Experten prognostizieren

Bankrott in 11 Jahren: Fleischindustrie vor dem Aus?

Ambitionierte Prognose: In einer aktuellen Studie sagen Forscher den Bankrott der Fleischindustrie für das Jahr 2030 voraus. Ist das tatsächlich möglich?

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Kühe

Geht es nach einer aktuellen Studie, kommt Rindfleisch schon in wenigen Jahren nur noch aus dem Labor.

Immer mehr Menschen hinterfragen ihren Fleisch- und Milchkonsum. Die Problematik des Klimawandels, Schreckensberichte über Massentierhaltung und wachsende Aufklärung schärfen das ethische Bewusstsein der Konsumenten. Die Industrie reagiert auf diesen Trend mit immer neuen Ersatzprodukten für Fleisch und Milch. Gegenwärtig sind es vor allem pflanzliche Alternativen, die den Burger, das Schnitzel oder den Joghurt nachahmen. Doch im Hintergrund werkeln Wissenschaftler mit Hochdruck an der Marktreife von Laborlebensmitteln. Die Vision vom echten Fleisch aus dem Reagenzglas ist längst Realität – und könnte die bisherige Fleischindustrie schon in wenigen Jahren zu Fall bringen.

Software-Essen statt Schlachtprodukt

Das zumindest behaupten Technologie-Experten der US-Denkfabrik RethinkX. In einer aktuellen Studie prognostizieren die Forscher einen Rückgang der Rindfleisch- und Milchnachfrage um 70 Prozent bis zum Jahr 2030. Schon vorher soll die Industrie vor dem finanziellen Bankrott stehen. Eine ähnliche Entwicklung soll kurz darauf auch für Geflügel, Schweinefleisch und Fisch folgen. Dabei mutet die Voraussage der Experten etwas überambitioniert an. Ersetzt werden sollen die bisherigen Produkte nämlich durch sogenanntes Software-Essen (Food-as-Software). Dafür entwickeln Wissenschaftler Laborfleisch und andere Lebensmittel auf molekularer Ebene und laden deren Zusammensetzungspläne als Datensätze in eine Cloud-Datenbank.

Positive Nebeneffekte

Auf die greifen nach Vorstellung der Experten dann Essens-Designer auf der ganzen Welt zurück, um ihre eigenen Produkte im Labor herzustellen. Diese Entwicklung beende nicht nur die Ausbeutung der Tiere, sie spare auch Geld und Ressourcen und mache riesige Landflächen für andere Zwecke frei. Im Labor gefertigte Produkte sollen nur noch halb so teuer sein, wie die konventionellen Varianten. Das ist aktuell kaum vorstellbar. Immerhin kostete der erste im Labor produzierte Burger 2013 noch 280.000 US-Dollar (ca. 250.000 Euro). Der Preis sinkt seither zwar steig, doch aktuell sind Wissenschaftler nicht in der Lage, Laborfleisch in den Mengen und zu den Kosten zu produzieren, wie es für ein marktreifes Produkt nötig wäre.

Experten sind skeptisch

Ein Beispiel: Das Unternehmen Perfect Day verkaufte 2019 erstmals Eis auf Basis von im Labor hergestellter Milch für 20 US-Dollar pro Stück. Die Nachfrage war riesig und das Eis innerhalb eines Tages ausverkauft. Nachproduzieren konnte man bislang aber noch nicht. Abgesehen vom Stand der Technologie und den damit verbundenen Kosten gibt es zahlreiche weitere Hürden, um die Einführung von Labor-Lebensmitteln im prognostozierten Maß auf den Markt zu bringen. So gibt es einem Medienbericht zufolge aktuell noch keinerlei Regulierungen und staatliche Kontrollen für entsprechende Produkte. Zudem steht die Mehrheit der Menschen den künstlich erzeugten Produkten noch skeptisch gegenüber. Auch den Einfluss der weltweiten Fleisch-Lobby vernachlässigen die Forscher in ihrer Prognose. Und so äußern selbst Unterstützer des Labor-Lebensmittel-Trends Zweifel an der Voraussage. Eine Vertreterin der Pro-Fleischersatz-Organisation Good Food Institutes schreibt in ihrem Blog etwa, dass es noch ein sehr weiter weg sei, um das in der Studie beschriebene Szenario zu realisieren.