Etikettenschwindel

Darum schmeckt Stevia bald viel besser!

Haben Sie schon einmal einen mit Stevia gesüßten Tee oder Kaffee getrunken? Das ist einfach nicht lecker, obwohl Stevia doch so toll sein sollte. Aber das könnte der natürliche Süßstoff auch bald werden ...

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Stevia

Stevia schmeckt bald deutlich besser. Zumindest in Tee.

Stevia gehört zu den beliebtesten alterrnativen Süßungsmitteln. Es ist natürlich, etwa 300 Mal so süß wie haushaltsüblicher Zucker und quasi ohne Kalorien. Dennoch ist das Süßungsmittel weiterhin ein Nischenprodukt. Das liegt sicherlich auch am Geschmack – denn aktuelle Stevia-Süßstoffe sind nie einfach nur süß – eine leichte Bitternote schwingt immer mit. Viele Leute mögen den lakritzigen Geschmack nicht. Mit Stevia gesüßte Produkte, wie Coca-Cola Life reichern die Hersteller ergänzend mit Zucker an, um diesem Geschmack entgegenzuwirken. Anders als in der neuen Coke Zero Sugar haben solche Getränke deshalb einen nennenswerten Kaloriengehalt. Eine halbherzige Geschichte. Doch bald könnte Stevia endlich der Wundersüßstoff werden, als der er angekündigt wurde.

Nur im Teebeutel erlaubt? Steviablätter dürfen künftig in Tees zur Süße beitragen.

Was schmeckt da so merkwürdig?

Die Hersteller mogeln etwas, wenn Sie auf die Packung schreiben „Mit Stevia gesüßt”. Denn anders, als man es erwarten könnte, stecken zum Beispiel in Tees keine tatsächlichen, süßen Blätter der Pflanze. Stattdessen verwenden die Produzenten den Süßstoff Stevioglykosid – die Verwendung von Stevia-Blättern war bisher in der Europäischen Union verboten. Nun genehmigte die Europäische Kommission die Nutzung von Stevia – zumindest in Früchte- und Kräutertees. Denn die künftig zugelassenen Blätter der „Stevia rebaudiana Bertoni” schmecken deutlich besser als das Stevioglykosid. Die an Lakritze erinnernde Note des chemisch extrahierten Stoffs gibt es in den ursprünglichen Blättern der Pflanze nicht. Und klar: Den Geschmack von Lakritze will fast niemand in seinem Kaffee, Tee oder sonstwo haben. Mit der neuen Regelung atmen also wenigstens Freunde von süßem Tee auf. Besser als übermäßiger Zuckerkonsum, egal ob in weiß oder braun, ist die Alternative Stevia in jedem Fall.
Erik J. Schulze

„Jetzt muss man die natürliche Süße der Stevia-Blätter nur noch in anderen Produkten nutzen. Dann hat die Pflanze als echte Zuckeralternative eine Chance.“

Erik J. Schulze,

Unklarheiten sorgen für Ärger

Ärgerlich nur: Selbst Experten sind sich nicht sicher, wie die neue Freigabe durch die Europäische Kommission zu interpretieren ist. Dürfen künftig nur Teebeutel-Produkte mit den natürlichen Blättern der süßen Pflanze auf den Markt kommen? Oder gilt die Ausweitung der EU-Zulassung auch für fertig produzierte Getränke? Ob beispielsweise Eistees, in denen die Produzenten die Stevia-Blätter im Herstellungsprozess mit aufbrühen lassen, erlaubt sind? Unklar. Von dieser Differenzierung hängt allerdings ab, wie erfolgreich die Entwicklung von Stevia als Süßungsmittel verläuft. Stevioglykosid ist wegen des erwähnten unangenehmen Geschmacks nur eine Randnotiz – sollten die besser schmeckenden Blätter der Pflanze weiterhin so strengen Regularien unterliegen, bleibt auch dieser pflanzliche Süßstoff in der Nische.

Galerie: Zucker-Alternativen für jeden Geschmack

Genmanipulierte Pflanzen auf dem Weltmarkt

Ein Hersteller, der seine Produkte mit Stevia-Blättern süßen möchte, geht also derzeit oftmals ein Risiko ein. Erschwerend kommt hinzu, dass die Pflanzen auch den zahlreichen Auflagen der EU entsprechen müssen. Viele auf den internationen Märkten vertriebene und zur Stevioglykosid-Herstellung genutzte Stevia-Blätter sind gentechnisch manipuliert – und somit in Europa verboten. Die Verantwortung, dass trotz der gelockerten EU-Regelungen nur einwandfreies Stevia nach Deutschland kommt, liegt bei den Unternehmen. Tipp: Wer sichergehen will, achtet beim Kauf darauf, dass die Stevia-Blätter aus europäischem Anbau stammen.

Stevia-Blätter

Erik J. Schulze

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