Mehr als ein Durchhänger

Gericht erklärt Alkohol-Kater zur Krankheit

Kurios: Das Oberlandesgericht erklärt den nach übermäßigem Alkoholkonsum auftretenden „Kater“ zur Krankheit. Ein Freifahrtschein für hemmungslose Besäufnisse mit anschließender Krankschreibung? Eher nicht!

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Kater

Zu hart gefeiert? Mit einem Kater sind Sie nun offiziell krank!

Feiern steht insbesondere bei jungen Menschen häufig synonym für ungehemmten Alkoholkonsum. Auf den folgt stets das böse Erwachen in Form eines sogenannten Katers. Müdigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit machen den Tag nach der feucht-fröhlichen Sause zur Hölle – besonders dann, wenn am Morgen die Arbeit ruft. Ein findiger Unternehmer wollte aus diesem Umstand Profit schlagen und entwickelte einen sogenannten „Anti Hangover Drink“. Das Versprechen: Wer sich das Nahrungsergänzungsmittel hinter die Binde kippt, beugt einem Kater vor. Klingt nach einer praktischen Erfindung, erhielt nun aber eine knallharte Absage von der Justiz.

Kater als Krankheit: Anti-Hangover-Drink unzulässig

Nach einer Verbraucherklage gegen den Hersteller hat sich jetzt das Oberlandesgericht in Frankfurt mit der Frage beschäftigt, ob dessen Werbebotschaft zulässig ist. Der Knackpunkt: Laut Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) dürfen Hersteller Lebensmittel nicht mit der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit bewerben. Aber ist der Kater tatsächlich eine Krankheit? Jeder Arbeitgeber würde hier vermutlich energisch den Kopf schütteln, doch das Gericht sieht die Angelegenheit anders. In ihrem Urteilsspruch erklärten die Richter einem Medienbericht zufolge den durch Alkoholkonsum herbeigeführten Zustand zur Krankheit und die Anpreisung des „Anti Hangover Drinks“ für unzulässig.

Kater als Krankheit: Außerhalb natürlicher Schwankungsbreite

Der Grund: Eine Krankheit ist per gerichtlicher Definition „jede vorübergehende Störung der normalen Beschaffenheit oder der normalen Tätigkeit des Körpers“. Dass der Kater selbstverschuldet ist, keiner ärztlichen Behandlung bedarf und von allein wieder verschwindet, spiele bei dieser Einschätzung keine Rolle. Symptome wie Übelkeit und Kopfschmerz lägen „außerhalb der natürlichen Schwankungsbreite des menschlichen Körpers“ und seien daher als Erkrankung infolge der Einnahme einer schädlichen Substanz einzustufen. Bislang ist das Urteil nicht rechtskräftig.