Mageres Pulver

Diät Shakes: Die Abnehmwunder im Vergleich-Test

Schnell und zuverlässig abnehmen, ohne viel Aufwand. So sollen Pulverdiäten das Abspecken schmackhaft machen. Stimmen die Versprechen der Hersteller?

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Diät Shake Test

Zwei Wochen lang mussten die Probanden die Diät Shakes testen.

Der Frühling hat begonnen – doch während man den dicken Wintermantel einfach in den Schrank verbannen kann, bleibt der Winterspeck an Bauch, Hüften und Po ein hartnäckiger Begleiter. Weshalb viele Frauen und Männer gerade zu Beginn der Frühjahrszeit endlich was tun wollen gegen die überflüssigen Pfunde. Laut Statistik würde fast jeder zweite Deutsche gern abnehmen und jeder dritte hat bereits eine Diät hinter sich. Doch welche Diät verbrennt tatsächlich Pfunde und nicht bloß Geld?

Diät Shakes im Test: Die „Formula-Diät“

Im Diäten-Dschungel blickt kaum einer durch. Es gibt zwar Menschen, die leidenschaftlich Kochbücher wälzen und ausgesuchte Lebensmittel einkaufen, um dann beim Kochen jede Kalorie einzeln abzuzählen. Die meisten greifen aber lieber zu einer „Formula-Diät“, bei der Diät-Shakes die Mahlzeiten komplett oder teilweise ersetzen. Für die Shakes wird Proteinpulver in Wasser oder fettarme Milch gerührt. Das geht einfach und schnell. Einige Hersteller wie Shape World oder Biomo-Vital bieten zusätzlich Sättigungskapseln an. Andere wie Enduria ergänzen ihre Rundumsorglos-Pakete mit den Shakes durch Suppen, Kekse und andere Nahrungsmittel. Aber sorgen die Diäten auch für einen dauerhaften Abnehmerfolg? Und sind sie überhaupt gesund? Wir haben zehn Formula-Diäten auf den Prüfstand gestellt. Zehn Redakteure haben zwei Wochen lang Diät gehalten.
Im Hamburger Analyse-Labor GALAB untersuchten Experten die Pulver auf Schadstoffe, Bakterien und genveränderte Pflanzen. Die auf Lebensmittelrecht spezialisierte Rechtsanwältin Kerstin Dieter prüfte, ob die Deklaration jedes Produkts korrekt war.

Diät Shakes im Test: Nicht für jeden geeignet

Der Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl prüfte die Zusammensetzung der Pulver und erklärte, für wen sich die Diät-Shakes überhaupt eignen. Der Experte unterscheidet zwischen einer Formula-Diät und einem Mahlzeitenersatz mit Formula-Produkten. Eine reine Formula-Diät hält er nur für stark übergewichtige Menschen sinnvoll, die aus medizinischen Grün- den viel abnehmen müssen. „Ein bis zwei Mahlzeiten pro Tag durch Formula-Produkte zu ersetzen, eignet sich dagegen für Personen, die leicht an Gewicht verlieren oder es stabilisieren wollen“, so Dr. Riedl. Doch er warnt vor dem Jo-Jo-Effekt: Ohne eine langfristige Umstellung auf eiweißreiche Kost, wenig Kohlenhydrate, weniger Fett und viel Bewegung lasse sich das Gewicht auf die Dauer nicht halten, so der Experte.
Diät Shake Test Waage

Bevor es mit dem Test losging, wurden die Probanden auf der Profi-Waage von Seca barfuß gewogen.

Diät Shakes im Test: Zusammensetzung vorgeschrieben

Wer sich für eine Pulver-Diät entscheidet, hat eine große Auswahl. In Drogeriemärkten, Apotheken und im Online-Handel werden zig verschiedene Produkte angeboten: Die Palette reicht von A wie Almased bis Y wie Yokebe. Preise, Packungsgrößen und Geschmacksrichtungen der Produkte variieren von Anbieter zu Anbieter.
Bei der Zusammensetzung gibt es wenig Freiheiten, denn die Pulver unterliegen der in Europa geltenden Health-Claim-Verordnung. Da sie komplette Mahlzeiten oder sogar ganze Tagesrationen ersetzen sollen, müssen die Pulver alle wichtigen Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Eiweiß sowie essenzielle Fettsäuren enthalten.

