Schwere Vorwürfe gegen Vorwerk

45 Verletzte: Thermomix als Sicherheitsrisiko?

Der Thermomix von Vorwerk sorgt in Australien für Aufregung. Nach Beschwerden von 45 Nutzern, die sich beim Kochen verletzt haben wollen, wirft die Verbraucherschutzorganisation Choice dem Hersteller miserablen Kundenservice und Mobbing vor.

Datum:
Thermomix TM5

Mit dem neuen Modell TM5 (großes Bild) gibt es kaum Probleme. Beim Vorgänger TM31 (kleines Bild) sieht es laut Verbraucherschutzorganisation Choice anders aus.

Nachdem in Australien ein Thermomix TM31 geradezu explodierte und seine Besitzerin mit Verbrennungen zweiten Grades in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste, startete die australische Verbraucherschutzorganisation Choice ihre sogenannte „Thermoburn“-Kampagne. Teil dieser Kampagne ist ein umfangreicher Bericht über die negativen Erfahrungen der Thermomix-Verbraucher. Diesen Bericht legte Choice dem zuständigen Verbraucherschutzministerium ACCC (Australian Competition & Consumer Commission) Mitte 2016 vor.

Juni 2017: Juristische Konsequenzen für Vorwerk?

Ungefähr ein Jahr nachdem die Verbraucherorganisation Choice ihren Bericht zum „Thermoburn“ präsentierte, ergreift das australische Verbraucherschutzministerium Maßnahmen gegen Vorwerk. Die Behörde erklärte am 16. Juni 2017 mindestens 14 Fälle, in denen Thermomix-Nutzer verletzt wurden, juristisch überprüfen zu lassen. Das ACCC erhebt schwere Vorwürfe gegen Vorwek: Das Unternehmen habe Kunden nicht genügend über das Garantierecht informiert, sowie falsche und irreführende Informationen zur Sicherheit und zur Rückrufaktion des Geräts kommuniziert. In Australien müssen Händler und Unternehmen den Gesundheitsminister in einem Zeitraum von 48 Stunden über Unfälle und Verletzungen durch Produkte verständigen – auch dem ist Vorwerk nicht nachgekommen. Anstelle dessen wurden Kunden offenbar dazu gedrängt Geheimhaltungsverträge zu unterschreiben. All diesen Vorwürfen muss sich Vorwerk stellen. Schon am 21. Juli 2017 legt das ACCC den Fall einem zuständigen Richter in Melbourne vor.

Verletzungen und schlechter Kundenservice?

87 Beschwerden von Thermomix-Besitzern hat Choice nach eigenen Angaben zwischen dem 29. März und dem 9. Mai 2016 gesammelt. 45 Personen meldeten, Verletzungen bei der Verwendung ihres Wundergeräts erlitten zu haben. 18 Menschen benötigten demnach medizinische Versorgung, neun kamen mit starken Verbrennungen ins Krankenhaus. Schon drei Jahre zuvor hatten Kunden Unfälle an Thermomix Australia gemeldet – es dauerte über ein Jahr bis der Hersteller im Oktober 2014 das Modell TM31 schließlich zurückrief.

Geheimhaltung statt echte Hilfe?

Fehlerhafte Dichtungen sorgten offenbar dafür, dass der Deckel während der Zubereitung von Speisen aufsprang und seine Nutzer teils schwer verbrannte. Thermomix Australia schickte den betroffenen Kunden neue Dichtungsringe zu, welche das Problem allerdings nicht lösten. Choice kritisiert, dass das Unternehmen seinen Kunden bei Beschwerden einfache Bedienungsfehler unterstelle. Mehr noch: Teilweise grenze die Vorgehensweise des Kundenservice an Mobbing. Nur selten ließ sichsich der Hersteller laut Kundenberichten auf eine Rückerstattung ein – meist unter der Bedingung, dass der Kunde im Gegenzug einen Geheimhaltungsvertrag unterzeichnet.

Späte Stellungname durch Thermomix Australia

Erst nach Veröffentlichung und zunehmender, medialer Beachtung des Choice-Berichts nahm Thermomix Australia Stellung zu den Vorwürfen. Darin heißt es: „Die Sicherheit, das Wohlergehen und die Unterstützung unserer Kunden ist unsere oberste Priorität und wird es immer bleiben.“ Für Choice ungenügend: Auf konkrete Punkte des Berichts sei das Unternehmen schlichtweg nicht eingegangen.

Galerie: Thermomix-Alternativen in der Übersicht

Küchenmaschinen

Sabine Stanek

von

Von den leckersten Rezepten bis hin zu den praktischsten Gerätschaften – auf eKitchen berichte ich vom neusten Zubehör sowie von jeder Menge Tipps und Tricks rund um die Küche.