Günstiger Thermomix-Konkurrent

Thermo-Küchenmaschine Rosenstein & Söhne TKM 2015 im Test

Die Thermoküchenmaschine TKM 2015 von Rosenstein & Söhne kostet nur einen Bruchteil des Thermomix. Ein guter Deal? ekitchen hat den billigen Thermomix-Konkurrenten getestet.

Datum:
Pearl TKM 2015

Die neue Thermo-Küchenmaschine TKM 2015 von Pearls Hausmarke Rosenstein & Söhne kann neben mixen, kochen und dämpfen jetzt auch Zutaten abwiegen.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Für den inzwischen sehr günstigen Preis bietet die TKM 2015 von Rosenstein & Söhne vergleichsweise viele Funktionen: Kochen, Dampfgaren, Mixen, Schlagen, Rühren und Wiegen klappen recht leidlich. In dieser Geräteklasse darf man keine ausgeklügelten Kochprogramme erwarten oder dicke Rezeptbücher. Allerdings sollten sich die Ingenieure nochmal die Waagen-Funktion, das Display und den Signalton vornehmen. Dann wird eine ordentliche Einsteiger-Thermoküchenmaschine aus dem Gerät.

Pro

  • Niedriger Preis
  • Gefälliges Design
  • Funktionsumfang

Kontra

  • Display nur von kleinen Personen gut ablesbar
  • Keine Tara-Funktion der Waage
  • Jämmerlicher Hinweiston

Rosenstein & Söhne TKM 2015

Klar, so ein riesiger Karton, wie der Paketmann ihn auf der Sackkarre zu meiner Haustür rollt, kann nur von Pearl sein: In die Umverpackung würde das eigentliche Gerät samt seiner Kartonage beinahe dreimal hinein passen. Auf der Arbeitsfläche wirkt die Thermo-Küchenmaschine TKM 2015 von Pearls Hausmarke Rosenstein & Söhne (Ursprüngliche UVP: 399,90 Euro, im Handel oft unter 200 Euro ) nicht mehr so bedrohlich. Ganz im Gegenteil: Die rundliche Form des Motorblocks mit Bedienfeld, Display und Waage kommt etwas Retro daher und wirkt sehr gefällig. Beim Auspacken schlägt mir nur wenig „Neugeräte-Gestank“ entgegen, der nach dem obligatorischen ersten Abwasch aller Teile verschwunden ist. Wie schlägt sich der TKM 2015 gegen den echten und fast sechsmal so teuren Thermomix TM5? Gehört er zu den guten Thermomix-Alternativen?

Die Rosenstein & Söhne TKM 2015 im Detail

Vier sehr kräftige Saugfüße halten die insgesamt gut 6 kg schwere Maschine sicher auf der Arbeitsplatte fest. So arbeitet sich das Gerät auch bei der Maximaldrehzahl von 5.000 U/min nicht über die Kante in Richtung Fußboden. 500 Watt leistet das Rührwerk, die Heizfunktion feuert Suppe und anderem Kochgut mit bis zu 1.000 Watt ein (30 bis 120°C). Über dem Display thront die Glasplatte einer integrierten Waage, der maximal 2 Liter fassende Edelstahltopf rastet links daneben im Gehäuse ein. Auf den ebenso schlichten wie praktischen Bajonett-Deckel mit kleiner Befüll-Öffnung lassen sich zudem bis zu zwei Dämpfetagen mit jeweils doppelten Gummidichtungen aufsetzen. So soll sich in einem Arbeitsgang eine komplette Mahlzeit samt Beilagen zubereiten lassen.

Rosenstein & Söhne: Bedienung der Thermo-Küchenmaschine

Gesteuert wird die TKM 2015 mit einer überschaubaren Anzahl von Schaltern und Knöpfen: Ein großer Drehschalter für die Wahl von Zeit, Temperatur und Mixgeschwindigkeit dominiert das Bedienfeld, neben den dazugehörigen Funktionstasten gibt es noch einen Turbo- und Waagenschalter. Das dreizeilige blaue Display ist zwar hell und kontrastreich, lässt sich aber auch nicht variieren. Als Aufsatz für das Edelstahlmesser mit vier Klingen legt Pearl einen Schneebesen und einen Spatel mit in den Karton. Das Kabel fällt mit 85 Zentimetern etwas knapp aus.

