Küchenklassiker

Maggi – das Würzmittel als „gewisses Tröpfchen Etwas“

Die Flüssigwürze Maggi feierte kürzlich ihren 130. Geburtstag. Als der Hersteller verkündete, er wolle die Rezeptur verändern, führte das zu einem Aufschrei.

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Würzmittel Maggi

Köstlich eine selbstgemachte Brühe. Maggie-Liebhaber schwören auf ein paar Tropfen Flüssigwürze.

Maggi steht für Suppenwürze so wie Papiertaschentücher Tempo heißen und durchsichtige Klebestreifen Tesa. Es gab Zeiten, als die braune Flasche mit eckigem Bauch, schlankem Hals und gelbem Etikett in Deutschland in keiner Kantine, keiner Privatküche und kaum einem Gasthof fehlte. Heute hat das Flüssigwürzmittel einen zweifelhaften Ruf, wer mit Maggi würzt, tropft einiges an Chemie in seine Suppe und gilt nicht gerade als Feinschmecker. Trotzdem verkauft die Firma Nestlé, zu der Maggi mittlerweile gehört, pro Jahr immer noch an die 20 Millionen der Fläschchen in Deutschland. Kein Wunder, dass es einen medialen Aufschrei gab, als die Firma kürzlich verkündete, sie wolle die 130 Jahre alte Rezeptur der braunen Flüssigkeit abwandeln.

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"Entwarnung nach Wirbel um die neue Maggirezeptur"

„Geht hier ein Kult zu Ende?“, fragt die Bild-Zeitung. Die Berliner B.Z. sprach gar von einem „Schock für Maggi-Fans“. Glücklicherweise stellte die PR-Abteilung kurz darauf richtig: Die Firma wolle die Ingredienzien verändern, aber „Natürlich soll sich am produkt-typischen Geschmackserlebnis nichts ändern“. Anders gesagt: Man will in den nächsten Jahren "auf Inhaltsstoffe verzichten, die kaum jemand kennt". Übersetzt könnte das heißen: weniger künstliche Zusatzstoffe, mehr natürliche Inhaltsstoffe. Die Bild-Zeitung berichtete nach dieser Verlautbarung erleichtert von einer „Entwarnung nach Wirbel um neue Maggirezeptur“.

Künstliche Aromen, aber kein Maggikraut

Wie das Rezept von CocaCola, Aperol, Red Bull oder Nutella ist auch das von Maggi Suppenwürze geheim. Auf der Packung steht auf der Zutatenliste: Pflanzliches Eiweiß, biologisch aufgeschlossen (Wasser, Weizenprotein, Salz), Wasser, Aroma, Geschmacksverstärker (Mononatriumglutamat und Dinatriuminosinat). Früher gehörte zu den Geschmacksverstärkern noch Dinatriumguanylat, ein Stoff, der nach Thymian schmeckt. "Maggikraut" (Liebstöckel) war übrigens nie Bestandteil der Flüssigwürze – die Pflanze bekam ihren Namen nach dem Würzmittel, nicht umgekehrt.

Das Design der Flasche besteht seit 130 Jahren

Seinen Entwickler Julius Maggi (1846 bis 1912) hat das Würzmittel unsterblich gemacht. Er kam 1886 auf die Idee, konzentrierte Pflanzenbrühe in Fläschchen abzufüllen, um den Geschmack von Suppen zu verbessern. Eigenhändig entwarf er die typische braune Flasche mit dem gelb-roten Etikett. Ihr Design hat sich bis heute kaum verändert, nur das Etikett bekam immer wieder einen neuen Anstrich. Von da an eroberte „das gewisse Tröpfchen Etwas“, wie es heute noch dort steht, die Küchen der Welt.

Die ganze Welt würzt mit Maggi

Menschen in 130 Ländern konsumieren „Maggi“, darunter auch so exotische wie Moldawien oder Papua-Neuguinea. In Afrika ist es so verbreitet, dass viele glauben, es sei eine einheimische Marke. Das Stammwerk in Singen braut jährlich fast 11.000 Tonnen der braunen Tinktur.

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In Deutschland aber gibt es nur noch wenige bekennende Maggi-Liebhaber. Es ist wie mit Tiefkühlpizza oder Puddingpulver: Fast jeder konsumiert es, aber kaum einer gibt es zu.

Kochtöpfe

Katrin Hoerner

von

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