Aldi, Lidl, Penny oder lieber Markenprodukt?

Sekt im Test: Kann Discounter-Schaumwein mit Markenware mithalten?

Schaumwein wird immer billiger, Marken- und Discounter-Sekt von Aldi, Lidl und Penny ist schon für wenige Euros zu haben. Aber gibt es auch günstigen Sekt, der richtig gut schmeckt? Der Test verrät es.

Datum:
Schaumwein Korken knallen

Zu Weihnachten und Silvester knallen in Deutschland die meisten Korken.

Ein Drittel ihres Jahresumsatzes machen die Sekt-Kellereien traditionell zum Jahresende. In keinem Monat konsumieren die Deutschen so viel Schaumwein wie im Dezember, an Weihnachten und Silvester wird eben gern mal auf ein Gläschen angestoßen oder auch auf zwei. Von 423 Millionen 0,75-Liter-Flaschen knallten hierzulande im vergangenen Jahr die Korken.
Dass Sekt so billig ist wie nie, fördert natürlich den Absatz. Fast jede Woche gibt es irgendeinen Sekt zum Schnäppchenpreis, eine Flasche kostet dann weniger als 3 Euro. Die Massenproduktion macht‘s möglich, und die funktioniert so: Preiswerte Grundweine werden zur zweiten Gärung in riesige Tanks gegeben und mit einer sogenannten Tirage aus Hefe (etwa 20 Gramm je Hektoliter) und Zucker (etwa 24 Gramm je Liter) versetzt. Dieser „Treibsatz“ sorgt dafür, dass Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid (CO2) vergoren wird und die Perlage entsteht – das sind die kribbeligen Bläschen, die Sekt so verführerisch machen. Anschließend kommt nochmals Zucker in flüssiger Form dazu, die Versand-Dosage. Damit wird der Sekt „eingestellt“, je nach Zuckerdosis steht dann „brut“ (herb), „extra trocken“ oder „trocken“ auf dem Etikett. Nach dem Abfiltern der Hefe geht es dann aus dem Tank in die Flasche. Das erfolgt unter Druck mit Hilfe von CO2. So ist der Sekt in wenigen Wochen fertig.

Galerie: Zehn Schaumweine im Test

Mit Zucker, Säure und Aromahefen

Eigentlich erfordert ein guter Sektgrundwein frische, säurestarke Tropfen. Aber die Weine für preiswerten Sekt kommen aus Südeuropa, wo sie aufgrund des Klimas wenig Säure entwickeln. „Darum ist es erlaubt, die Weine aufzusäuern, also mit extra Säure zu versehen“, erklärt der Hamburger Sommelier Ed Richter. Deklariert wird das aber nicht.
Je geschmacksärmer ein Grundwein ist, umso mehr Süße muss dazu. „Zucker ist ein Geschmacksträger, er macht den Sekt voller und süffiger“, erklärt der Sommelier. In einen trockenen Schaumwein dürfen bis zu 32 Gramm Zucker je Liter, in einen halbtrockenen sogar bis zu 50 Gramm. Ist der Grundwein eher geschmacksarm, bekommt er weitere Hilfe. Zugesetzte Aromahefen können zum Beispiel den Gout („Geschmack“) von exotischen, gelben und grünen Früchten nachahmen. Selbst Weine auf Basis von neutral schmeckenden Traubensorten avancieren so zur Fruchtbombe. „Die Anbieter halten einen Koffer mit Hunderten von Aromahefen bereit“, weiß Ed Richter.
Sekttest blind

Alles Sekte wurden „blind“ probiert, um eine Beeinflussung durch die Marke zu vermeiden.

Immer mit der Ruhe

Es geht natürlich auch anders. Traditionell erzeugte Sekte werden direkt in der Flasche vergoren. Ein mit Hefe und Zucker versetzter säurestarker Grundwein liegt dann mindestens neun Monate „auf der Hefe“, wie es heißt, teils auch mehrere Jahre. „Je länger er in der Flasche verbringt, desto feiner die Perlage und desto besser und intensiver der Sekt“, erklärt Ed Richter, der als Weinlehrer Laien und Profis rund um Wein und Sekt berät.
Die Autolyse der Hefe, also ihre Zersetzung, sorgt für eine tiefere Einbindung der Kohlensäure in den Wein. Sie ergibt später im Glas die feine, lang anhaltende Perlage. Das heißt aber auch: Es muss nicht so viel Zucker in den Sekt. Je Liter sind es für „Brut“-Sekt nur bis zu 12 Gramm. Diese Qualität bieten gute, flaschenvergorenen Sekte. Erkennbar ist so ein Schaumwein an der Angabe „Aus traditioneller Flaschengärung“. Er kostet aber mindestens 10 Euro.

Nur natürlicher „Engelsfurz“

Eines haben billiger und teurer Schaumwein aber gemeinsam: Das Kohlendioxid, das beim Öffnen aus der Flasche zischt, der sogenannte Engelsfurz, muss zu 100 Prozent aus der alkoholischen Gärung des Weins stammen, so verlangt es das Gesetz. Das Gas darf also nicht extra zugeführt werden, um den Sekt schön kribbelig zu machen. Auch beim Umfüllen aus dem Tank darf kein Kohlendioxid in den Sekt gelangen. Doch das scheint zumindest bei einem Testkandidaten der Fall: Der Sekt von Aldi Nord enthielt zu 34 Prozent das technisch „exogene“ CO2. „Ein hoher Eintrag“, urteilt Dr. Markus Boner, Geschäftsführer des Labors Agroisolab, das das Kohlendioxid im Sekt analysierte. Der Wert entspricht zwar nicht dem Gesetz, er liegt aber laut einer inoffiziellen, von Industrie und Ministerium erarbeiteten Leitlinie in der zulässigen Toleranz. Doch im EU-Ausland darf dieses Getränk nicht als Sekt verkauft werden.
Sekttest Schaum

Die Tester prüfen Perlage und Schaumbildung.