Galerie: Rosenstein & Söhne TKM 2015 im Test

Das kann der „Kochroboter“ von Pearl

Um möglichst viele Funktionen auszuprobieren, muss mir das von Pearl „Kochroboter“ genannte Gerät bei einer ganzen Reihe von Gerichten assistieren: Eischnee schlagen, Vanille-Pudding kochen, Kaffeebohnen mahlen und letztlich Kartoffeln kochen und gleichzeitig Möhren in der 1. Etage sowie Lachs und Frühlingszwiebeln dämpfen in der 2. Etage. Vier Eiklar schlägt mir die TKM 2015 nach Anleitung in drei Minuten auf Stufe 4 mit dem aufgesteckten Schneebesen sehr schön schnittfest. Die Geräuschentwicklung hält sich dabei in Grenzen und der Apparat steht bombenfest. Als ich den Eischnee mit dem beiliegenden Spatel aus dem tiefen Topf herausholen möchte stelle ich fest: Das Teil ist sehr kurz und die Spatelfläche recht klein.

Thermo-Küchenmaschine mit wenig Komfort

Jetzt probiere ich aus, wie gleichmäßig und fein das Messer Kaffeebohnen mahlt. Laut Anleitung sollen bis zu 50 Gramm pro Portion kein Problem sein. Schnell die passende Menge auf der integrierten Waage abwiegen … ups, eine Tara-Funktion, die den Zähler nullt nachdem eine Schale auf der Waage platziert wird, fehlt. Da heißt es Kopfrechnen. Diese Standardfunktion müssen die Programmierer vergessen haben. Außerdem lässt sich die oberste Zeile des Displays bei 179 cm Körpergröße und normaler Distanz zum Gerät nicht vollständig erkennen. Der Mahlgrad nach 40 Sekunden auf Stufe 10 ist eher grob, für die Stempelkanne wäre das ok. Der Vergleich mit einer richtigen Kaffeemühle, wie der Graef CM 800 wäre unfair.
Mit den übriggebliebenen Eigelb aus dem Eischneeversuch koche ich jetzt einen Vanillepudding ohne Fertigpulver. Da ein entsprechendes Programm fehlt, das die Temperatur schrittweise und langsam bis zum Kochen erhöht, muss man etwas experimentieren, damit die Milch nicht zu schnell erhitzt und anbrennt. Mit etwas Erfahrung und Fingerspitzengefühl klappt das ganz gut, der Pudding schmeckt und wird mit dem untergehobenen Eischnee lecker luftig.

Ganze Gerichte im TKM 2015 von Rosenstein & Söhne

Zum Abschluss die komplette Mahlzeit: Unten koche ich Pellkartoffeln bei 100°C (ca. 25-30 Minuten), für die Möhren in der ersten Etage berechne ich eine Garzeit von 18 Minuten al dente, Lachs und Frühlingszwiebeln sollten nach 10-12 Minuten im heißen Dampf fertig sein. Schnell merke ich: Die gewählte Temperatur ist zu niedrig, das Wasser hört zwischendurch für bis zu eine Minute auf zu kochen. Mit 110°C passt das Timing und die Zutaten sind heiß und gar. Das erfordert in Ermangelung einer umfangreichen Rezeptauswahl allerdings viel Erfahrung. Pearl verweist auf einschlägige Thermomix-Rezepte im Netz. Der Signalton nach Ablauf der gewählten Zeit ist übrigens nur jämmerlich zu nennen und zu leise.

Rosenstein & Söhne TKM 2015 im Vergleichstest

Im redaktionellen Test zeigt sich also: Diese Thermo-Küchenmaschine ist kein Totalausfall, hat aber deutliche Schwächen. Doch wie schlägt sich die Maschine, wenn sie unter identischen Bedingungen gegen die wachsende Konkurrenz antritt? Kann sie beispielsweise gegen die Premium-Thermo-Küchenmaschine von KitchenAid bestehen – oder liegen doch Welten zwischen den einzelnen Geräten, die sich auf dem Papier eigentlich stark ähneln? Dinge wie Leistung, Lautstärke und Ausstattung standen im Labor auf dem Prüfstand, in der Praxis verglichen unsere Experten die tatsächliche Kochexpertise der verschiedenen Kochhelfer. Auch der TKM 2015 bereitete in diesem Zuge beispielsweise eine Suppe zu und knetete Pizzateig. Die Testergebnisse der Rosenstein & Söhne finden Sie in dieser Testtabelle.

