Hokuspokus oder wirksame Weisheit?

Signaturenlehre: Was so aussieht wie ein Organ, ist auch gut dafür?

In der Signaturenlehre wird behauptet, dass Lebensmittel, die wie Organe aussehen auch gesund für diese sind. Stimmt das? Sind Walnüsse gut fürs Gehirn?

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Signaturenlehre: Macht Gehirn essen schlau?

Sind Walnüsse wirklich gut für das Gehirn? Ingwer für die Verdauung und Spargel für den Spargel?

Die Signaturenlehre ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon in der Antike gab es Heiler und Ärzte, die Gemüse- und Obstsorten für bestimmte Organe verschrieben. Den Begriff formulierte allerdings erst der neapolitanische Arzt und Alchemist Giambattista della Porta, der von 1538 bis 1615 lebte. Die Signaturenlehre postuliert die Verbindung zwischen Organen und ihren natürlichen Pendants. Eine Walnuss sieht demnach nicht nur aus wie ein Gehirn, sondern ist auch gut dafür. Und Möhren sind gut für die Augen, weil eine Scheibe des Wurzelgemüses der Iris ähnelt. Kann man an der Form von Gemüse und Obst wirklich ihre Bedeutung für die jeweiligen Organe erkennen? Ist die Signaturenlehre tatsächlich ein gesunder Ratgeber oder doch nur Hokuspokus?
Signaturenlehre: Macht Gehirn essen schlau?

Mit ganz viel Liebe kann man aus einer Tomate das Herz des Menschen erkennen.

Mit Hirn, Herz und Hoden

Natürlich umfasst die Signaturenlehre noch viel mehr Bereiche, als den Verzehr von organähnlichen Lebensmitteln. Sie verbindet auch die Bereiche Botanik, Astronomie und Geologie. Doch soll hier nur auf den Zweig der Lebensmittel eingegangen werden. Walnüsse enthalten beispielsweise viel Omega-3 Fettsäuren, die besonders gut für das Gehirn sind. Möhren sind reich an Beta-Karotin, welches die Sehkraft stärkt. Die Tomate mit ihren verschiedenen Kammern sieht nicht nur aus wie ein Herz, sondern bietet tatsächlich sehr viel Kalium, welches das Herz stärkt. Und Feigen sehen dem männlichen Hoden sehr ähnlich und fördern ebenso die Entwicklung von Spermien.
Und so gibt es ein ganzes Füllhorn an Lebensmitteln, die für die verschiedenen Organe eine besondere Bedeutung haben. Avocados sehen wie eine Gebärmutter aus und schützen auch noch vor Gebärmutterhalskrebs. Ingwer ähnelt dem Magen und schont ihn beim Verzehr. In Sellerie ist eben so viel Natrium enthalten, wie in menschlichen Knochen. Ist es da Zufall, dass Sellerie auch wie Knochen aussieht? Und Weintrauben sind gut für die Lunge, da sie nicht nur wie Lungenbläschen aussehen, sondern in ihren Kernen auch Proanthocyanidin enthalten ist, was besonders gegen Asthma helfen soll. In unserer Bildergalerie haben wir einige Obst- und Gemüsesorten zusammengefasst.

Galerie: Für welche Organe steht dieses Obst und Gemüse?

Walnuss essen, Gehirn einschalten

So wunderbar einfach die Signaturenlehre klingt, so haltlos ist sie leider. Bis heute gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der einzelnen Lebensmittel auf ihre organischen Pendants. So ist die Walnuss beispielsweise tatsächlich reich an Omega-3 Fettsäuren, doch auch andere Lebensmittel wie Rapsöl, Fisch und Chia-Samen bieten diese ungesättigte Verbindung in Fülle. Allein der Walnuss diese Fähigkeit zu postulieren ist schlichtweg falsch. Und so verhält es sich mit allen Gemüse- und Obstsorten, denen die verschiedenen Leistungen zugeschrieben werden. Hinzu kommen wilde Behauptungen wie eben, dass Feigen gut für die Hoden seien. Welcher Stoff hier für einen positiven Effekt verantwortlich sein soll, wird verschwiegen.
Signaturenlehre: Macht Gehirn essen schlau?

Natürlich kann Ingwer wie ein Magen aussehen. Die Formen des Ingwers sind für eine Parallele aber zu willkürlich.

Der Mensch ist besonders stark darin Muster zu erkennen und mit bekannten Dingen zu verknüpfen. Diese Fähigkeit ist von immenser Bedeutung und hatte für unsere Vorfahren eine wichtige Funktion. Sie ist aber auch dafür verantwortlich, dass wir in Wolken Gesichter erkennen oder eben in Obst und Gemüse menschliche Körperteile. Was bei der Walnuss noch funktioniert, wird bei Tomaten oder Ingwer allerdings nur mit gutem Willen sichtbar. Insgesamt bleibt am Ende leider doch nur eine Botschaft übrig: Gemüse und Obst sind gesund. Und das wissen wir doch alle. Auch ohne Signaturenlehre.

Galerie: Happy Food – Essen, das glücklich macht

Alexander Scherb

von

Technik, Lifestyle und Natur sind meine Leidenschaften. Am besten in Kombination.

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