Vergleichstest: Von gut bis mangelhaft

Superfood im Test: Goji-Beeren – Vitamine oder Pestizide?

Goji-Beeren sind ein extrem beliebtes „Superfood”. Der regelmäßige Konsum soll zahllose positive Effekt auf die Gesundheit und Erscheinung des Menschen haben. Im Test offebart sich, ob Goji-Beeren wirklich so ein Jungbrunnen sind.

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Goji-Beeren Test

In Deutschland sind meist getrocknete Goji-Beeren im Verkauf. Die frische Variante enthält in der Regel deutlich mehr Vitamine.

Die süßen, roten Früchtchen sind die Beeren des Gemeinen Bocksdorns, einem bis zu vier Meter hohen Strauch. Obwohl die Sträucher auch in Europa wachsen und sogar im eigenen Garten gezüchtet werden können, kommen die Beeren meistens aus China. Dort werden sie von Hand geerntet und getrocknet. Seit langem sind die Früchte Bestandteil der chinesischen Medizin und werden dort gegen alle möglichen Krankheiten eingesetzt. Laut Berichten im Netz sind Goji wahre Wunderfrüchte. So sollen die Beeren wegen ihres hohen Anteils an sogenannten Antioxidantien Zellschäden abwehren. Einige Stars schwören auf ihre Anti-Aging-Wirkung. Die Anbieter werben darüber hinaus mit dem hohen Vitamin-C-Anteil der Früchte, der angeblich die Abwehrkräfte stärkt. Doch: Die in Deutschland erhältlichen Beeren sind meist getrocknet, und ihr Vitamingehalt ist deshalb viel geringer als der von frischen Früchten. Zudem gibt es keine Studie, die den gesundheitsfördernden Effekt belegt, der Goji-Beeren zugeschrieben wird. Auch ist beim Verzehr Vorsicht angesagt: Die Beeren können die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken. Analysen der Früchte ergeben außerdem seit Jahren eine hohe Pestizidbelastung vor allem bei konventionell angebauten Früchten.

Goji-Beeren im Test: So belastet ist das Superfood wirklich

Goji-Beeren Test

Vier Sorten Goji-Beeren im Test.

Ob das Superfood auch wirklich den gewünschten Effekt erzielt? Zweifelhaft. Aber da hören die Probleme mit den Beeren nicht auf. Denn statt reiner Frucht-Power finden wir im Labor zahlreiche Pestizidrückstände – teilweise über den zugelassenen Höchstmengen. Auch genauere Angaben zu den Beeren sind oftmals kaum zu finden oder fehlerhaft. Die Informationen auf der Packung sind teils nur schwer zu entziffern. Immerhin: das angegebene Abfüllgewicht treffen fast alle Beeren im Test sehr genau.

Platz 1 und 2: Goji-Beeren von Morgenland und Flores Farm

Goji-Beeren

Der Testsieger von Morgenland (links) und der Zweitplatzierte Flores Farm (rechts).

Die Goji-Beeren von Flores Farm sind als Bio-Produkt gekennzeichnet. Bei der Deklaration fehlt ein Hinweis auf die richtige Lagerung, obwohl der Anbieter sonst alle Seiten der Packung mit Hinweisen spickte. Im Labor wurde das Pestizid 2,4-Dichlorphenoxiessigsäure nachgewiesen. Es ist zwar in der EU zugelassen, die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft 2,4-D allerdings als möglicherweise krebserregend ein. Besser – aber nicht fehlerfrei – ist der Testsieger von Morgenland. Die getrockneten Früchte bietet unter anderem der Naturmarkt Alnatura an. Morgenland Goji-Beeren tragen das Bio-Siegel. Doch in den Früchten aus China wiesen die Lebensmittelchemiker von GALAB das Insektizid DEET (Diethyltoluamid) nach. Die Belastung blieb aber innerhalb der zulässigen Höchstmenge (mit Umrechnungsfaktor 5 für Trockenfrüchte). Außerdem fand das Labor in den Proben Nikotin.

Goji-Beeren im Test: Platz 1 und 2

Platz 1: Morgenland

Platz 2: Flores Farm

Schadstoffbelastung (85 % der Gesamtwertung)

2,35 (gut)

2,35 (gut)

Nachgewiesene Pestizide

DEET unterhalb der zugelassenen Höchstmenge

2,4-D unterhalb der zulässigen Höchstmenge

Mineralölrückstände

keine

keine

Schimmelpilze und Bakterien

keine

keine

Weitere nachgewiesene Schadstoffe

Nikotin, gesetzliche Höchstmenge eingehalten

Nikotin, gesetzliche Höchstmenge eingehalten

Deklaration (12 % der Gesamtwertung)

2,21 (gut)

2,94 (befriedigend)

Nährwertangabe

korrekt

korrekt

Korrekte Herkunftsangabe bei Bio-Produkten

ja

nein

Bezeichnung und Nettofüllmenge in einem Sichtfenster

ja, auf der Vorder- und Rückseite der Verpackung

ja, auf der Rückseite der Verpackung

Haltbarkeitsdatum

korrekt angegeben

korrekt angegeben

Name und Anschrift des Anbieters

korrekt angegeben

korrekt angegeben

Hinweise für Aufbewahrung, Gesundheit, Ernährung

unvollständig: ein Hinweis auf Wechselwirkung mit blutverdünnenden Mitteln fehlt

unvollständig: ein Hinweis auf Wechselwirkung mit blutverdünnenden Mitteln fehlt

Verzehranleitung

nicht vorhanden

nicht vorhanden

Lesbarkeit der Angaben

gut lesbar

teilweise schwer zu finden: Adresse auf dem Packungsboden

Abfüllgewicht (3 % der Gesamtwertung)