Rosenstein & Söhne TKM 2015 im Vergleichstest

Funktionen der Küchenmaschine (8,00 % der Gesamtnote)

ausreichend 4,38

Funktionen: Kochen / Dampfgaren / Kneten / Zerkleinern / Schlagen

ja / ja / ja / ja / ja

Erweiterte Funktionen: Anbraten / Frittieren / Linksdrehen / Rühren / Scheibenschneiden

nein / nein / nein / nein / nein

Internet-Anbindung (Smart-Home-Funktion)

per App (Rezepte, Einkaufslisten)

Effizienz der Küchenmaschine (11,00 % der Gesamtnote)

befriedigend 2,98

Temperatur: maximal / Abweichung von der Herstellerangabe

etwas gering (125 °C) / gering (5° C höher)

Betriebsgeräusch (in Sone): maximal / Nüsse zerkleinern / Teig kneten

sehr laut (98) / sehr laut (65) / leise (10)

Benötigte Zeitdauer zum Wasserkochen (500 Milliliter)

ang ( 7 Minuten, 5 Sekunden)

Ausstattung und Gewicht (5,00 % der Gesamtnote)

befriedigend 2,83

Integrierte Hilfsmittel: Waage / Zeitschaltuhr / Thermometer

ja / ja / nein

Rührtopf: Gewicht / Füllvolumen

gering (1,4 kg) / gering (2 l)

Praxis-Test (44,00 % der Gesamtnote)

ausreichend 3,78

Zubereitung der Speisen: Kürbissuppe kochen / Fisch mit Kartoffeln zubereiten / Pizzateig kneten / Sahne schlagen / Nüsse mahlen

umständlich / umständlich / etwas umständlich / umständlich / etwas umständlich

Konsistenz der Speisen: Kürbissuppe / Fisch mit Kartoffeln / Pizzateig / Sahne / Nüsse

mäßig / schlecht / schlecht / sehr schlecht / schlecht

Aussehen der Speisen: Kürbissuppe / Fisch mit Kartoffeln / Pizzateig

durchschnittlich / schlecht / schlecht

Bedienung und Handhabung (32,00 % der Gesamtnote)

ausreichend 4,08

Allgemeine Handhabung des Geräts (persönliche Meinung der Tester)

umständlich

Rezepte: mitgeliefert / Umfang / Vorschläge nach Zutaten / Erweiterung durch Hersteller-Rezepte (Kosten je weiteres Rezept) / eigene Rezepte abspeichern / Geschmack der zubereiteten Rezepte

sehr wenige (8) / sehr knapp / nein / ja (kostenlos) / nein / schlecht

Schritt-für-Schritt-Assistent / automatische Koch-Programme

nein / keine

Geeignet für die Spülmaschine / Reinigung der Teile

nicht alle Teile / etwas umständlich

Bedienungsanleitung

knapp

Sicherheitsfunktionen: Start nur mit Deckel / Start ohne Topf / Meldung bei Fehlbedienung / Überlaufschutz

ja / nicht möglich / Hinweis auf dem Display / nein

Endnote im Vergleichstest: ausreichend (3,79)

Viele Grundfunktionen, eingebaute Waage, Rezepte per App – die Feature-Liste der Küchenmaschine von Rosenstein & Söhne liest sich gar nicht so schlecht. Im Praxis-Einsatz offenbaren sich dann aber die Lücken: umständliche Handhabung, eine praktisch nicht vorhandene Rezeptsammlung und ernüchternde Ergebnisse beim Probekochen.

Rosenstein & Söhne TKM 2015

Gerald Sinschek

von

Kochen, Braten, Backen – meine Küche ist mein liebster Hobby- und Arbeitsraum. Dabei gilt: lieber Kuchen als Kekse, lieber Steak als Tofu, lieber Nouvelle Cuisine als molekulares Brimborium. Gegen deftige Hausmannskost spricht überhaupt nichts und „Gourmand“ begreife ich nicht als Schimpfwort.