Pizza in 3 Minuten?

Ironate: Unzerstörbare Pizza-Turbo-Pfanne im Praxis-Test

Pizza wie vom Profi: Die Spezial-Pfanne Ironate verspricht genau das. Wie perfekt die selbstgemachte Pizza bei uns war, erfahren Sie in diesem Praxis-Test.

Datum:
Ironate

Ironate verspricht selbstgemachte Pizza in Restaurant-Qualität.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Ironate ist ein spannendes Konzept, das im ersten Praxiseinsatz nicht aufging. Die Pizza-Pfanne machte bei der Anwendung Probleme: Ohne eigenes Tüfteln und Rantasten sind spontan keine optimalen Ergebnisse zu erwarten. Auch die Anleitung des Herstellers geht an der Realität vorbei. Wer nach den Empfehlungen kocht, bekommt eine verbrannte Pizza. So soll es nicht sein, das Versprechen von handgemachter Pizza in Restaurant-Qualität erfüllt Ironate – zumindest auf Anhieb – nicht. Das ist enttäuschend, da die Idee vielversprechend, die Anwendungsmöglichkeiten vielfältig und das Potenzial enorm ist.

Pro

  • Vielseitige Anwendungsgebiete
  • Für Kochplatte, Ceran, Gasgrill, Gasherd und offenes Feuer geeignet
  • Robuste Verarbeitung
  • Markiges Design

Kontra

  • Komplizierte Anwendung
  • Mangelhafte Kochergebnisse
  • Extreme äußerliche Betriebstemperatur
  • Aufwändiger Abwasch
  • Hohe Rostanfälligkeit
  • Hohe Kosten

Ironate

Die digitale Welt macht auch vor der Küche keinen Halt. Kühlschränke mit Touchscreen, sprechende Roboter und vernetzte Lebensmittelscanner dürften in nicht weit entfernter Zukunft in zahlrichen Haushalten zu finden sein. Das slovenische Start-up Ironate verweigert sich diesem Trend und bringt mit der gleichnamigen Pizza-Pfanne ein Küchengerät auf den Markt, das so robust ist, dass es auch in der Steinzeit über offenem Feuer funktioniert hätte. Diese Rückbesinnung auf das klassische, handgemachte Kochen soll nicht nur eine größere emotionale Befriedigung bieten, sondern am Ende auch besser schmeckende Lebensmittel auf die Teller bringen. Im Fokus steht bei Ironate Pizza. Laut Website soll es lediglich drei Minuten in der Ironate-Pfanne dauern, bis der italienische Klassiker außen knusprig und innen luftig-leicht gelingt.

Ironate: Lieferumfang und die ersten Schritte

Ein netter Touch: Die Ironate-Verpackung ist aus bedruckter Pappe und erinnert somit an einen Pizzakarton. Einmal geöffnet, offenbart sich ein aufgeräumtes Inneres. Der Lieferumfang in der Übersicht:
  • Ironate-Pfanne
  • Ironate-Deckel
  • Abnehmbare Holzgriffe
  • Anleitung mit Rezeptideen
Vor der ersten Inbetriebnahme ist es notwendig das Gerät kurz abzuspülen und dann gründlich abzutrocknen. Die Ironate besteht aus schwarzem Stahl, das Wort „gründlich” dürfen Sie im Bezug auf das Abtrocknen also wörtlich nehmen – es herrscht Rostgefahr! In der Anleitung empfiehlt der Hersteller, die Oberflächen der Pfanne mit einem Pflanzenöl einzustreichen, um das Material zu schützen. Gesagt, getan – Die „Einrichtung” ist kurz und schmerzlos, die Pizza-Pfanne innerhalb weniger Minuten für den ersten Einsatz startklar.

Flexibel und „unzerstörbar”?

Ironate Pfanne

Schwarz und massiv: Ironate kommt in einem minimalistischen Design daher.

Außer Wasser hat die Ironate aber kaum etwas zu fürchten: die robust gefertigte Carbonstahl-Pfanne muss schließlich extrem hohe Temperaturen aushalten. Damit geht auch eine hohe Flexibilität einher. So gut wie jede Hitzequelle verwandelt die Pfanne in einen portablen Pizzaofen. Die Einsatzgebiete gestalten sich deshalb sowohl im Haus als auch im Freien als äußerst vielseitig. Hier fünf Beispiele.
  1. Gasherd
  2. Ceran-/Induktionsfeld
  3. Offenes Feuer
  4. Ofen
  5. Grill
Übrigens: Auch als Grillplatte für Gemüse oder Fleisch lässt sich Ironate nutzen. Der Deckel doppelt dank der langen Hitzespeicherung zudem bei Bedarf als Warmhalteplatte. Im Praxis-Test stand die Ironate-Pfanne mit einer handgemachten Pizza auf dem Ceranfeld.

