Umstrittener Konzern

Neuer Skandal: Bezieht Nestlé Palmöl aus Kinderarbeit?

Recherchen zeigen: Nestlé bezieht Palmöl von Plantagen und Mühlen, die für Kinderarbeit bekannt sind.

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Nestlé Headquarter

Der Konzern Nestlé steht erneut in der Kritik.

Lässt sich das mittlerweile recht fragwürdige Image des Großkonzerns Nestlé noch retten? Angesichts der immer wieder hochkochenden negativen Schlagzeilen, wird es langsam schwierig für das Unternehmen: Seit vielen Jahren muss sich Nestlé unter anderem wegen der Ausbeutung des Dorfes Vittel zur Gewinnung des hauseigenen Vittel-Wassers rechtfertigen. Ohne Rücksicht auf die Bewohner der französischen Kleinstadt pumpt das Unternehmen Quellwasser für seine umsatzstarke Marke ab – der Grundwasserspiegel des Dorfes sinkt, die Bewohner sitzen auf dem Trockenen. Nestlé dementiert unter anderem gegenüber dem Stern eine bestehende Wasserknappheit. Die Kontroversen nehmen aber kein Ende: Mitte des Jahres zeigte sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lobend in einem Video nebst Nestlé-Chef Marc-Aurel Boersch. Klöckner erntete einen Shitstorm für die warmen Worte, die sie für den reduzierten Zucker-, Fett- und Salzgehalt in einigen Nestlé-Produkten übrig hatte. Nun steht wenige Monate später schon der nächste Skandal ins Haus: Die schweizer Nichtregierungsorganisation Solidare Suisse deckte bei einer umfangreichen Recherche die unmenschlichen Arbeitsbedingungen von Arbeitern auf Palmöl-Plantagen auf, von denen Nestlé einen großen Teil seines Palmöls bezieht.

Nestlé in der Kritik: Kinderarbeit auf Palmöl-Plantagen

Laut Solidare Suisse gehört Zwangs- sowie Kinderarbeit auf den Palmöl-Plantagen auf der Insel Borneo zum gefährlichen Alltag. Viele Arbeiter haben keine Aufenthaltserlaubnis, stammen aus Indonesien und fürchten ihre Abschiebung – können sich somit nicht gegen schlechte Arbeitsbedingungen wehren und haben keine Rechte. Kinder, die hier geboren werden, sind nirgendwo offiziell gemeldet, erhalten keine Geburtsurkunden und müssen in sehr vielen Fällen ihre Eltern bei der Arbeit unterstützen, damit die Familie über die Runden kommt. Die Arbeiter auf den Plantagen ernten die Palmölfrüchte, die anschließend weitertransportiert und noch in Malaysia zu Öl gepresst werden. In Europa werden sie dann in unzähligen Produkten weiterverarbeitet, nicht nur in Kosmetika, sondern auch in Nahrungsmitteln.

Nestlé will zu einer gesünderen Zukunft beitragen

Laut Solidare Suisse enthält in der Schweiz etwa jedes sechste Produkt Palmöl. Nestlé bezieht ungefähr ein Drittel seines gesamten Palmöls von den Mühlen und Plantagen in Malaysia. Das Unternehmen will mit diversen Siegeln die eigene Nachhaltigkeit belegen, und auch auf der Webseite gibt man an, „die Lebensqualität verbessern und zu einer gesünderen Zukunft beitragen“ zu wollen und “50 Millionen Kindern zu einem gesünderen Leben“ zu verhelfen. Doch die Realität, die Solidare Suisse zeigt, sieht anders aus.
Linda Schult

von Linda Schult

Alles, was eine technische Komponente hat, ist bei mir bestens aufgehoben. Alles, was man essen kann aber natürlich auch.