Diät für Kinder

Weight Watchers launcht umstrittene Diät-App für Kids

Müssen Achtjährige schon Diät halten? Wenn es nach Weight Watchers geht, dann ja. Die App Kurbo soll Ihnen dabei helfen.

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Kurbo App

Kurbo zeigt schon auf der Startseite fast nur junge Mädchen mit Idealgewicht – die richtige Zielgruppe für eine Diät-App?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass weltweit heutzutage nicht nur Erwachsene große Probleme mit Übergewicht haben, sondern in vielen Ländern – besonders in den USA – bereits Kinder und Jugendliche falsches Essverhalten lernen und übergewichtig sind. Das bekannte Unternehmen Weight Watchers, das mittlerweile nur noch „WW“ heißt, hat nun in den USA die App Kurbo vorgestellt. Sie soll Kindern zwischen 8 und 17 Jahren helfen, „ein gesünderes Gewicht“ und „gesunde Gewohnheiten für's Leben“ zu lernen.

Diät-App Kurbo: Die Verantwortung sollte nicht bei den Kindern liegen

Der dahinterstehende Gedanke ist sicher nicht verkehrt, der Ansatzpunkt von WW aber steht derzeit stark in der Kritik: Die Erfolgsgeschichten auf der Webseite zeigen Acht- und Zehnjährige, die 20 Kilo abgenommen und ihren „BMI reduziert haben“ – in einem Alter, in dem Kinder sich fraglos mit anderen Dingen beschäftigen sollten. Die Kritik in sozialen Medien wächst nicht nur deshalb, sondern auch, weil Kurbo exorbitant hohe Preise für seinen Service aufruft: Das günstigste Paket kostet fast 13 Dollar die Woche. Wer sich für drei Monate verpflichtet, zahlt 190 Dollar.
Kurbo App

Der zehnjährige Robby hat über 20 Kilo abgenommen – Kurbo feiert das als Erfolg.

Dafür trackt die App auf dem Smartphone der Kids, was gegessen und wie viel sich bewegt wird. Einmal die Woche gibt es einen Video-Chat mit einem Fitness-Coach. Rezepte und Einkaufslisten sollen helfen, gesund einzukaufen und zu kochen. Und genau hier liegt das Problem: Eine Achtjährige ist wohl kaum für den Einkauf der Familie zuständig – eine solche Diät-App gehört daher keinesfalls in die Hände von Kindern, sondern allerhöchstens in die Hände der Eltern. Eben die sind auch fraglos dafür verantwortlich, wenn ein Kind bereits zwischen acht und zehn an starkem Übergewicht leidet; leben es im schlimmsten Fall selbst vor. Eine Diät-App ist also der absolut falsche Ansatz im Umgang mit solchen familiären Strukturen.

Diät-App Kurbo: Schon im Kindesalter liegt der Fokus auf Essen

Kritiker werfen WW zudem vor, mit dieser App schon im Kindesalter einen ungesunden Fokus aufs Essen zu legen – der perfekte Nährboden für spätere Essstörungen. Darüber hinaus zeigt die Kurbo-Webseite auffallend viele Bilder jugendlicher Mädchen ohne jegliche Gewichtsprobleme und vermittelt so, dass sich auch Normalgewichtige dringend dem Programm unterziehen sollten. Gegenüber dem britischen Independent äußert eine Sprecherin der Vereinigung „Obesity UK“, Kinder in dem von WW anvisierten Altersbereich seien sehr beeinflussbar und das Unternehmen setze sie der Gefahr aus, ihr Leben lang unter Essstörungen zu leiden. Mittlerweile gibt es sogar eine Petition, die WW dazu auffordert, die App vom Markt zu nehmen.

von Linda Schult

Alles, was eine technische Komponente hat, ist bei mir bestens aufgehoben. Alles, was man essen kann aber natürlich auch.