Bierperlen im Sekt?

Dass die anderen Sektsorten im Test nur natürliches CO2 aus der Sektherstellung enthalten, bezweifelt Experte Boner. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass beim Umfüllen aus dem Tank unter Druck tatsächlich oft CO2 in den Sekt gelangt. Die Sektkellereien mussten sich also etwas einfallen lassen, um gesetzeskonform zu bleiben. Eine Alternative ist der Einsatz von exogenem Kohlendioxid aus anderen biologischen Gärungen, etwa der Bierherstellung. Dies hat zwei Vorteile: Dem Gesetz wird Genüge getan, und der Schmu kommt nicht raus. Denn ob natürliches CO2 aus der Wein- oder einer anderen biologischen Gärung kommt, lässt sich nicht analysieren.
Eine weitere Gemeinsamkeit von Sekt und Bier: Beide Getränke werden von wenigen Großkonzernen produziert und mit unterschiedlichen Markennamen verkauft. Mumm und Rotkäppchen etwa sprudeln aus derselben Quelle wie MM Extra und Jules Mumm – aus den Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien, dem absoluten Marktführer. Von Henkell & Co. kommt nicht nur der gleichnamige Sekt, sondern auch Fürst von Metternich, Deinhard, Kupferberg und Söhnlein Brillant. Und unter dem Dach von Schloss Wachenheim gärt auch die Marke Faber.

Trinkbar sind sie alle …

Aber welcher Sekt schmeckt nun am besten? Die Tester kauften zehn deutsche Schaumweine der unteren und mittleren Preisklasse. Von Auerbach (Aldi Süd) über Fürst von Metternich bis hin zu Mumm und Rotkäppchen waren die wichtigsten Marken vertreten. Die Verkostung übernahmen Sommelier Ed Richter, Matthias Menge, ein Winzer, Weinfachmann und Mitarbeiter im Weinladen in Hamburg-St. Pauli sowie drei Mitglieder aus der Redaktion und die Autorin.
Sekttest Geschmack

Intensiv testen, aber nicht intensiv trinken: Sommelier Ed Richter (links) und Winzer Matthias Menge beim Geschmackstest.

… eine individuelle Note fehlt

„Trinkbar sind alle“, urteilt Ed Richter, „zumindest, wenn man trockene, eher süße Sekte mag“. Einige Schaumweine im Testfeld haben ihn sogar richtig überrascht, etwa der Preis-Leistungs- Sieger von Penny: Ebenso wie Winzer Matthias Menge lobt er die „feine Süße“ des 2,79-Euro-Sekts. Auch der süffig-animierende Lidl-Schaumwein findet Richters Lob: „Diese Sekte sind trotz des kleinen Preises reell und gut gemacht, keiner zeigt Fehler.“ Andererseits konnte sich auch kein Schaumwein im Test mit einer individuellen Note profilieren. Für die ganz besonderen Geschmackserlebnisse sind eben die teuren flaschenvergorenen Sekte zuständig.

Fazit

Die kann man sich unbesorgt schmecken lassen: In keinem der zehn deutschen Sekte fanden die Tester Schadstoffe in bedenklichen Mengen. In vielen Fällen konnte das beauftragte Labor gar keine unerwünschten Substanzen nachweisen, auch nicht das umstrittene Glyphosat. Fündig wurde das Labor wenig überraschend beim Schwefel, er dient der Konservierung des Schaumweins. Bei manchen Menschen kann Schwefel allergische Reaktionen auslösen und bei vielen Kopfschmerzen, die zulässige Menge wurde aber nie überschritten.
Ob Sie unter 3 oder 9 Euro ausgeben wollen – ein guter Sekt muss nicht teuer sein. Auf den vorderen Plätzen landen Markensekte der mittleren Preisklasse, aber auch ein Schaumwein vom Discounter Penny für sehr günstige 2,79 Euro. Sie bekommen damit guten Sekt von klarer Farbe, frischem Geschmack und akzeptabler Perlage. Bestnoten konnten wir hingegen nicht vergeben. Dafür sind die Schaumweine nicht aromastark genug und die „Bubbles“ zu grob, die Sekte bleiben also etwas beliebig, und viele sind auch recht süß. Ob man das mag oder nicht, ist zwar erst einmal Geschmackssache. Aber es ist eben auch ein Zeichen dafür, dass die Qualität nicht erstklassig ist. Da die Getränke in wenigen Wochen aus preiswerten Grundweinen erzeugt werden, muss Zucker dazu, und es wird mit Säuren und Aromahefen hantiert, um dem Schaumwein ein gewisses Flair zu verleihen. So fand das Labor bis zu 27 Gramm Zucker je Liter, das sind gut fünf Teelöffel. Gesetzlich ist diese Menge für trockenen Sekt zwar erlaubt, aber es kommt eben viel Zucker ins Glas. Hochwertige Sekte aus Flaschengärung zeichnen sich hingegen durch sehr wenig Süße aus, sie haben sie nicht nötig. Erlaubt sind für „Brut“-Qualität lediglich bis zu 12 Gramm Zucker je Liter – gut zwei Teelöffel.
Doch insgesamt sind die getesteten Sekte mit Preisen um 4 Euro je Flasche nicht nur günstig, sondern auch gut trinkbar. Dem Gläschen Sekt zum Weihnachtsfest und Silvester steht also nichts im Wege.

Schaumweine

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.