Wenn der Fernseher kocht

Die beliebtesten Kochshows im TV

Schon seit Anfang der Fünfzigerjahre kann man Menschen im deutschen Fernsehen beim Kochen zusehen. Aktuell erlebt das Kochfernsehen in seiner Vielfältigkeit eine Renaissance. Fernsehköche werden zu Idolen, bekommen eigene Live-Programme und erreichen Kultstatus.

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Meta Hiltebrand Tim Mälzer

Die Schweizer Spitzenköchin Meta Hiltebrand hat gut lachen: Nur sie konnte Tim Mälzer bislang in seiner neuen Koch-Show „Kitchen Impossible“ schlagen.

Die Geschichte der Fernsehköche ist untrennbar mit dem Radio verbunden. Schon lange bevor dem Normalverbraucher der Zugang zu einem Fernsehgerät möglich war, konnte er Fremden beim Kochen beiwohnen. Besonders in den USA war die sogenannte Radioküche sehr beliebt. Begann sie einst als Werbesendung für einzelne Küchenprodukte und Zutaten, deutete die Resonanz der Hörer ein Interesse am Kochen selbst an. Infolgedessen wurde das Format der Radioküche ausgeweitet, die Schlagzahl an Sendungen wurde erhöht und der Trend schwappte sukzessive nach Europa. In Übersee verlagerte sich die unterhaltende Küche Ende der Dreißigerjahre ins Fernsehen. In Deutschland dauerte es noch knapp zwanzig Jahre, eh mit dem Schauspieler Clemens Wilmenrod der erste deutsche Fernsehkoch vor den Augen der Zuschauer kochte. Er gilt als der Erfinder des Hawaiitoasts, des Arabischen Reiterfleischs und der Gefüllten Erdbeere. Speisen, die es vermutlich niemals zu einer solch großen Popularität gebracht hätten, hätten sie ihren Siegeszug nicht vor laufender Kamera begonnen.

Galerie: Die beliebtesten Kochshows

Die klassische Kochshow aus dem Fernsehstudio

Heute gibt es ganz unterschiedliche Fernsehformate, die sich mit der schmackhaften Zubereitung diverser Speisen auseinandersetzen. Die ursprünglichste ist die klassische Kochshow. Beispiele hierfür sind Formate wie „Lafer! Lichter! Lecker!“, Tim Mälzers „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ oder der aktuelle Quotenknüller „Grill den Henssler“. All diese Formate haben feste Köche gemein, die es durch ihr unterhaltsames Engagement in diesen Formaten mittlerweile zu echter Berühmtheit geschafft haben. Während in „Lafer! Lichter! Lecker!“ ausschließlich die zur Nachahmung empfohlene und als Anleitung zu verstehende Zubereitung von Speisen im Mittelpunkt steht, kombinieren Sendungen wie „Grill den Henssler“ das Kochen mit einer Spielshow. Zur selben Kategorie gehören auch Formate wie das mittlerweile abgesetzte „Kochduell“, „Topfgeldjäger“ oder „Die Küchenschlacht“. Derartige Sendungen folgen dem Wettbewerbsprinzip. Wer besser kocht, gewinnt einen Preis. Als Teilnehmer fungieren meist keine Profis, sondern Hobbyköche. Die Show wird nicht live ausgestrahlt, sondern in einem Studio aufgezeichnet. Hauptsendezeit für derartige, meist nicht länger als eine Stunde andauernden Formate ist das Nachmittagsprogramm. Ausnahmen wie die VOX-Primetime-Show „Grill den Henssler“, die es aufgrund Steffen Hensslers anhaltender Popularität stets zu starken Quoten oberhalb des Senderschnitts bringt, bestätigen die Regel. Darüber hinaus gehört „Hell’s Kitchen“ zu den bekanntesten Kochshows der Welt, in der mehrere Kandidaten unter härtesten Bedingungen im direkten Wettstreit gegeneinander antreten müssen. In Deutschland war das Format unter dem Namen „Teufels Küche“ 2005 bei RTL und 2014 in Sat.1 zu sehen, konnte sich hier allerdings nie behaupten.
Christian Rach

Sternekoch Christian Rach ist nicht nur einer der beliebtesten TV-Köche, sondern auch einer der erfolgreichsten. 2009 gewann seine Sendung „Rach, der Restauranttester“ den Bayerischen Fernsehpreis.

