Nur Aromen und Geschmacksverstärker?

Diese Lebensmittel (bein)halten nicht, was sie versprechen

In fast allen industriellen Lebensmitteln findet man Zusatzstoffe – mal mehr, mal weniger. Wir verraten, wie viel Natürlichkeit noch in Frischkäsezubereitungen, Fruchtnektar & Co. steckt.

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Joghurt ohne Erdbeeren

Erdbeerjoghurt ohne Erdbeere – klingt absurd. Es kommen aber täglich Produkte auf den Markt, die mit dem ursprünglichen Lebensmittel kaum noch etwas zu tun haben.

Auf der Packung des Fruchtjoghurts sind pralle Erdbeeren abgebildet, saftig und frisch. Und auch der Joghurt an sich sieht mit seiner rosa-roten Färbung besonders fruchtig aus. Als Kunde sollte man sich davon aber nicht blenden lassen: Viele Erdbeeren findet man in solchen Produkten oft nicht. Die gesetzlichen Mindestvorgaben sind niedrig, Fruchtzubereitungen müssen nur zu dreieinhalb Prozent aus Früchten bestehen – ein Fruchtjoghurt „mit Früchten” kommt mit immerhin sechs Prozent Fruchtanteil aus. Für ein Produkt, das nach Erdbeeren aussieht, nach Erdbeeren riecht und nach Erdbeeren schmeckt, ist das eigentlich zu wenig. Die Lebensmittelhersteller greifen auf einige Tricks zurück, um den Konsumenten dennoch ein entsprechend fruchtiges Erlebnis vorzugaukeln. Anstelle eines natürlichen Snacks gibt es stattdessen einen Cocktail aus künstlichen Zusätzen wie Aromen oder Farbstoffen. In der Galerie finden Sie eine Auswahl von Lebensmitteln, die nicht halten, was sie versprechen.

Galerie: Die billigen Tricks der Lebensmittelhersteller

Die Aroma-Falle: Von Holzspänen und Reagenzgläsern

Man findet in vielen Zutatenlisten den Zusatz von Aromen verschiedener Herkuft. Mit den abgebildeten Früchten auf dem Joghurtdeckel haben die verwendeten Stoffe meist nicht mehr viel zu tun. So nutzt die Industrie Reiskleie um Vanille-Aroma zu gewinnen, Buchweizenstelzen sorgen für einen vollmundigen Erdbeergeschmack und Himbeer-Aroma gewinnt man unter anderem mit Zedernholz. Diese biotechnologisch hergestellten Geschmäcker sorgen für einen gleichbleibenden Geschmack – und sie sind günstig. Es gibt aber auch hier durchaus Qualitätsunterschiede, die der Gesetzgeber unterschiedlich deklarieren lässt.

Das verbirgt sich hinter Aromen

Begriff

Bedeutung

Aroma

Steht nur Aroma in der Zutatenliste finden Sie lediglich vollkommen synthetische Stoffe. Manche dieser Stoffe sind einem Naturprodukt nachempfunden, andere haben kein Vorbild in der Natur.

Natürliches Aroma

Wie der Name schon sagt: Diese Aromen sind natürlicher Herkunft. Das heißt aber nicht, dass sie auch tatsächlich etwas mit einem Lebensmittel zu tun haben. Oft nutzen die Lebensmittelchemiker Schimmelpilze, um den Geschmack von frischen Früchten zu simulieren.

Natürliches Fruchtaroma

Wenn das Wort „natürlich” in Kombination beispielsweise mit einer Frucht auftaucht, dürfen Sie sich sicher sein: Hier wurden mindestens 95 Prozent des Aromas tatsächlich aus dem genannten Lebensmittel gewonnen.

Extrakte

Extrakte sind Aromen, die die Hersteller mithilfe eines Lösungsmittels, beispielsweise Alkohol oder Wasser, aus dem Lebensmittel ziehen. Extrakte sind also natürlichen Ursprungs.

