Teurer, kleiner, schlechter

Mogelpackung des Jahres: Dreiste Preiserhöhung für Chipsletten

Mogelpackung des Jahres: Es ist die vielleicht dreisteste Preiserhöhung der letzten Jahre: Lorenz hebt den Preis der Chipsletten um 70 Prozent an – mit miesen Tricks.

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Chipsletten

Die Packungsgröße ist fast identisch, der Inhalt ist aber dramatisch zusammengeschrumpft.

Lorenz Snack-World ist weiter auf Sparkurs und strapaziert so die Nerven und die Geldbeutel der Kunden. Immer wieder fällt das Unternehmen mit heimlichen Preiserhöhungen auf. Doch was sich Lorenz nun leistet, ist dreister als alle bisherigen Preiserhöhungen. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg aufdeckt, ist die neuste Preiserhöhung bei dem beliebten Kartoffel-Snack Chipsletten zu verbuchen. Wie schon bei bisherigen versteckten Preiserhöhungen (Erdnußlocken, Crunchips, Naturals, Saltletts …) schrumpft der Hersteller den Packungsinhalt deutlich zusammen, der Preis bleibt aber gleich. Konkret heißt das: Für 1,59 Euro bekommen Kunden nur noch 100 Gramm statt 170 Gramm – eine versteckte Preiserhöhung von 70 Prozent! Immerhin: Einige Supermärkte reduzierten den Preis eigenständig auf immerhin 1,39 Euro, was immernoch einer Kostensteigerung von 50 Prozent entspricht.

Chipsletten sind mit Abstand Mogelpackung des Jahres 2018

Die Mogelpackung des Jahres ist ein jährliches Online-Votum der Verbraucherzentrale Hamburg. Mehr als 40.000 Teilnehmer*innen hatten in den letzten Wochen abgestimmt – und mit einer überwältigenden Mehrheit von 58,7 Prozent der Stimmen das Knabbergebäck für den Negativpreis nominiert. Nach Angaben der Verbraucherzentrale ist dies das das eindeutigste Ergebnis aller Zeiten. Hier die nominierten Produkte im Überblick.
  1. Chipsletten von Lorenz Snack-World (23.279 Stimmen, 58,7 Prozent)
  2. Truthahnsalami Light 1A von Dulano (Lidl) (6.981 Stimmen, 17,6 Prozent)
  3. Mini Babybel von Bel (4.006 Stimmen, 10,1 Prozent)
  4. Smarties von Nestlé (3.450 Stimmen, 8,7 Prozent)
  5. Obstwiese Rheinisches Apfelkraut von Grafschafter (1.917 Stimmen, 4,8 Prozent)

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Chipsletten: Teurer, kleiner, schlechtere Zutaten und mehr Müll

Die Preiserhöhung ist besonders dreist, da die neue Verpackung optisch kaum kleiner ausfällt, obwohl nur etwas mehr als die Hälfte des ursprünglichen Inhalts in ihr steckt. Geschafft hat Lorenz das mit einigen Tricks: Statt in einer schlanken Alu-Dose kommt das Knabbergebäck jetzt in einem Pappzylinder. Der Deckel zum Abreißen streckt die Packung optisch. Die kleiner gewordenen „Chips” befinden sich nun in einem Plastikschuber, der wiederum in einer Alu-Folie verpackt ist. Die Packung wirkt so gut gefüllt, der Anteil des salzigen Gebäcks ist aber deutlich reduziert. Den erhöhten Verpackungsmüll will der Hersteller sogar als umweltfreundlich anpreisen. Demnach sei die neue Verpackung – so die Stellungnahme – nun deutlich leichter zu recyclen als die bisherige Papp-Alu-Kombination. Auch an der Zutatenliste hat sich etwas getan: Neben bereits vorhandenen künstlichen Aromen taucht dort mit „Hefeextraktpulver” nun auch ein neuer Geschmacksverstärkter auf.

Chipsletten

Erik J. Schulze

von Erik J. Schulze

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