1,00 (sehr gut)

1,89 (gut)

Abfüllgewicht (angegeben / gewogen)

100 Gramm / sehr genau: 100 Gramm

100 Gramm / genau: 99 Gramm

Auf-/ Abwertungen

keine

keine

Preis pro Packung / 100 g

angemessen: 3,99 / 3,99 Euro

angemessen: 4,49 / 4,53 Euro

Endnote

2,30 (gut)

2,41 (gut)

Platz 3 und 4: Goji-Beeren von Wehle Sports und Superkost

Goji-Beeren Test

Die Goji-Beeren von Superkost (links) und das im Test durchgefallene Produkt von Wehle Sports (rechts).

Wehle Sports wirbt auf Amazon, dass die im Kilosack verkauften Goji-Beeren frei von Pestiziden sind. Doch im Labor wurden in keiner anderen Probe der Früchte mehr Pestizide nachgewiesen: 15 Pestizide warren in den Proben, darunter die in der EU verbotenen Carbendazim und Carbofuran. Bei Carbofuran überschritt der Wert die gesetzliche Höchstmenge, deshalb sind die Goji-Beeren von Wehle Sports nicht verkehrsfähig. Besser sieht es beim Online-Händler Superkost aus: Auf Amazon wirbt dieser mit der Premiumqualität seines Angebots. Die gelieferten Goji-Beeren waren kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums. Bei der Deklaration verzichtete der Händler auf eine vollständige Anschrift. Das Labor fand neben Nikotin auch Rückstände des Pestizids Triadimefon. Innerhalb der Europäischen Union ist der Wirkstoff als Bestandteil von Pflanzenschutzmitteln nicht zugelassen.

Goji-Beeren im Test: Platz 3 und 4

Platz 3: Superkost

Platz 4: Wehle Sports

Schadstoffbelastung (85 % der Gesamtwertung)

2,35 (gut)

5,00 (mangelhaft)

Nachgewiesene Pestizide

Triadimenol, Triadimefon, Anthrachinon unterhalb der gesetzlich zulässigen Höchstmenge

gesetzlich zulässige Höchstmenge bei Carbofuran überschritten;
 14 weitere Pestizide nachgewiesen

Mineralölrückstände

keine

keine

5,00 (mangelhaft)

keine

Richtwert bei Enterobakterien überschritten

Weitere nachgewiesene Schadstoffe

Nikotin, gesetzliche Höchstmenge eingehalten

Nikotin, gesetzliche Höchstmenge eingehalten

Deklaration (12 % der Gesamtwertung)

3,71 (ausreichend)

3,17 (befriedigend)

Nährwertangabe

nicht vorhanden

fehlerhaft: Portions- und Nährwertbezogene Angaben fehlen

Korrekte Herkunftsangabe bei Bio-Produkten

kein Bio-Produkt

kein Bio-Produkt

Bezeichnung und Nettofüllmenge in einem Sichtfenster

ja, auf der Vorderseite der Verpackung

nein, Verkehrsbezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel” fehlt

Haltbarkeitsdatum

fehlerhafte und fehlende Angaben

fehlerhaft

Name und Anschrift des Anbieters

unvollständig: Angabe der Straße fehlt

korrekt angegeben

Hinweise für Aufbewahrung, Gesundheit, Ernährung

unvollständig: ein Hinweis auf Wechselwirkung mit blutverdünnenden Mitteln fehlt

sehr ausführlich

Verzehranleitung

etwas knapp

ausführlich

Lesbarkeit der Angaben

gut lesbar

schwer lesbar: sehr kleine Schrift

Abfüllgewicht (3 % der Gesamtwertung)

1,00 (sehr gut)

1,00 (sehr gut)

Abfüllgewicht (angegeben / gewogen)

500 Gramm / genau

1000 Gramm / sehr genau: 1000 Gramm

Auf-/ Abwertungen

keine

nicht verkehrsfähig

Preis pro Packung / 100 g

angemessen: 12,80 / 2,58 Euro

teuer: 20,95 / 2,10 Euro

Endnote

2,48 (gut)

5,00 (mangelhaft)

Günstige Alternative zu Goji-Beeren: Schwarze Johannesbeeren

Wer reichlich Vitamin C zu sich nehmen möchte, kann statt des Exoten aus Fernost auch Obst aus Deutschland und Europa verzehren. „Orangen, Erdbeeren und schwarze Johannisbeeren sind reich an Vitamin C“, sagt unser Fachmann Dr. Matthias Riedl. Einige Früchte bieten sogar noch mehr Vitamin C. Der Ernährungsexperte: „30 Gramm Goji-Beeren haben einen Vitamin-C-Gehalt von 4,5 Milligramm. Eine 150 Gramm schwere Orange bietet davon 75 Milligramm.“

Goji-Beeren