Behörden lenken Ein

Irre Bürokratie: Lemonaid darf nun doch eine „Limonade” bleiben

Darf sich die Hamburger Lemonaid bald nicht mehr Limonade nennen, weil sie zu wenig Zucker enthält? Jetzt lenken die Behörden ein.

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Lemonaid

Lemonaid ist erfolgreich. Mit der Sorte Limette fing alles an.

Glück im Unglück: Der Hamburger Limonadenhersteller Lemonaid kann aufatmen. Nach einer Untersuchung des Bezirksamts Hamburg-Mitte sollte das Unternehmen künftig auf den Begriff „Limonade” auf all seinen Produkten verzichten. Doch mit dieser Forderung ist jetzt Schluss: Nach zahlreichen empörten Medienberichten und großer Resonanz in den sozialen Medien bleibt der Status des Getränks als Limonade nun wohl doch bestehen. Das teilte das Bezirksamt Hamburg-Mitte nur kurz nach Bekanntwerden des Skandals mit. Jetzt wird aus der unangenehmen Geschichte eventuell sogar etwas Gutes: Die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hat angekündigt, die teils fragwürdigen Leitsätze für Lebensmittel auf Bundesebene prüfen zu lassen. In einer Stellungnahme heißt es von der Senatorin: „Der aktuelle Fall zeigt: Die Leitsätze für Erfrischungsgetränke sind in manchen Bereichen nicht nachvollziehbar und konterkarieren unsere Strategie zur Zuckervermeidung sowie zur gesundheitsbewussten Ernährung. Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, dass Leitsätze der Kommission für Lebensmittel zwar den Begriff Limonade schützen wollen, dadurch aber gleichzeitig der Reduzierung von Zucker entgegenwirken.

Das ist passiert: Behörde stellt Lemonaid vor Entscheidung

Mit diesem Brief hatte bei der Hamburger Limonadenmanufaktur wirklich niemand gerechnet. Zehn Jahre nach Markteinführung der ersten Lemonaid-Sorte „Limette” flatterte dann aber ein Schreiben des Bezirksamts Hamburg-Mitte bei den engagierten Limonaden-Machern in den Briefkasten. Das Fachamt Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt rüttelt in wenigen Zeilen an den Grundpfeilern der fairgehandelten Limonade. Denn genau das, eine Limonade, sei Lemonaid im Prinzip gar nicht. „Nach II. C. Nr. 1 der […] Leitsätze weisen Limonaden einen Gesamtzuckergehalt von mindestens 7 Gewichtsprozent auf. Dieser Anforderung entspricht die Probe in ihrer Zusammensetzung nach den Nährwertangaben pro 100 ml »Zucker 6,0 g” und dem hier ermittelten Extraktgehalt nicht.“ – kurz gefasst: Lemonaid Limette hat ein Gramm zu wenig Zucker, um als Limonade bezeichnet werden zu dürfen. Warum das jetzt, zehn Jahre nach Marktstart und bei unveränderter Rezeptur auffällt: schleierhaft.

Ursprüngliche Lösung: Lemonaid muss ungesünder werden?

Bevor es zur Einigung kam, wirkten die Alternative wie die Wahl aus Pest und Cholera. Das Amt unterbreitete zwei Lösungsvorschläge.
  1. Auf den Begriff Limonade künftig verzichten: Lemonaid verzichtet im Verkauf und Flaschendesign auf Begriffe wie „Limettenlimonade”. Da das Unternehmen aber die Flaschen bedruckt und nicht etikettiert würde das bedeuten: Alle bisherigen Flaschen wären nicht mehr wiederzuverwenden. Ein enormer Aufwand – auch finanziell – für das Hamburger Unternehmen.
  2. Lemonaid mit mehr Zucker produzieren: Um den im Markt wichtigen Begriff Limonade nicht zu verlieren, könnte das Unternehmen den Zuckeranteil auf 7 Prozent erhöhen. Für das Unternehmen ist diese Idee in Zeiten wo auch in der Politik immer mehr von Zuckerreduktion in Produkten gesprochen wird „bizarr”.

Lemonaid: Entscheidung vor Gericht?

In einem Statement fordert das Team von Lemonaid nun: „Seid so süß und ändert die Richtlinie. Natürliche Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden – sondern der Normalfall sein.” Zur Not sei sogar eine Auseinandersetzung vor Gericht denkbar gewesen – doch dazu muss es jetzt ja glücklicherweise nicht mehr kommen.

Lemonaid

Erik J. Schulze

von Erik J. Schulze

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