Ausgequetscht!

Juicero: Die dümmste Saftpresse der Welt – endlich ist Schluss!

Das Startup Juicero war letztes Jahr mit seiner Saftpresse der Hit unter den Investoren. Aber kaum startete der Verkauf der Geräte in den USA, machte die Runde, dass man den Saft auch einfach per Hand aus den teuren Beuteln pressen kann. Ein Musterbeispiel, wie Investoren Quatsch abfeiern.

Datum:
Juicero Vergleich

Was schmeckt wohl besser: Saft aus dem Juicero oder von Hand gepresst? Jetzt ist es auch egal ...

Sie ist smart, verbindet sich mit dem Internet, kann lesen und macht den frischesten Saft überhaupt. Das behaupteten zumindest die Hersteller der Juicero-Saftpresse. Das Prinzip ist einfach: Einen der Juicero-Beutel in die Presse geben, den Knopf betätigen und schon presst sie den Saft aus dem Obst und Gemüse, das sich in den Beuteln befindet, in ein Glas. Ohne dass dabei Hitze entsteht und wichtige Nährstoffe verloren gehen. Und das beste ist: Man kann den Saft genießen ohne sich einen Kopf um die Reinigung des Geräts zu machen. Denn die fällt weg. Nur die benutzten Beutel sollte man ausspülen bevor man sie in den Wertstoffmüll zum Recyceln gibt. Also alles dufte? Nee. Gar nicht.

Update 12.09.2017 – Kein Saft mehr

Für Juicero hat es sich ausgepresst. Anfang des Monats gab das Unternehmen bekannt, dass sie ohne weiteres den Verkauf ihrer Saftpresse und der Saftbeutel einstellen. Käufer der Saftpresse hätten laut Website 90 Tage Zeit sich an den Kundenservice zu wenden, um eine Rückerstattung zu erhalten. Saftpakete zum Auspressen per Maschine oder Hand gibt es nicht mehr zu kaufen. Grund für die Entscheidung ist laut Hersteller eine fehlende Infrastruktur, die es ihm nicht ermöglicht ein effizientes Vertriebssystem aufzubauen um so die Herstellungs- und Versandkosten zu senken und das Produkt günstiger an den Kunden zu bringen. Ob es nicht doch etwas mit der Tatsache zu tun hat, dass zum Auspressen der teuren Beutel die Handkraft reicht und die teure Saftpresse eigentlich unnötig ist, bleibt offen. Der Skandal von April 2017 wird im „Abschiedsbrief“ an die Kunden jedenfalls lieber nicht erwähnt. Aber wozu auch, immerhin hat Juicero seine Saftpresse angeblich über eine Millionen Mal verkauft.
Zum ursprünglichen Artikel:

Frischer Saft geht anscheinend auch handgepresst

Erst sollte die schicke Juicero Saftpresse stolze 700 US Dollar kosten. Mittlerweile hat man den Verkaufspreis auf 400 runtergeschraubt. Zumal der „Entsafter” mit Obst und Gemüse gar nichts anfangen kann. Er braucht spezielle Munition, die Beutel, die fein gehacktes Obst und Gemüse enthalten und man im Abo für 5 bis 8 Dollar das Stück (in Worten: FÜNF BIS ACHT DOLLAR PRO STÜCK!!!) erwirbt. Somit sollte langfristig auch noch genug übrig bleiben, wenn man die Maschine etwas günstiger macht. Ein Liter 100-%-iger Granatapfelsaft kostet etwa 4 bis 9 Euro. Ein knapper Liter (vier Beutel) Granatapfelsaft aus dem Juicero kostet den hippen Nutzer 32 Dollar. Die Beutel bekommt man aber nur, wenn man auch eine der teuren Saftpressen besitzt. Zu blöd, dass es jetzt so aussieht als bräuchte man diese gar nicht. Ein paar Reporter des Medienunternehmens Bloomberg krämpelten ihre Ärmel hoch und legten selbst Hand an. Und siehe da, innerhalb von eineinhalb Minuten quetschten sie einen der Beutel aus und erhielten rund 220 Milliliter Saft. Der Juicero schafft in zwei Minuten 235 Milliliter.
Juicero Bloomberg Video abspielen

Das Startup Juicero war letztes Jahr mit seiner Saftpresse der Hit im Silicon Valley. Jede Menge Investoren haben sich gefunden und nun startet der Verkauf in den USA. Journalisten ist jedoch aufgefallen, dass man die Presse für den Saft nicht unbedingt braucht ...

Wirklich 400 Dollar wert?

Als Reaktion auf die Vorwürfe, man könne die Säfte auch einfach per Hand auspressen, reagierten die Vorsitzenden von Juicero direkt mit Gegenargumenten und verteidigten ihr Gerät. Immerhin sei die Presse so eingestellt, dass sie die Obst- und Gemüse-Packungen immer in gleichbleibender Qualität auspresse und so für den besten Geschmack und eine ausgewogene Ernährung sorge. Zudem könne sie erkennen, wenn die acht Tage lange Haltbarkeit der Packungen abgelaufen ist und stoppt dann automatisch den Pressvorgang, damit man auch bloß keinen abgelaufenen Saft trinkt. Klar, die Saftpresse bietet einen hohen Komfort bei der Zubereitung von Saft und sieht schick aus. Dafür darf man Geld verlangen, aber in Verbindung mit den teuren Beuteln macht das System den Eindruck einer Geschäftsidee, wo eher die Kunden als das Gemüse ausgequetscht werden.
Michael Huch

„Wer 400 Dollar für den Juicero und 5-8 Dollar pro 200 ml Saft ausgibt, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.“

Michael Huch,

Oft schauen wir sehnsüchtig in die USA, weil es dort tolle Dinge gibt, die Sie hierzulande nicht bekommen. Beim Juicero kann man nur sagen: Glück gehabt. Andere Entsafter machen auch frischen Saft und zwar aus Obst und Gemüse und nicht aus überteuerten, geschredderten Früchten in Beuteln.

Galerie: 12 beliebte Entsafter

Granatapfelsaft

Sabine Stanek

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Michael Huch

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Redakteur und Content Manager, interessiert sich für Technik und mag Dinge, die den Alltag erleichtern. Egal ob unterwegs, im Garten oder der Küche.