Kalter Handelskrieg

Hunderte Produkte verschwinden: Kaufland wagt radikalen Schritt

Hunderte Produkte verschwinden für vielleicht immer aus den Regalen von Kaufland. Betroffen sind Knorr, Lagnese, Lipton und mehr. Die Hintergründe.

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Kaufland Unilever

Eskalation: Kaufland zieht im Streit mit Unilever die Reißleine.

Kaufland nimmt hunderte Produkte des Konzerns Unilever aus dem Programm – für unbefristete Zeit! Das berichten Lebensmittelzeitung und Handelsblatt. Ab dem 31. Dezember verschwinden über 480 beliebte Produkte des Lebensmittelriesen aus den Regalen des Supermarkts. Dabei ist Unilever aus Supermärkten eigentlich nicht wegzudenken, gehören dem Konzern doch etablierte Marken wie Knorr, Axe, Lagnese, Mondamin, Signal, Lipton, Pfanni, Ben & Jerry’s oder Dove und Duschdas. Kaufland zieht nach monatelangen Streitereien die Reißleine und nimmt diese Marken allesamt deutschlandweit aus dem Verkauf, lediglich einige Eis-Marken bleiben in den Tiefkühltruhen.

Kaufland gegen Unilever: Reißleine im Preiskampf

Der Grund: Die von Unilever angebotenen Konditionen seien nach Angaben des Marktes drastisch erhöht worden. In der von Kaufland veröffentlichten Stellungnahme heißt es dazu offiziell: „Zum 31. Dezember beendet Kaufland die Jahrzehnte lange Geschäftsbeziehung zu Unilever in Deutschland. Gründe hierfür sind drastische Preiserhöhungen sowie einseitige Änderungen der Geschäftsbedingungen von Unilever.“ Ein erster, größerer Boykott machte nach langen Auseinandersetzungen der beiden Parteien schon im September 2018 Schlagzeilen – und das über die Landesgrenzen hinaus: auch in Tschechien, der Slowakei, Bulgarien und Rumänien bestellen die Märkte der Schwarz-Gruppe (zu der neben Kaufland auch Lidl gehört) keine Unilever-Waren mehr nach. Ein Schritt, der Unilever stark treffen dürfte.

Unilever: Schweigen ist Gold?

Unilever reagiert in der Regel nicht öffentlich auf entsprechende Entwicklungen und zeigt sich undurchsichtig. Im September hieß es, man mache prinzipiell keine Angaben zu laufenden Gesprächen mit Handelspartnern – diese seien vertraulich. Kaufland hingegen zeigt sich kämpferisch: Lücken in den Regalen werden seitdem mit Eigenmarken aufgefüllt. Man wolle den Kunden unter anderem hohe Qualität und den besten Preis bieten. Das sei – laut ursprünglichem Statement – mit den neuen Konditionen nicht möglich.
Erik J. Schulze

von Erik J. Schulze

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