Klassiker mit App-Anbindung

Fissler Vitavit Premium Digital: Test des Schnellkochtopfs

Schnellkochtöpfe sind was für Leute von gestern? Nicht unbedigt! Der Fissler Vitavit Premium Digital bringt Modernität in die angestaubte Kochtechnik. Ob's funktioniert?

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Fissler Vitavit Premium Digital

Optimale Temperatur erreicht: Jetzt läuft der Garvorgang beim Fissler Vitavit Premium Digital.

Der traditionsreiche deutsche Hersteller Fissler will mit seinem neuen Schnellkochtopf in die Moderne vorstoßen. Der Vitavit Premium Digital verspricht Digitalität schon im Namen – wohlgemerkt bei einem Topf. Da kräuselt sich bei so manchem das Haar, verbindet man Schnellkochtöpfe doch eher mit zwei Dingen: kulinarischer Tristesse und Explosionsgefahr. Wie gut schlägt sich also dieser Spezialkochtopf in der Küchenpraxis des Jahres 2015 – in Zeiten, in denen das langsame Niedrigtemperatur-Kochen im Trend liegt?

Fissler Vitavit Premium Digital: erster Eindruck

Für meinen Praxistest will ich eine ganze Reihe an Gerichten im Fissler Vitavit Premium Digital zubereiten: Ein Tafelspitz ist genauso dabei wie ein Gulasch oder auch mal schlicht Pellkartoffeln.
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Vor allem Gerichte mit langen Garzeiten lohnen sich im Fissler Vitavit Premium Digital.

Ich mache Gerichte, für die ich eigentlich etwas Zeit einplanen muss. Durch den Schnellkochtopf soll sich die Garzeit auf etwa ein Drittel der üblichen Zeit verringern. Gulasch in 20 Minuten hört sich verlockend an – wenn es mir denn schmeckt.
Den Schnellkochtopf gibt es in zwei verschiedenen Größen. Ich nutze den etwas kleineren mit einem Fassungsvermögen von 4,5 Litern, mit dem sich gut für zwei bis drei Personen kochen lässt. 6 Liter passen in seinen großen Bruder.
Was sofort auffällt: Der Topf macht einen sehr hochwertigen Eindruck, etwa durch seinen dicken Boden. Dass ich darin richtig gut anbraten kann, soll ich später noch merken. Aber gehen wir einen Schritt zurück, denn bevor ich mit dem Topf loslegen kann, muss ich mich erst mit seinem Kochassistenten vertraut machen.

Der Vitavit-Kochassistent

Das Besondere der Töpfe verbirgt sich im „digital” der Produktbezeichnung. In dieser Variante gibt's den Schnellkochtopf mit einem Kochassistenten, dem sogenannten „Vitacontrol”. Dahinter steckt ein kleiner Sensor, der mir beim Kochen mit einem Schnellkochtopf helfen soll – vor allem, um stets die richtige Temperatur im Topf zu halten. Denn genau hierfür bräuchte ich ohne Assistenten Erfahrung und müsste die Anzeige des Topfs stets im Blick haben.
Leichter soll es mit Vitacontrol gehen. Dafür lege ich eine Batterie in den Sensor ein und stecke ihn auf den Deckel. Nun verbinde ich ihn per Bluetooth mit meinem Smartphone. Für meinen Test nutze ich ein Samsung Galaxy S5, auf dem ich bereits die kostenlose Android-App von Fissler installiert habe. Eine iOS-App gibt es ebenso. Das Koppeln der Geräte bereitet mir keine Probleme.
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Der digitale Kochassistent wird einfach auf den Deckel gesteckt.

Was die Fissler-App kann und was nicht

In der App kann ich nun verschiedene Garzeiten für Schweine- und Rindfleisch, Fisch, Gemüse und Beilagen auswählen. Neben der Garzeiten-Übersicht gibt es außerdem ganze Rezeptvorschläge. Für den Tafelspitz veranschlagt die App 40 Minuten. Für meine Menge an Fleisch würde ich üblicherweise etwa zwei Stunden brauchen. Die App sagt mir nun, dass ich den Topf auf Garstufe 2 stellen soll. Das heißt, er wird auf 116 Grad aufgeheizt, bei einem Innendruck von 75 kPa. Alternativ gibt es eine Schongarstufe bei niedrigerer Temperatur und weniger Druck. Auch Dampfgaren geht in dem Topf.

