Gepanscht und gestreckt

Olivenöl: Fälscher erzielen Margen wie beim Drogenhandel

Gepanscht und gestreckt: Der Olivenöl-Markt ist Traum und Goldgrube für Produktfälscher. Es geht um gigantische Summen.

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Olivenöle: Farbenreicher und vielfältiger sind wenige andere Öle.

Papayakerne statt echtem Pfeffer, Olivenblätter statt Oregano: Im internationalen Lebensmittelhandel wird viel gefälscht, getrickst, gepanscht und gestreckt. So werden Preise gedruckt und viel Geld gemacht. Ganz oben auf der Liste: Bio-Produkte die keine sind, Fisch, Milch, Getreide und Honig. Aber auch Kaffee- und Teeprodukte sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Trauriger Spitzenreiter – und das seit Jahren – ist aber ein anderes Produkt: Olivenöl. Kein anderes Lebensmittel wird so oft unter falschen Angaben und mit minderwertigen Bestandteilen verkauft. Fast jedes Lebensmittel lässt sich fälschen, für Olivenöl haben organisiert auftretende Betrüger, abgesehen von minderwertigen Rohstoffen an sich, zahlreiche Möglichkeiten. Und die werden genutzt.

Galerie: Die billigen Tricks der Lebensmittelhersteller

Olivenöl-Fälschung: Billiges Rapsöl mit Spinatextrakten

Der Markt mit Olivenöl ist milliardenschwer. Gute Öle sind rar und dementsprechend kostspielig. Für Fälscher ist es ein leichtes, minderwertige Öle optisch aufzupimpen. Aus Raps- oder Sonnenblumenölen wird mit Lebensmittelfarbe, beispielsweise aus Spinat, schnell ein Öl, das den leicht grünlich-braunen Olivenölen zum Verwechseln ähnlich sieht. Geschmacklich sorgen Extrakte von Rettich und Pfeffer für die würzige Note, die man von Olivenölen kennt. In einem Experiment auf der Grünen Woche sind laut Deutschlandfunk Kultur etwa die Hälfte der Probanden auf das gepanschte Gemisch hereingefallen.

Profite wie im Drogenhandel mit „Olivenöl”

In Italien ging die Olivenernte um die Hälfte zurück. Das bedeutet: Die Preise gehen in absehbarer Zeit durch die Decke. Für Fälscher eine gern gesehene Entwicklung: Sie bieten ihre Ware zu ähnlichen – aber minimal günstigeren – Preisen an und kassieren ab. Das Bundesamt für Verbraucherschutz spricht von „Gewinnspannen wie im Drogenhandel” und liegt damit wahrscheinlich goldrichtig. In großen Mengen produziert ist die Herstellung sehr günstig. Und dann verkauft sich ein Öl im Wert von wenigen Cent für bis zu 10 Euro, die Kassen klingeln.

Gefälschtes Oliveöl erkennen

Es ist gar nicht so einfach, gefälschte Olivenöle zu erkennen. Ein wichtiges Merkmal für gute Olivenöle ist jedoch der Geruch. Hier lässt sich die Qualität der aromatischen Flüssigkeit schnell erkennen – auch wenn es anfänglich paradox wirkt.
  • Ein gutes Olivenöl riecht nicht nach Olivenöl: Wenn ein Öl intensiv nach Olivenöl riecht, dann ist es wahrscheinlich, dass entweder zu reife Oliven zum Einsatz kamen (was für ein minderwertiges Öl spricht), oder dass das Aroma gefälscht wurde. Denn ein gutes Olivenöl riecht eher würzig und komplex. Der Geruchstest hilft dabei, schlechte Qualität zu entlarven.