Verständliche Kennzeichnung

Nutri-Score und Lebensmittelampel: Streit kocht auf

Farbsysteme auf Packungen sorgen für Durchblick im Supermarkt. Doch warum sträubt sich die Politik? Besonders den oft vorgeschlagenen Nutri-Score kritisieren viele.

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Nutri-Score

Der Nutri-Score kennzeichnet und bewertet Lebensmittel anhand ihrer Nährstoffe.

Müsli, Joghurt, Pausensnacks – Hersteller werben auf den Verpackungen ihrer Produkte oft mit frischem Obst, Gemüse und Milch, obwohl sie nur selten etwas von den frischen und gesunden Zutaten enthalten. Das erweckt bei vielen Verbrauchern den Eindruck, dass es sich bei den Produkten tatsächlich um etwas Gesundes handeln könnte. Die Nährwerttabelle auf der Rückseite erschließt sich dabei nur wenigen – zu klein abgedruckt ist sie für den einen oder anderen nicht gut lesbar. Und die Angaben über Fett, Salz, Zucker und Kalorien muss man erst einmal mit seinem eigenen Tagesbedarf in Verbindung bringen. Zu verstehen, ob es sich um ein gesundes oder ungesundes Produkt handelt, ist unnötig kompliziert. Daher fordern Verbraucherschützer, Ärzte und Krankenkassen eine verpflichtende, verständlichere Kennzeichnung. Doch in der Politik tut sich nichts.

Nutri-Score: Die verständliche Lebensmittelampel?

Eine gut verständliche Lebensmittelampel soll den Verbrauchern dabei helfen, auf einen Blick zu verstehen, wie gesund ein Produkt ist. Eines der Systeme, das sich in Europa zur Zeit durchsetzt, ist der Nutri-Score. Der Nutri-Score gibt Lebensmitteln für günstige Nährstoffe wie Gemüse, Obst, Proteine und Ballaststoffe Pluspunkte und für ungünstige Inhaltstoffe wie Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren Minuspunkte. Daraus ergibt sich ein Gesamtwert, der beim Nutri-Score dann in fünf Stufen (von A bis E) und Farben dargestellt wird: A steht für sehr gesund und E steht für ungesund. Mit dieser Rechnung können gleiche Produkte abhängig von ihren Inhaltsstoffen unterschiedlich bewertet werden. Eine Tiefkühlpizza kann beispielsweise mit einem D bewertet werden, während eine weitere Tiefkühlpizza eines anderen Herstellers eine B bekommt, weil sie einfach weniger Salz und Fett enthält.

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Nutri-Score: Die Regierung reagiert nicht

Während man in vielen Ländern der EU bereits über eine Einführung einer verpflichtenden Kennzeichnung durch beispielsweise den Nutri-Score spricht, tut sich in Deutschland wenig. Ernährungsministerin Julia Klöckner spricht sich gar offen gegen eine Lebensmittelampel aus. Ihrer Meinung nach habe jedes Modell Vor- und Nachteile, denn eine Ampel sei zu simpel gedacht und könne die Verbraucher ebenfalls täuschen. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Politikerin ganz im Sinne der Lebensmittel-Lobby agiert, denn diese sperrt sich mehrheitlich gegen die Ampelkennzeichnung. Und das obwohl mehrere Studien bereits bestätigen, dass Kennzeichnungsmodelle wie der Nutri-Score Verbrauchern dabei helfen, den Nährwertgehalt von Lebensmitteln zu besser einzuschätzen. Die Ernährungsministerin Klöckner kündigte jedoch an, ein eigenes Modell entwickeln zu wollen. Wie das aussehen soll, ist nicht klar. Zudem könnte die Entwicklung eines neuen Modells noch mehrere Jahre dauern.
Sabine Stanek

von Sabine Stanek

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