Diät Shakes haben häufig zu wenig Kalorien

Die Diätverordnung macht zusätzlich Vorgaben zum Kaloriengehalt. So sollen Tagesrationen zwischen 800 und 1.200 Kalorien enthalten. Sollen Diät-Pulver einzelne Mahlzeiten ersetzen, muss eine Mahlzeit zwischen 200 und 400 Kalorien haben. In der Kalorienmenge unterscheiden sich die Produkte deutlich, stellte Ernährungsmediziner Riedl fest: Yokebe bietet mit 300 Kalorien pro Mahlzeit die meisten Kalorien. Selbst wenn der Kunde – wie in der Anfangsphase der Diät gefordert – alle drei Mahlzeiten durch einen Diät-Shake ersetzt, reicht die Kalorienzufuhr auch für die Tagesration.
Bei anderen Anbietern gibt es teils deutlich weniger Energie. Laut Dr. Riedl bieten Almased, Fit+Feelgood, Doppelherz, Xlim, Alsiroyal und Shape Babe zu wenig Kalorien als Tagesration, wenn alle drei Mahlzeiten durch einen Shake aus diesen Produkten ersetzt werden.
Die mit Abstand wenigsten Kalorien liefert der Multan Figur-Former mit nur 346 Kalorien pro Tag. Weil der Anbieter das Produkt mit „gesund und effektiv abnehmen“ bewirbt, sehen viele Kunden erst auf den zweiten Blick, dass der Multan Figur-Former gar nicht als Mahlzeitenersatz angeboten wird, sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Damit unterliegt er nicht der Diätverordnung. Wer das Produkt nutzt, soll bereits in der Anfangsphase der Diät zusätzlich zu den Shakes Gemüsebrühe trinken und Rohkost essen. Ab dem fünften Tag ist dann eine warme Mahlzeit erlaubt.
Doch nicht nur die Kalorienzahl einiger Produkte kritisierte der Mediziner, sondern auch den Zuckergehalt. „Er ist bei Yokebe mit 60 Gramm pro Tag zu hoch“, warnt Dr. Riedl. Noch mehr Zucker steckt im Vanille-Shake von Amapur mit 75 Gramm pro Tag. Der Zuckergehalt bei Almased, Doppelherz, Shape Babe und Xlim ist zwar in Ordnung, allerdings bescheinigt der Mediziner diesen Produkten einen zu geringen Ballaststoffgehalt. Von einer ausgewogenen Zusammensetzung der Nährstoffe kann, wenn man von Alsiroyal absieht, also keine Rede sein.

Diät Shakes: So wurde getestet

Was steckt drin in den Pulvern, mit denen alle, die ein paar Pfund zu viel auf den Rippen haben, so schnell abnehmen sollen? Man schickte zehn Proben sogenannter Formula-Diäten ins Labor. Neun der zehn Produkte enthielten als Eiweißlieferanten Soja. Ob Soja oder andere in den Pulvern enthaltene Pflanzen gentechnisch verändert sind, das wollte die Redaktion von den Lebensmittelchemikern bei GALAB in Hamburg wissen.
Die Experten extrahierten die pflanzliche DNA und stellten mithilfe von quantitativer Echtzeit-PCR, einer Methode zur Vervielfältigung von Nukleinsäuren, tatsächlich gentechnisch veränderte Bestandteile in zwei Produkten fest. Sowohl bei Almased als auch bei Alsiroyal waren Spuren gentechnisch veränderter Pflanzen festzustellen; sie waren aber so gering, dass keine Kennzeichnungspflicht besteht. Eine GALAB-Sprecherin erklärt: „Die Spuren können auch durch Kreuzkontaminationen in die Produkte gelangt sein.“ Mit hochmodernen Analysegeräten für Flüssigchromatografie und Massenspektrometrie wiesen die Chemiker zudem in allen Proben Chlorat nach. Ein dauerhaft erhöhter Konsum des Stoffes kann zu einer Hemmung der Jodaufnahme und zu einer Veränderung des Schilddrüsenhormonspiegels führen. Zusätzlich fanden die Lebensmittelchemiker in der Doppelherz-Probe Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Atrazin. Es steht im Verdacht, Brustkrebs beim Menschen zu begünstigen. In Deutschland wurde der Einsatz bereits 1991 verboten; für Diät-Pulver sind je- doch keine Grenzwerte festgelegt, sodass die Pulver mit diesem Pestizid nicht aus dem Handel genommen werden müssen.
Diät Shake Test Labor

Die Experten von GALAB in Hamburg untersuchten die Pulver auf Keime, Pilze und genveränderte Pflanzen.

GALAB untersuchte die Proben zusätzlich auf Keime, Bakterien, Schimmelpilze und Salmonellen. Hier gab das Labor Entwarnung: In keiner Probe fanden die Chemiker irgendwelche ekligen Mikroorganismen, die den Verzehr der Diät-Shakes beeinträchtigen.

Diät Shakes: Geschmacklich ein Flop

Und wie erging es den zehn Probanden während des zweiwöchigen Abnehmprogramms mit den Diät-Pulvern? Vor allem in der Anfangsphase führte der ungewohnte Kalorienentzug bei einigen Kollegen zu einem Gefühl der Kraftlosigkeit, das aber nach wenigenTagen verging. Zwar waren die Shakes leicht zuzubereiten, aber geschmacklich war die Pulverkost für die meisten ein Flop, und gemeinsame Mahlzeiten mit Familie, Freunden oder Kollegen wurden eine Herausforderung, standhaft zu bleiben.

Was darf auf die Packung von Diät Shakes?

