Herrlich nostalgisch: Küchengeräte von gestern

Heute retro, gestern ultramodern: So schön kochte Oma

In der Küche muss es stets moderner werden. „Je neuer, desto besser“, denken allerdings nicht alle Menschen. Fans nostalgischer Küchengeräte verraten Ihnen, warum sie noch immer wie Oma kochen.

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Bosch Handmixer

Pink war das neue Schwarz in der Küche der 50er Jahre.

In meiner Kindheit fuhr meine gesamte Familie nach Österreich in den Urlaub. Beim Camping saßen meine Großeltern und Eltern zusammen, während wir Kinder im Wasser tobten. Nur 100 Meter von unserem Wohnwagen entfernt hatten sich meine Großeltern ein Mobilheim angemietet. Morgens früh flitzte ich hinüber und leistete ihnen am Frühstückstisch auf der Terrasse Gesellschaft. „Conny, hol bitte mal die Brötchen aus dem Toaster“, forderte mich Opa allmorgendlich auf. Dieser Toaster war der ewige Reisebegleiter meiner Großeltern. Sie nahmen ihn in jeden Urlaub mit. „Darin werden die Semmeln wenigstens anständig knusprig“, begründete Opa die seltsame Reiseangewohnheit. Ich erfuhr nie, aus welchem Jahr er stammte, doch begleitete er meine Kindheit, meine Jugend und dekoriert heute mein Esszimmer. Ich brachte es nach dem Tod meiner Großeltern nicht übers Herz ihn wegzuwerfen. Außerdem werden die Brötchen darin anständig knusprig – auch heute noch.

Nostalgie kann man nicht immer erklären

Ich machte mich auf die Suche nach Fans nostalgischer Küchengeräte und Küchenhelfer. Mich interessieren die Gründe, weswegen Menschen 70 Jahre alte Küchenmaschinen einem Thermomix vorziehen und warum ihr Herz an alten Dingen hängt. In einer Facebook Gruppe wurde ich fündig und war bald erstaunt, welch nostalgische Schätzchen die Menschen heute noch daheim haben.

Galerie: So kochten einst unsere Großmütter

Kochen wie Oma

„Ich koche noch immer wie meine Oma“, erzählte mir eine Dame in einer privaten Unterhaltung. „Das Essen schmeckt mir einfach besser, wenn ich es noch mit meiner Hände Arbeit zubereitet habe. Neben einer neumodischen Maschine stehen und nur einen Knopf drücken ist für mich einfach kein Kochen.“
Ulf Muckel teilt die Vorliebe meines Opas für alte Toaster. Auf Regalen stehen sie blank geputzt und einsatzbereit. Es ist ein faszinierender Anblick. Er ist leidenschaftlicher Sammler und benutzt jedes Wochenende einen anderen Toaster für sein Frühstück.

Die bunten 50er

Alte Küchengeräte haben Charme. Sie sind im Design vollkommen anders als die heutigen Küchenhelfer. Sei es der pinke Handmixer von Bosch oder die türkisfarbene Saftpresse. In den 50ern lebten die Menschen Farben, wo heute strahlendes weiß prangt.
Eine Dame sprach von „echter deutscher Wertarbeit, die ihresgleichen heute nur suchen kann“ als Beweggrund für ihre Küchenlieblinge. „Das hat heute halt nicht mehr jeder“, erklärte mir hingegen ein Mann mit Blick auf seine fast 100 Jahre alte Kaffeemühle.

In der Not halt selbstgebaut

Küchenreibe

Friedrich Hubmer baute diese Küchenreibe in Kriegsgefangenschaft als Geschenk für seine Familie.

Der schönste Grund begegnete mir bei Manuela Schmitt-Seifert. „Ich benutze noch heute die selbstgebaute Küchenreibe meines Großvaters. Er baute sie in der Kriegsgefangenschaft aus einer Dose, damit er nicht mit leeren Händen zu meiner Oma heimkehren musste“, erzählte sie mir. Die Reibe wurde in ihrer Familie weitervererbt und wird bis heute benutzt. „Es ist für mich die beste Reibe, wenn es um Muskatnüsse geht. Da hält keine neumodische Reibe mit“, erklärte Manuela.

Galerie: Küchengeräte aus dem vergangenen Jahrhundert

Altes fasziniert

Das Leben dreht sich stets weiter. Der Fortschritt schreitet unaufhaltsam voran. Umso schöner ist es kurz stehen zu bleiben und zurückzublicken. In Hamburg befindet sich das Museum Electrum. Dort können Sie Küchengeräte aus dem letzten Jahrhundert vor Ort ansehen. Aber vorsichtig: Es besteht die Gefahr, dass Sie sich in eines der Geräte verlieben. Alte Küchengeräte haben eben ihren ganz eigenen Charme.

Retro-Küchenmaschine