Laborfleisch

Künstliches Fleisch: Steaks aus dem 3D-Drucker

Experimente um Laborfleisch gibt es schon länger – jetzt setzt ein israelischer Hersteller noch einen drauf: Fleisch aus dem 3D-Drucker!

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Fleisch aus dem Labor

Würden Sie das Fleisch aus dem 3D-Drucker probieren?

Fleischersatzprodukte gibt es in allen Formen und Farben: Der Beyond Burger besteht hauptsächlich aus Erbsenprotein, der vegetarische Schinken Spicker von Rügenwalder primär aus Ei. Auch Experimente rund ums Laborfleisch gibt es schon seit einigen Jahren. Für das plant das israelische Unternehmen Future Meat Technologies sogar schon einen Marktstart in 2021 – Details dazu finden Sie weiter unten. Was Redefine Meat jedoch in petto hat, lässt noch mehr aufhorchen: Der ebenfalls in Israel ansässige Hersteller druckt Ihnen das Fleisch mit dem 3D-Drucker – und es soll genauso wie echtes schmecken!

Redefine Meat: Steaks aus dem Drucker

Das entsprechende Gerät verwenden Sie dabei ähnlich wie einen Kaffeevollautomaten – nur die Technik darin ist natürlich gänzlich anders. Sie befüttern den Fleischspender mit einer Kapsel, deren Inhalte entweder pflanzlicher Natur sind oder aber aus im Labor gezüchteten Tierzellen bestehen. Anschließend startet der Druck und mündet in einem laut Firmengründer Eshchar Ben-Shitrit sehr leckerem künstlichen Steak. Laut The Guardian probieren Sie das Produkt bereits 2020 in europäischen Restaurants, der Preis liegt bei umgerechnet knapp 33 Euro pro Kilo. Weitere Informationen zu Redefine Meat finden Sie auf der offiziellen Seite.

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Laborfleisch: Start schon 2021?

Das israelische Unternehmen Future Meat Technologies arbeitet ebenfalls an Laborfleisch. Der Grund: Bislang war die künstliche Produktion echten Fleisches ist technisch sehr aufwendig, die Kosten für einen einfachen Burger lagen 2013 noch bei rund 250.000 Euro. Dennoch prognostizierten Experten erst kürzlich, dass im Reagenzglas gezüchtetes Fleisch schon 2030 die bisherige Industrie ablösen könnte. Geht es nach dem israelischen Unternehmen Future Meat Technologies, kommt das hin. Der Konzern erhielt von Investoren jüngst eine Finanzspritze in Höhe von 14 Millionen US-Dollar (circa 12,7 Millionen Euro) und peilt einem Medienbericht zufolge einen Marktstart seiner im Labor produzierten Fleischwaren für das Jahr 2021 an.

Laborfleisch: Erste Fabrik befindet sich im Bau

Eine entsprechende Fabrik befinde sich bereits im Bau. In der will man in den kommenden zwei Jahren erschwingliches und leckeres Laborfleisch in marktreifen Mengen produzieren. Pro Monat sollen zum Start Produkte vom Band rollen, die etwa 1.500 geschlachteten Hühnern oder fünf Kühen entsprechen. Das Unternehmen Future Meat Technologies existiert erst seit 2017, wäre nach aktueller Planung aber der erste Konzern, der tatsächlich Laborfleisch zum Kauf anbietet. Dabei möchte man selbst nicht als Marke in Erscheinung treten, sondern Zulieferer für renommierte Hersteller werden. Oberste Priorität setze man daher auf Qualität und Kosteneffizienz. Um Fleisch ohne Tiere zu züchten, verfolgt Future Meat einen ganz eigenen Ansatz.

Laborfleisch: Neue Methode entwickelt

Anders als bisherige Hersteller nutzt der Konzern als Ausgangsmaterial keine genmanipulierten Stammzellen sondern sogenannte Fibroblasten. Dabei handelt es sich um besonders schnell wachsende Zelltypen die auch bei der Wundheilung zum Einsatz kommen, um etwa Schnitte schnell zu schließen. Sie verdoppeln sich ohne großen Aufwand in weniger als 24 Stunden und können sowohl Muskel- als auch Fettgewebe bilden. Das Fleisch entstehe in 600 Liter großen Bioreaktoren und benötige rund zwei Wochen, um diese komplett zu füllen. Zum Auftakt will Future Meat eigenen Angaben zufolge Mischprodukte anstelle reiner Fleischsorten produzieren, da diese bei Konsumenten leichter angenommen würden und am günstigsten zu produzieren seien.

Laborfleisch: Große Nachfrage nach Fleischalternativen

Unternehmensgründer Yaakov Nahmias testet laut Bericht regelmäßig pflanzliche Burger, um von ihnen für seine eigenen Produkte zu lernen. Denen fehle ihm zufolge vor allem tierisches Fett, um authentischen Fleischgeschmack abzubilden. Daher plane er zum Start einen pflanzlichen Burger mit im Labor produziertem tierischem Fett. Dass sein Laborfleisch von Konsumenten nicht angenommen werden könnte, bereitet dem Forscher und Unternehmer keine Sorgen. Seiner Meinung nach sei der Bedarf an ressourcenschonenden Alternativen zum herkömmlichen Fleisch selbst in der Fleischindustrie so groß, dass die Nachfrage von ganz allein kommen werde. Bauern, die bislang von der Fleischproduktion lebten, könnten ihre Betriebe von der Viehzucht auf Bioreaktoren umstellen und seien nicht in ihrer Existenz bedroht. Future Meat benötigt eigenen Angaben zufolge 99 Prozent weniger Land und 96 Prozent weniger Wasser als die herkömmliche Fleischproduktion. Dabei produziert das Unternehmen 80 Prozent weniger Treibhausgase.
Pavel Girard

von Pavel Girard

Hobby-Koch. Japan-Nerd. Zusammen ergibt das eine große Vorliebe für die ostasiatische Küche. Eigentlich esse ich aber alles. Und schreibe drüber. Nur nicht über Brokkoli.