Auf den Verpackungen der Diät-Pulver stehen viele Angaben. Aber ist alles, was die Anbieter schreiben, auch zulässig und klar? Eine zentrale Frage. Schließlich wird den Kunden suggeriert, dass nur Gutes in den Diät-Pulvern steckt und die Shakes innerhalb kürzester Zeit schlank machen. Rechtsanwältin Kerstin Dieter stellte bei der Überprüfung fest, dass Yokebe zwar mit Erdbeeren auf der Verpackung wirbt: „Laut Zutatenliste enthält das Produkt jedoch keine Erdbeeren, sondern lediglich natürliches Aroma für den Geschmack.“ Eine Irreführung der Verbraucher. Der Multan Figur-Former wirbt mit „gesund abnehmen mit der neuen Dr. Markert Diät“. Die Rechtsanwältin: „Damit bringt der Anbieter zum Ausdruck, dass das Produkt zum Abnehmen geeignet ist.“ Aus juristischer Sicht ist die Angabe grenzwertig, denn: „Wichtige Teile der zugelassenen Angaben, nämlich der Hinweis auf einen nur teilweisen Mahlzeitersatz durch das Produkt und auf eine im Übrigen kalorienarme Ernährung, kommen nicht oder nur unklar zum Ausdruck.“ Womit auch immer die Anbieter werben: Die Shakes können eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung nicht ersetzen. Zumindest diesen Hinweis hat kein Anbieter vergessen.
Diät Shake Test Essen

Kaum lässt die Diät feste Nahrung zu, steigt sofort die Laune wieder.

Diät Shakes im Test: Fazit

Ein Test von Diät-Pulvern fällt zwangsläufig zwiespältig aus – wer damit abnehmen will, muss auf all das verzichten, was bislang so gut geschmeckt hat. Und so zeigen auch die Erlebnisse der zehn Probanden, dass Almased & Co. vielleicht weniger Pfunde, aber mit Sicherheit keine anregenden Geschmackserlebnisse bringen. Das macht einen Test auch zur Geschmackssache; dazu kommt: Jeder Mensch reagiert anders auf das, was er zu sich nimmt. Das fängt mit Allergien, etwa auf Soja, an und hört mit Verdauungsproblemen noch lange nicht auf. Deshalb können die Berichte der Probanden nur Eindrücke vermitteln, womit Sie rechnen müssen, wenn Sie mit Diät-Pulvern abnehmen wollen. Als Grundlage eines Testurteils eignen sich solche Erfahrungsberichte dagegen nicht.

Aber die anderen Testpunkte offenbaren genügend Unterschiede und zeigen zum Beispiel, dass Sie mit dem Testsieger vergleichsweise einfach und außerdem günstig abnehmen: So reicht eine 430-Gramm-Dose Fit+Feelgood Slim von Layenberger für zehn Mahlzeiten, von der jede knapp 50 Cent kostet. Für die bekannteren Diät-Pulver wie Yokebe zahlen Sie dagegen 1,60 Euro pro Portion, also gut das Dreifache. Zu den Kosten fürs Pulver kommen in der Regel noch die für die Milch, mit der Sie die Shakes anrühren. Bei Almased müssen Sie noch einen Esslöffel Öl pro Shake einrechnen. Und wenn Sie die Shakes etwas aufpeppen wollen, kommen Kosten für Obst und weitere Ballaststoffe hinzu.

Am meisten Federn lassen mussten viele Diät-Pulver bei der ernährungsphysiologischen Einschätzung: Zahlreiche Pulver enthielten einerseits zu viel Zucker, andererseits zu wenig Kalorien, um (wie in der Werbung versprochen) alle drei Mahlzeiten eines Tages zu ersetzen. Das wissen natürlich auch die Hersteller, weshalb sich einige Extra-Sättigungskapseln teuer bezahlen lassen.
Geht das nicht auch günstiger? Klar: Wenn Sie auf Geschmackserlebnisse nicht verzichten wollen, achten Sie genau auf Ihre Ernährung achten und treiben Sport. Das ist zwar etwas komplizierter, lässt aber ebenfalls die Pfunde purzeln.

Was ist eigentlich drin im Diät-Shake?

Die Anbieter der Diät-Pulver werben mit besonderen Inhaltsstoffen ihrer Produkte. Das rühren Sie in Ihren Shake:
  • CLA: 
Die Abkürzung steht für Conjugated Linoleic Acids, zu Deutsch: konjugierte Linolsäuren. CLA ist etwa im Multan Figur-Former enthalten und soll während der Diät den Fettabbau verbessern.
  • Glucomannan: 
Der Ballaststoff stammt aus der Konjakwurzel. Anbieter wie Xlim bieten neben dem Pulver Kapseln mit Glucomannan an, die mit viel Wasser eingenommen werden. Der Stoff quillt im Magen und sorgt für ein Sättigungsgefühl.
  • Guaraná: 
Die Lianenart stammt aus Südamerika. Die Samen haben einen hohen Koffeinanteil und sollen während der Diät appetithemmend wirken.
  • L-Carnitin
: Das ist ein vitaminähnlicher Stoff, der aus Aminosäuren gewonnen wird. Bei Diäten soll er die Fettverbrennung ankurbeln. Die Wirkung ist allerdings umstritten.