Verbraucherzentrale schlägt Alarm

Nestlé: Lügt der Konzern über die Reduktion von Zucker & Co.?

Ärger für Nestlé: Eigentlich wollte sich der Konzern als Vorreiter bei der Reduktion von Zucker, Salz & Co. feiern lassen. Der Plan geht nicht auf.

Datum:
Nestlé

Nestlé hat sich kürzlich noch mit Ernährungsministerin gefeiert. Jetzt bröselt der schöne Putz.

Zehn Prozent weniger. Weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett. So lautet die Botschaft, für die sich Ernährungsministerin Julia Klöckner kürzlich medienwirksam mit Nestlé-Deutschland-Chef Mark-Aurel Boersch hat filmen lassen. Nestlé wolle künftig immer gesündere Lebensmittel herstellen – und schon jetzt habe man Zucker, Salz und Fett um rund zehn Prozent reduziert. Die Ministerin feierte die freiwillige Reduktion dieser oft ungeliebten Produktbestandteile als großen Erfolg, Kritiker verspotten die für sie offensichtliche Anbiederung der Ministerin an Interessen der Wirtschaft. Unabhängig von der werblich wirkenden Art des Videos, zeichnet sich jetzt aber ein Bild, das dem Weltkonzern – und der Ministerin – nicht unbedingt gefallen dürfte. Nach Recherchen der Verbraucherzentrale Hamburg erfüllt Nestlé die selbstgesteckten Marker offenbar nicht.

Tests offenbaren: Nestlé erfüllt eigenes Versprechen nicht

Wie haben sich die Produkte im Zeitraum 2008 bis 2016 im Vergleich zu heute verändert? Die Verbraucherzentrale Hamburg analysiert die Nährwertangaben von 24 Stichprobenartig gewählten Produkten und kommt zu dem Schluss: Statt jeweils zehn Prozent zu reduzieren, dümpeln die Werte im einstelligen Bereich herum. Bei Produkten wie Smarties, KitKat oder Choclait Chips sind die Werte oft sogar gestiegen. Hier schossen die Kalorien, Zucker und Fett im Vergleich zu älteren Varianten in die Höhe. Es gibt aber auch tatsächliche Erfolgsgeschichten: Die ohnehin zuckerreduzierte Variante des kakaohaltigen Getränkepulvers Nesquik kommt nun mit noch weniger Zucker aus. Immerhin – auch wenn die klassische Produktvariante noch immer aus gut drei Vierteln Zucker besteht. Insgesamt schafft der Hersteller es aber nicht, eine durchschnittliche Reduktion um die versprochenen zehn Prozent zu liefern. Lediglich beim Salz – dessen Gesundheitsrisken umstritten ist– knackt Nestlé laut VZHH im Durchschnitt aller Produkte den selbstverpflichteten Wert.
  • Zucker: 4 von 24 Produkten um über 10 Prozent, durchschnittlich 5,7 Prozent
  • Fett: 3 von 24 Produkten um über 10 Prozent, durchschnittlich 0 Prozent
  • Salz: Reduktion um durchschnittlich 11,3 Prozent

Galerie: Die billigen Tricks der Lebensmittelhersteller

Nestlé: Verbraucherzentrale kritisiert Reduktions-Strategie

Es bleibt Unklar, auf welche Daten sich Nestlé bei den Angaben stützt. Anhand der Tests der Verbraucherzentrale lassen sich die angespriesenen Reduktionen nur schwer erkennen. Es stellt sich die Frage: Fehlen einfach wichtige Daten – oder hat der Konzern schlichtweg über die Erfolge gelogen? Eine Stellungnahme wurde angefragt, liegt allerdings noch nicht vor.