Erste Ironate-Enttäuschung: Drei Minuten sind eine Illusion

„Perfekte Pizza in drei Minuten” ist das Versprechen, das seit der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne die wohl wichtigste Werbebotschaft für Ironate ist. Schon bei der genaueren Beobachtung der Website ist aber klar: Die drei Minuten beziehen sich natürlich nur auf die bloße Backzeit. Im Vorfeld ist eine längere Aufwärmphase eingeplant. Bei der dafür nötigen Zeit ist sich der Hersteller offenbar selbst nicht ganz sicher: Auf Kickstarter und der eigenen Website ist eine Aufwärmphase von zehn Minuten angegeben, in der Anleitung empfielt Ironate eine zwanzigminütige Vorbereitung. Was denn nun? Die zugeführte Hitze sollen Sie in dieser Zeit nach Möglichkeit nach und nach steigern. Und auch die angepriesenen drei Minuten tauchen in der offiziellen Anleitung nicht auf: Hier ist von fünf Minuten die Rede – sogar sieben bei gefrorener Pizza.

430 Grad und es wird noch heißer

Ironate Pizzateig

So soll es sein: Handgemachter Pizzateig für die gewünschte Restaurant-Qualität.

Die zwanzig Minuten auf dem Herd sind im Test gerade genug Zeit eine frische Pizza vorzubereiten, die Wartezeit ist also immerhin gut genutzt. Um das Gerät auf Temperatur zu bringen, positionieren Sie den Deckel unter der Pfanne. Das Material speichert Wärme extrem gut – so kommt das Utensil nach Herstellerangaben auf mehr als 430 Grad. Das entspricht in etwa der Temperatur eines professionellen Pizza-Ofens. Vorsicht: Die Verbrennungsgefahr ist bei einem Gerät, das vollständig aus Metall besteht sehr hoch. Die mitgelieferten Holzgriffe lassen sich nur lose über die Henkel stülpen und vermitteln kein besonderes Gefühl der Sicherheit. Kein Wunder, dass der Hersteller die Nutzung von dicken Küchenhandschuhen empfiehlt. Sobald die Pizza in der Pfanne ist, soll der Deckel auch als solcher zum Einsatz kommen – dank der Temperaturen keine entspannte Angelegenheit. Das fordert Konzentration.

Ironate: Rauch und Qualm bei der ersten Berührung

Ironate verbrannt

Oben hui, unten pfui: drei Minuten in der Ironate-Pfanne sind zu viel für die Pizza.

Auf der handgemachten Pizza kamen Zutaten, wie eingelegte Peperoni, eine fruchtige Tomatensauce und vorgegrillte Zucchinis (gegrillt mit dem Tefal OptiGrill Smart) zum Einsatz. Die Pizza in die vorgeheizte Ironate-Pfanne zu bekommen, stellt sich gerade bei größeren Pizzen als echte Challenge heraus. Das Testexemplar ist ca 22 cm im Durchmesser, 25,5 cm sind maximal erlaubt. Mithilfe eines Holzbretts und einem Holzspachtel gleitet die Pizza in die extrem heiße Pfanne. Problematisch: Sobald sie den Boden berührt, ist Nachjustieren ein Ding der Unmöglichkeit. Die Pizza im Versuch verliert in diesem Zuge leider ihre charakteristische, kreisrunde Form. Damit hörten die Probleme nicht auf: Beim Einfüllen heruntergetropfte Tomatensoße sorgt für eine unangenehme Rauchentwicklung. Das lässt sich voerst nicht ändern. Deckel rauf (mit dicken Küchenhandschuhen) – und den Timer auf die drei versprochenen Minuten stellen.

