Menschen können Fett schmecken

Fettig: Forscher entdecken sechste Geschmacksrichtung

Fett ist Geschmacksträger – diese kulinarische Weisheit ist allgemein bekannt. Doch ist „fettig“ sogar eine eigene und damit sechste Geschmacksrichtung? Forscher wollen genau das jetzt herausgefunden haben.

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Geschmacksrichtung Fettig

Fett ist nicht nur Geschmacksträger, sondern laut Forschern eine eigene Geschmacksrichtung.

Der Mensch kann mit den Rezeptoren auf seiner Zunge die fünf Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami (herzhaft/fleischig) unterscheiden. Jetzt könnte eine sechste hinzukommen: fettig. Hinweise darauf haben schon einige Studien in der Vergangenheit geliefert, nun kommt eine neue Untersuchung von Wissenschaftlern der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana hinzu.

Feinschmecker schmecken Fett

In dieser Studie bekamen 28 Testesser mit besonders gutem Geschmacksempfinden verschiedene Proben aller Geschmacksrichtungen zum Verzehr. Diese Proben waren so vorbereitet, dass weder Konsistenz im Mund noch der Geruch einen Hinweis auf den Geschmack geben konnten. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Feinschmecker konnten fettig als eigene Geschmacksrichtung eindeutig identifizieren. Damit ist ein wichtiges Kriterium erfüllt, um eine Geschmacksempfindung auch als Geschmacksrichtung anzuerkennen.

Fettrezeptoren im Mund

Die anderen beiden sind zum einen die eindeutige chemische Signatur, die einen Geschmack überhaupt erst auslöst. Sind es bei Zucker die Zuckermoleküle und bei herzhaften Speisen die Aminosäuren, wären es beim Fett die Fettsäuren. Zum anderen muss es im Mund Rezeptoren geben, die den Geschmack aufnehmen und zum Gehirn weiterleiten. Dass diese vorhanden sind, haben Forscher bereits bewiesen.

Nicht jeder schmeckt Fett

In einer zweiten Untersuchung bekamen 108 Testesser wiederum die unterschiedlichen Proben vorgesetzt, diesmal handelte es sich allerdings um Probanden mit durchschnittlichem Geschmacksempfinden. Diese konnten den Fettgeschmack in den meisten Fällen nicht eindeutig zuordnen. Das könnte daran liegen, dass jeder Mensch unterschiedliche viele Rezeptoren besitzt. So können Menschen mit mehr Rezeptoren die jeweilige Geschmacksrichtung besser herausschmecken.

Fettgeschmack und Übergewicht

Wissenschaftler glauben, dass es einen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und der Fähigkeit, Fett zu schmecken, gibt. Menschen, die das Fett stärker schmecken, nehmen weniger davon zu sich. Denn die Geschmacksrichtung „fettig“ alleine ist keine Gaumenfreude, sie erinnert mehr an ranzige Lebensmittel. Erst in Verbindung mit den anderen Geschmäckern wird sie zum Genuss.
Christian Lanzerath

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Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und darf täglich über die Technik in der IT-Welt und die Technik in der modernen Küche schreiben.

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