„Wir sagen Danke”

Edeka: Halbherziges Vatertagsvideo enttäuscht Fans

Edeka ist für provokante Werbevideos bekannt. Der letzte Film stellte Väter als Versager dar. Ist das neue Vatertagsvideo ein gelungener Ausgleich?

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Edeka-Werbespot

Edeka bekam viel Kritik für Muttertags-Werbespot. Auch der Vatertags-Clip kommt nicht gut an.

Edeka versucht es erneut: Nachdem man mit einem kontroversen Video zum Muttertag Millionen Aufrufe bei Youtube generieren konnte, bringt der Supermarkt-Riese jetzt einen weiteren Clip zum Vatertag. Die Herangehensweise ist ähnlich wie beim Muttertagsvideo, das Väter als unfähige Trottel darstellte. Jetzt dreht Edeka den Spieß um – vielleicht auch, weil die Kritik am Muttertagsvideo immens war: In schwarz-weißer Ästhetik zeigt es Kinder, die nicht unbedingt zufrieden mit dem Verhalten ihrer Mütter sind. Gleichzeitig rückt es Väter als vermeintliche Retter in den Fokus, beispielsweise beim heimlichen Bereitstellen einer Ketchup-Flasche zur „Veredelung” eines sonst sehr gesunden Gerichts. Allerdings wirkt das Video etwas halbgar: Der neue Clip hat im Vergleich zum Original nur gut ein Drittel der Laufzeit, die Szenen sind deutlich weniger intensiv. Die naheliegende Vermutung: Das Video wurde in letzter Minute konzipiert, um nach dem kontroversen Muttertagsvideo einen kleinen Ausgleich für die zum Teil arg zimperlich reagierende Männerwelt anzubieten.

Edeka und Muttertag: Darum ging es im ersten Skandalvideo

Es ist das alte Werbeklischee vom trotteligen Familienvater: Er vergisst den Deckel auf dem Mixer und saut die ganze Küche ein. Der Umgang mit seiner Tochter beispielsweise beim Haare kämmen oder Ballspielen ist hart und wenig einfühlsam. Außerdem platzt er in ungünstigen Momenten in das Zimmer des Sohnes rein. Am Ende des Videos heißt es „Danke Mama, dass du nicht Papa bist“ – denn im Gegensatz zu den Vätern würden Mütter zuhören, auf die Kinder aufpassen und das nötige Feingefühl zeigen. Dieses Rollenbild rückt seit einigen Jahren mehr in die Kritik und gilt bei vielen in der aktuellen Wahrnehmung als unerträgliches Klischee.

Edeka: Video zum Vatertag ist kein Hit?

Schon wenige Stunden nach der Veröffentlichung hatte der Muttertagswerbespot eine sechsstellige Anzahl an Aufrufen erreicht. Die Reaktionen darauf: eher negativ. Trotzdem erfüllte die virale Kampagne ihren Sinn. Das Vatertagsvideo wird dieser Erwartung nicht ganz gerecht: Die Aufrufzahlen des kurzen Clips sind um ein Vielfaches geringer als die des ursprünglichen Clips zum Muttertag. Die Reaktionen sind ebenfalls eher ablehnend, viele Männer fühlen sich nicht genug repräsentiert und fordern ausgleichende Gerechtigkeit. Ein Nutzer auf Youtube schreibt spürbar aufgebracht: „Wo sind die Szenen in denen über die Mütter mit allen Mitteln hergezogen wird? Bei dem Muttertag ging das doch andersrum auch. Aber ist nur so lange witzig so lange es gegen Männer geht richtig?

Warum sind Edeka Videos so kontrovers?

Die Konzepte von Edekas Werbevideos sind meist durchdacht und haben schon einige der Kreationen zum Klassiker und Internethit gemacht. Fast immer ist der Ansatz ähnlich: Eine Geschichte, die polarisiert, soll für Debatten sorgen und somit zusätzliche Reichweite generieren. So sorgte beispielsweise die Weihnachtskampagne „Heimkommen“, in der ein Großvater seinen Tod vortäuschte, um seine Kinder und Enkel zum Besuch zu motivieren, für Diskussionen im Netz. Aber am Ende wurde der Clip eher als interessanter Beitrag zu den eigentlichen Werten des Weihnachtsfestes gewertet. Die Kampagnen zum Mutter- und Vatertag wurden hingegen etwas kontroverser diskutiert.
Erik J. Schulze

von Erik J. Schulze

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