Galerie: Mit diesen Küchenhelfern gelingt eine perfekte Pizza

Teig zu Asche, Soße zu Staub

Während der drei Minuten füllt sich die Luft in der Küche mit einem stechenden Dunst. Ein aufgerissenes Fenster und eine auf Hochtouren laufende Dunstabzugshaube helfen nur bedingt. Da der Test aber prinzipiell den Empfehlungen der Herstellers folgt, warten wir auf das Klingeln des Weckers. Nach exakt drei Minuten ist es soweit (Erinnerung: In der Anleitung ist sogar von mindestens fünf Minuten die Rede) und der Deckel kommt runter. Mehr Qualm und Rauch, aber die Überraschung ist groß, dass die Pizza auf den ersten Blick tatsächlich perfekt aussieht. Der Käse ist gleichmäßig verlaufen, die Oberfläche hat eine attraktive Bräune. Dieser hoffnungsvolle Eindruck schwindet aber in dem Moment, in dem die Pizza aus der Pfanne soll: Vollkommen festgebacken und tiefschwarz zerbricht und zerbröselt der äußerlich staubtrockene Teig bei den ersten Berührungen. Die eingebrannte Tomatensoße ist auch nicht hilfreich.

Ironate: Geschmackstest der „perfekten” Pizza

Ironate Pizza

Im Inneren ist der Teig wirklich luftig! Das bringt leider nichts, wenn die Pizza nach Rauch und Asche schmeckt.

Das was es auf den Teller schafft, sieht immerhin aus wie Pizza – wenn auch zerfleddert und auf der Unterseite stark verbrannt. Dass die eigentlich leckere Teigspezialiät so nicht servierbar ist, ist klar. Für ein schlüssiges Urteil steht aber dennoch der Geschmackstest an. Und tatsächlich: In nur drei Minuten ist der Teig durchgebacken und innen wunderbar luftig. Dumm nur, dass die Pizza nur nach Rauch und Kohle schmeckt. Und die gesamte Küche ähnlich riecht.

Der Abwasch ist kein Spaß

Ironate festgebrannt

Festgebrannte Teig- und Soßenreste: Der Abwasch mausert sich zur Geduldsprobe.

Eigentlich könnte man erwarten, dass Ironate einen schnellen Abwasch ermöglicht. Pfanne und Deckel kommen mit einer großen Oberfläche daher – nervige Ecken und Kanten stören also nicht. Das Problem mit eingebrannten Lebensmitteln ist aber bekanntermaßen, dass intensives Scheuern notwendig ist. Die Ironate droht nicht zu zerkratzen, wenn Sie dem Utensil mit einem Stahlschwamm zu Leibe rücken – das ist auch gut so, denn ohne körperlichen Einsatz kommt man bei der Reinigung sonst nicht weit. Prinzipiell darf Ironate auch in die Spülmaschine – es ist aber (wie bereits angedeutet) höchste Vorsicht geboten: Nur wenige Wasserrückstände über Nacht reichen aus und das Gerät beginnt zu rosten. Wer länger etwas von seinem Pizza-Helfer haben möchte, sollte ihn immer gründlich abtrocknen.

Ironate hat das Potenzial für ein fantastisches Küchenutensil

Im ersten Praxis-Einsatz hat Ironate unsere Erwartungen nicht erfüllt. Das heißt nicht, dass das Produkt von Grund auf schlecht ist. Sicherlich ist es kein Ding der Unmöglichkeit, den Kochvorgang zu optimieren. Und vielleicht funktioniert das Gadget im Ofen oder auf dem Grill besser als auf dem Ceranfeld. Wenn aber eine Pizza trotz genauer Befolgung der (je nach Quelle widersprüchlichen) Herstellerempfehlungen misslingt, gibt es zumindest ein Problem. Das heißt: Experimentierfreudige Köche finden in Ironate ein Tool, das ihnen leckere Gerichte – und ja, auch wunderbare Pizzen ermöglicht. Die extrem heißen Temperaturen und unkomfortable Bedienung machen das Gerät aber nicht gerade zu einem attraktiven Angebot. Gerade bei dem Preis der Pfanne.

Ironate: Preis und Verfügbarkeit

Ironate ist exklusiv über die Homepage des Herstellers für 159 USD verfügbar. Das entspricht je nach aktuellem Kurs etwa 135 Euro. Sie bezahlen per Paypal. Innerhalb weniger Tage das Gerät per weltweitem Expressversand. Ob sich das lohnt, sollten Sie sich aber gut überlegen. Pizzasteine kosten deutlich weniger und funktionieren zuverlässig.

Galerie: Beliebte Pizzasteine in der Übersicht

Ironate

Erik J. Schulze

von

Fast Food und gesunde Ernährung sind nicht miteinander vereinbar? Mit etwas Kreativität und den richtigen Gadgets können auch Freunde der schnellen Küche mit einem guten Gefühl im Bauch zuschlagen.