Sicherer Verschluss

Zudem sagt mir die App, dass ich meine Kochstelle auf die höchste Stufe stellen soll. Nur der Vollständigkeit halber möchte ich hier erwähnen: Verschlussmechanismus und die Dichtung für den Druckaufbau im Inneren sind bei dem über 300 Euro teuren Schnellkochtopf durchdacht und sicher. Habe ich die richtige Temperatur erreicht, bittet mich die App, die Temperatur auf dem Kochfeld zu reduzieren. Die App leuchtet nun grün auf: „Optimale Temperatur” zeigt sie an. Gleichzeitig startet ein Timer.
Steigt nun trotzdem die Hitze weiter im Topf, leuchtet die App rot und warnt mich, die Temperatur am Kochfeld noch weiter zu verringern, oder den Topf ganz vom Feld zu nehmen. Ist die Hitze dagegen zu niedrig, soll ich die Temperatur erhöhen.
Genau das ist der Clou der App und des Vitacontrol-Systems. Habe ich ohne dieses System die Hitze an einem Anzeigering nur grob abschätzen können, sagt mir die App ziemlich genau, ob die Hitze passt. Und es funktioniert – wie ich am Kochergebnis sehe. Somit macht sie Kochen mit einem Schnellkochtopf auch für Anfänger idiotensicher.
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Noch im Aufheizvorgang, aber gleich ist die optimale Temperatur erreicht.

Die Schwächen der App

Natürlich übernimmt die App dabei nicht die Kontrolle über den Kochvorgang oder gar den Herd. Sie ist ein reines Überwachungs-Tool – und zwar ein sehr hilfreiches.
Trotzdem merke ich bei meinem Test, dass sie noch nicht ganz ausgereift ist (Android-Version 1.0.4, Stand: 26. Mai 2015). Manchmal läuft sie beim Öffnen einzelner Menüpunkte nicht ganz rund. Gelegentlich stürzt sie auch mal ab – was glücklicherweise nicht ganz so dramatisch ist, da sie sich nach dem Neustart sofort wieder mit dem Kochtopf verbindet und sich alle alten Einstellungen gemerkt hat.
Aber gerade weil die App doch dafür gedacht sein sollte, Anfänger an Schnellkochtöpfe heranzuführen, hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht! Unter dem Punkt „Hilfe und Tutorial” die gedruckte Anleitung als PDF zu hinterlegen, kann nicht wirklich ernst gemeint sein. Wo ist da beispielsweise ein Erklärvideo? Immerhin ist die Anzahl der aufgelisteten Garzeiten umfangreich.

Fazit

Der Fissler Vitavit Premium Digital kostet in der 4,5-Liter-Variante 349 Euro (UVP). Für die 6-Liter-Version muss der Kunde noch mal 20 Euro mehr ausgeben. Ein teurer Topf, auch wenn das Ding zwei Seiten hat: Kochleistung und digitale Vernetzung.
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Der Verschlussmechanismus ist einfach zu bedienen und gleichzeitig sicher.

Zunächst die Kochleistung: Der Schnellkochtopf lieferte gute Kochergebnisse. Mein Tafelspitz schmeckte köstlich. Die Brühe, die ich für eine Leberknödelsuppe zubereitete, war wunderbar klar und gleichzeitig intensiv. Und wie das Gulasch erst kurz im Topf brutzelte und dann nach 20-minütigem verschlossenen Garen aus dem Topf kam, war beeindruckend. Zugegeben: Kartoffeln braucht man darin nicht zu machen, da ist die Zeitersparnis nicht allzu groß.
Und wie steht's mit der Vernetzung? Die ist gegeben, trotzdem gibt es leichte Punktabzüge für die App. Denn die werkelt in den Grundfunktionen zwar bereits ganz gut und ist so für Schnellkochtopf-Anfänger eine große Hilfe. Stabilität und Funktionsumfang sind in der aktuellen Version allerdings noch nicht perfekt.
Damit nicht nur das Kochen, sondern auch die digitale Spielerei drumherum bei diesem Schnellkochtopf uneingeschränkte Freude bereitet, sollte Fissler das eine oder andere Update nachliefern. Wer ohnehin auf den digitalen Zusatz verzichten kann, kann sich die identischen Töpfe übrigens auch ohne Vitacontrol-System kaufen. Dann sind sie sogar etwas billiger.
Philipp Weber

von

Freischaffender Journalist aus Hamburg. Mit Vorliebe für gutes Essen und clevere Technik. Tätig unter anderem für eKitchen und den Stern.

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