Online-Händler in der Kritik

Amazon: Kunden klagen über abgelaufene Lebensmittel

Online-Händler Amazon bietet neben Technik, Büchern & Co. seit geraumer Zeit auch Lebensmittel an – und bekommt damit jetzt ein Problem. In den USA häufen sich Beschwerden über den Versand verdorbener Waren.

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Schimmel

In den USA erhalten immer mehr Kunden verdorbene Lebensmittel von Amazon-Marketplace-Anbietern.

Wer bequem und günstig online shoppen möchte, landet früher oder später auf den Seiten von Amazon. Der Handelsriese bietet Produkte aus nahezu allen Kategorien an. Seit einigen Jahren vertreibt das Unternehmen sogar Lebensmittel. Dabei stammen die feilgebotenen Waren nicht nur direkt von Amazon, der Händler versteht sich auch als Verkaufsplattform für rund 2,5 Millionen Drittanbieter. Ein Umstand, der zwar die Angebotspalette des Onlineshops enorm vergrößert, dem Konzern aber immer häufiger Probleme bereitet. Der Grund: Unter den sogenannten Marketplace-Händlern befinden sich zahllose schwarze Schafe. In jüngerer Vergangenheit waren es vor allem Produktpiraten, die das Verkaufserlebnis auf Amazon trübten und dem Ruf des Händlers mit dem Verkauf gefälschter Markenartikel schadeten. Jetzt offenbart sich ein weiteres Problem.

Amazon: Abgelaufene Babynahrung

Einem Medienbericht zufolge häufen sich in den USA die Beschwerden über den Versand abgelaufener Lebensmittel, die Kunden via Amazon bestellt haben. Untersuchungen des US-Nachrichtensenders CNBC zufolge finden sich bei allen größeren Lebensmittelanbietern auf Amazon Klagen über verdorbene Waren. Betroffen sind unterschiedlichste Produkte von Dressings über Dörrfleisch bis hin zu Kaffeesahne und Babynahrung. Laut Bericht handelt es sich dabei vermutlich nicht um unglückliche Zufälle, sondern um gezielten Betrug. Die Vermutung: Viele Drittanbieter erstehen günstig abgelaufene Waren etwa bei Geschäftsauflösungen und bieten diese dann via Amazon an. Die betroffenen Kunden bleiben laut Bericht häufig auf den schimmeligen Lebensmitteln sitzen, da eine Rücksendung oft nicht möglich sei. Teilweise bemerken sie das Problem erst nach dem Öffnen der Verpackung oder gar erst beim Verzehr der Ware.

Amazon: Zu schwache Kontrollen

Amazon gibt an, dass über den Marketplace angebotene Lebensmittel eine Mindesthaltbarkeit von 90 Tagen aufweisen müssten. In der Praxis fallen die Kontrollen laut Experten und Insidern jedoch unzureichend aus. Nicht nur abgelaufene Lebensmittel landen beim Endkunden, auch existieren Berichte von Etikettenschwindel. So soll ein Anbieter etwa Flaschen eines teuren Mineralwassers mit Leitungswasser befüllt und als das Original verkauft haben. Experten fürchten, dass das Problem durch das stetige Wachstum des Amazon Marketplace rasant zunehmen könnte. Seriöse Händler und Markenhersteller sorgen sich aufgrund der aktuellen Entwicklung um ihren Ruf, da sie häufig unmittelbar von den negativen Bewertungen betroffen sind, obwohl sie für den Schaden keine Verantwortung tragen. Laut Bericht ergreifen viele Firmen deshalb selbst Gegenmaßnahmen. Einige kontrollieren die via Amazon angebotenen Waren durch Stichprobenkäufe, andere stellen neues Personal ein, das sich gezielt um Kundenbeschwerden auf Amazon kümmert und wieder andere raten offiziell vom Kauf über den Amazon Marketplace ab. Ob, wann und wie Amazon dieses Problem aus der Welt schafft, bleibt unklar.

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