollmundig, fruchtig, süß

Pu-Erh

Shu Cha

erdig, mild, Lakritz

Schwarztee

Assam Second Flush

malzig, fruchtig, süßlich

Früchtetee

Apfeltee

fruchtig, säuerlich, süß

Vorwerk Temial: Das Zubehör und ergänzende Produkte

Nicht nur die Zubereitung und der Konsum von Tee soll bei Temial im Mittelpunkt stehen, auch das Drumherum soll stimmen. Vorwerk hat deshalb eine ganze Palette an Zubehör und ergänzenden Produkten angekündigt, die Nutzer tiefer in die Welt des Tees tauchen lassen sollen. Allerdings kostet das meiste zusätzlich Geld. Mit im Lieferumfang des 600 Euro teuren Temial sind lediglich zwei sehr kleine Tassen und eine Glaskaraffe enthalten, die einen halben Liter fasst.
  • Teekannen
  • Teeschalen
  • To-go-Becher
  • Bambusuntersetzer
  • Bambustablett
  • Matcha-Schokolade
  • Honig vom Start-up nearBees

Vorwerk Temial: Preis und Verfügbarkeit

Das Temial Starter-Set ist zu einem Einführungspreis von 599 Euro erhältlich. Neben dem Temial-Teegerät sind eine Servierkanne, zwei Teeschalen, ein To-go-Becher und eine kleine Tee-Entdecken-Box mit zehn Tees zum Ausprobieren enthalten. Eine 10er-Box der speziellen Temial-Tees kostet je nach Sorte zwischen 6 und 12 Euro. Auch eine Wasserfilterkartusche und zwei Entkalker liegen bei. Der Filterkartusche liegt ein Teststreifen bei, mit dem der Nutzer die Härte des Leitungswassers testen kann. Der Filter wird dann auf die Härte eingestellt und filtert während es vor dem Aufbrühen des Tees. Der Vertrieb des Temial erfolgt wie bei Vorwerk üblich per Direkt- oder Partyvertrieb, über den Online-Store oder im Vorwerk-Shop. Derzeit bietet Vorwerk sogar eine 60-tägige Probezeit mit dem Temial an. Bei Nichtgefallen kann das Gerät kostenlos zurückgegeben werden.

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Linda Schult

von Linda Schult

Alles, was eine technische Komponente hat, ist bei mir bestens aufgehoben. Alles, was man essen kann aber natürlich auch.

Erik J. Schulze

von Erik J. Schulze

Ob schneller Snack oder hohe Küchenkunst – auf eKitchen zeige ich alles zu Themen wie Food, Lifestyle und Tech in der Küche.