Die Kochshow als Reality-Fernsehen

Neben der klassischen Kochshow aus dem TV-Studio haben sich in den letzten Jahren immer mehr Sendungen unters Volk gemischt. Seit 2006 strahlt der Privatsender VOX werktags die halb fiktionale, halb realistische Kochsendung „Das perfekte Dinner“ aus, in welcher fünf Hobbyköche in einem Wettstreit gegeneinander antreten. Das ohne Werbung rund 45 Minuten andauernde Format begleitet die Kandidaten beim Zutatenkauf, bei der Zubereitung der Speisen und beim Essen. Im Anschluss ans Dinner werden von jedem Gast Punkte von 1 bis 10 verteilt. Die maximale Höchstpunktzahl ist also 40. Wer am Ende der Woche die meisten Punkte hat, hat die Sendung für sich entschieden. Dieses bis dato einmalige Konzept brachte der Sendung eine Nominierung für den Grimme-Preis und die Auszeichnung mit dem deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Kochshow“ ein. Die Einschaltquoten befinden sich seit einem Durchhänger im Jahr 2014 auf einem konstant soliden Niveau. Zu bestimmten Anlässen gibt es innerhalb der Sendung Specials, in denen das Konzept variiert wird. So gab es bereits Weihnachtsspecials, in denen ein speziell auf die Weihnachtszeit zugeschnittenes Menü zubereitet werden musste. Das Konzept „im Schlafrock“ beinhaltet neben dem abendlichen Menü zusätzlich die Übernachtung beim Gastgeber sowie das anschließende Frühstück und in regelmäßigen Abständen kochen im „Promispecial“ mehr oder weniger bekannte VIPs um die Gunst ihrer Gäste. Das Konzept von „Das perfekte Dinner“ ist einmalig und aktuell mit keinem anderen Format im deutschen Fernsehen zu vergleichen. 2013 ging der Sender Sat.1 mit der deutschen Adaption der Sendung „The Taste“ auf Sendung, die sich als eine Art Castingshow für Köche versteht. Kandidaten müssen Zutaten auf einem einzigen Löffel so arrangieren, dass sie die mit namhaften Köchen besetzte Jury blind von sich überzeugen. Auch in diesem Format werden unterschiedliche Unterhaltungsarten miteinander kombiniert. Ein Teil der Sendung findet im Fernsehstudio statt, ein anderer zeigt die Vorbereitungen auf den Showabend, bringt einem die Kandidaten näher und guckt ihnen bei der Zubereitung über die Schulter. Trotz stetig sinkender Einschaltquoten von durchschnittlich 1,2 Millionen Zuschauern in Staffel eins auf durchschnittlich 0,9 Millionen in Staffel drei hält Sat.1 an dem Format fest. Für 2016 ist die vierte Staffel geplant.

Die Kochshow als Aufklärungsformat

In den letzten Jahren starteten die privaten TV-Sender Deutschlands eine regelrechte Flut an Verbrauchersendungen. Ob Kindererziehung, Schuldenberatung oder eben auch der Test unserer Nahrung auf ihre Verträglichkeit ließen den Zuschauer einschalten. Mit diesem Siegeszug der mal mehr, mal weniger tatsächlich innovativen Formate ist untrennbar auch der Hamburger Sternekoch Christian Rach verbunden. Mit seiner Sendung „Rach, der Restauranttester“ begann er, das Thema Essen vor der Kamera in eine ganz neue Zuschauerperspektive zu rücken. In seiner Sendung fühlt er strauchelnden Restaurantbesitzern auf den Zahn, ergründet sinkende Gastzahlen und wirft einen Blick auf stagnierende Konzepte. Daraufhin folgten ähnliche Formate: „Die Restaurantschule“ verstand sich als Auffanglager schwer erziehbarer Jugendlicher, die gemeinsam Verantwortung für ein eigenes Restaurant übernehmen sollten. „Rach Undercover“, ein Investigativformat mit Christian Rach, blickte hinter die Kulissen verschiedener Lebensmittelindustriezweige und ergründete in einer Sendereihe des ZDF-Formats „Terra X“ die Kulturgeschichte des Essens. In den klassischen Dokutainment-Reportagereihen wie ProSiebens „Galileo“ werden Essen, dessen Herstellung und Zubereitung regelmäßig thematisiert.

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