Versteckter Zucker in all seinen Formen

Neben Aromen spielt auch Zucker eine immense Rolle. In Säften beispielsweise findet man oftmals nicht nur die natürliche Süße – diverse Zuckerzusätze machen den Geschmack der Produkte deutlich intensiver und süßer, als es ein reines Naturprodukt je sein könnte. Der Ruf von Zucker ist aber nicht ohne Grund sehr schlecht. Die Hersteller wissen das: Oft wird der hohe Anteil des Dickmachers durch andere Bezeichnungen in den Zutatenlisten verschleiert. In dieser langen Liste sind einige Begriffe, hinter denen sich nichts weiter als eine Variation von Zucker verbirgt. Ein auf den ersten Blick natürliches Produkt mit natürlicher Süße entpuppt sich schnell als klebrige Zuckerbombe.
  • Dextrose
  • Dicksäfte (Agave, Apfel, Traube …)
  • Fruchtsüße
  • Fruchtzucker
  • Fructose
  • Glucose
  • Glucose-Fructose-Sirup
  • Invertzucker
  • Kandis
  • Laktose
  • Maltodextrin
  • Maltose
  • Malzzucker
  • Melasse
  • Raffinose
  • Saccharose
  • Sukrose
  • Traubenzucker
Um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, verwenden viele Hersteller Begriffe wie "Fruchtsüße" oder "ohne Kristallzucker" auf ihren Packungen. Was erst einmal nach einer Zuckerreduktion klingt, macht sich nur die verschiedenen Begrifflichkeiten zu nutzen. Oftmals findet man in genau diesen Produkten einen erhöhten Zuckeranteil. Seit 2006 sind andere Werbeaussagen strikt reguliert: Beim Schlagwort „Zuckerfrei” dürfen pro 100 Gramm Lebensmittel nur 0,5 Gramm Zucker enthalten sein – egal in welcher Form. „Zuckerarm” sind hingegen Produkte, die maximal zweieinhalb Prozent (Getränke), beziehungsweise fünf Prozent (Speisen) des süßen Zusatzes beinhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Zucker als Dicksaft, Traubenzucker in braun oder in weiß daherkommt.

Clean Labeling: Das Märchen von natürlichen Produkten

Unliebsame Zutaten gibt es ohne Ende: Künstliche Geschmacksverstärker, Farbstoffe oder Konservierungsstoffe sind in der Gunst der Kunden in den letzten Jahren aber rapide gesunken, der Trend geht in Richtung Natürlichkeit. Kein Wunder also, dass Hersteller auf ihren Verpackungen werbewirksam darauf hinweisen, wenn diese Stoffe eben nicht im Produkt vorhanden sind. Oftmals wird eine unerwünschte Zutat aber schlichtweg durch eine lediglich anders klingende Alternative ersetzt.

Clean Labeling: Das verbirgt sich hinter den Schlagworten

Clean Label

Bedeutung

Ohne künstliche Aromen

Hier implizieren die Hersteller Natürlichkeit. Schade, dass natürliche Aromen aber oft nichts mit dem eigentlichen Geschmack zu tun haben.

Ohne „Zutat XY” laut Gesetz

Einige Zutaten sind in Deutschland schlichtweg verboten. Mit einer attraktiven Grafik aufpoliert, verwandelt sich diese Selbstverständlichkeit schnell in ein attraktiv wirkendes Verkaufsargument.

Ohne Konservierungsstoffe

Die Lebensmittelindustrie nutzt Säurungsmittel, um auf den unliebsamen Begriff Konservierungsstoffe zu verzichten. Schade: Um den säuerlichen Geschmack zu überdecken, kommen Zucker und Süßstoffe zum Einsatz.

Ohne Farbstoffe

 

Statt offizielle Farbstoffe zu verwenden, setzen Lebensmittelproduzenten färbende Produkte ein, die nicht als Farbstoff deklariert sein müssen. Der Rote-Beete-Saft im Erdbeer-Smoothie ist für die intensiv rote Färbung verantwortlich.

Ohne Geschmacksverstärker

Immerhin: Wenn dieses Label auf einer Packung abgedruckt ist, findet man wirklich kein Natriumglutamat in diesem Produkt. Den Klassiker ersetzen die Hersteller meist mit Hefeextrakt, das auch Glutamat enthält – es muss aber nicht als Geschacksverstärker deklariert werden.

So identifizieren Sie Billigprodukte

Der Blick auf die Zutatenliste hilft dabei, die Billigprodukte als solche zu entlarven. Eine wichtige Hilfe dabei ist aber auch die sogenannte Verkehrsbezeichnung, die meist in kleiner Schrift auf der Packungsrückseite zu finden ist. So müssen qualitativ minderwertige Formfleischerzeugnisse nach Vorgaben des deutschen Lebensmittelbuchs durch die Deklarierung „Formfleisch“, sowie eine nachgestellte Erklärung kenntlich gemacht werden. Ein entsprechendes Beispiel auf der Packung einer billig produzierten Hawaii-Pizza wäre beispielsweise: „Pizza-Hawaii mit Formfleisch-Schinken (aus Fleischteilen zusammengefügt)“. Diese Produktbezeichnungen zeigen schnell, dass sich hinter dem Schinken eigentlich Abfallprodukte verbergen. Nehmen Sie diese Formulierungen immer wörtlich: Ein Eistee mit Zitronengeschmack ist eben nur ein Eistee mit Aroma – ohne Zitronen.

Fruchtknall Obst- und Gemüsekiste

Erik J. Schulze

von

Fast Food und gesunde Ernährung sind nicht miteinander vereinbar? Mit etwas Kreativität und den richtigen Gadgets können auch Freunde der schnellen Küche mit einem guten Gefühl im Bauch zuschlagen.