Food-Saver-Apps im Test

Praxis-Test: MealSaver vs. TGTG (Too Good To Go)

Gegen Lebensmittelverschwendung kann man etwas tun, ob als Gastronom oder als Privatperson. Die Apps MealSaver und TGTG bringen beide Seiten zusammen. Doch wie gut schlagen sich die Apps in der Praxis?

Datum:
Mealsaver gegen TGTG

Spargel, Nudeln und Brötchen: Das alles gibt es in den Foodboxen von MealSaver und TGTG.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Sowohl Too Good To Go als auch MealSaver funktionieren einwandfrei, die Krone setzt sich haarscharf aber TGTG auf. Die Details machen am Ende den feinen Unterschied zum Konkurrenten MealSaver aus. Für beide Apps gilt: Für Sparfüchse in der Großstadt lohnen sie sich auf jeden Fall; wer hingegen nicht gerade in einer Metropole wohnt, hat nur geringe oder gar keine Auswahl.

Pro

  • Einfache Bedienung der Apps
  • Faire Preise für Foodboxen
  • Frisches Essen

Kontra

  • Nur in größeren Städten verfügbar
Wir haben bereits drei Apps gegen Lebensmittelverschwendung vorgestellt. Zwei von ihnen – MealSaver und TGTG (Too Good To Go) – bieten Restaurants und Bistros die Gelegenheit, übrig gebliebene Speisen zu kleinen Preisen abzugeben, anstatt sie zu entsorgen. Klingt nach einer vielversprechenden Idee, doch wie funktioniert das in der Praxis? Giovanni Cardillo hat in Hamburg die Probe gemacht.

Erste Schritte: Apps installieren

Zunächst installiere ich beide Apps, die kostenlos für iOS und Android zur Verfügung stehen. Die Registrierung erfolgt dann per Mailadresse – oder bei TGTG auch per Facebook-Profil. Ein Blick auf die Startmenüs zeigt: Hier sieht vieles gleich aus. Das ist allerdings keine große Überraschung, wurde MealSaver doch nach dem Vorbild der länger bestehenden dänischen App TGTG angelegt. In einer Listenansicht kann man sich alle teilnehmenden Restaurants mit Preisen für die jeweiligen Foodboxen und Entfernung zum aktuellen Standort anzeigen lassen. Alternativ sieht man alle Abholstationen auch auf einer Umgebungskarte.
Mealsaver und TGTG

Beide Apps zeigen dem Nutzer abholbereite Foodboxen im Umkreis an.

Bestellen, bezahlen und bekommen

Im Umkreis von wenigen Kilometern gibt es zahlreiche Angebote, also schlage ich gleich mal zu. Restaurant auswählen, Anzahl der Foodboxen angeben und los! PayPal oder Kreditkarte sind im Handumdrehen als Zahlungsmethode hinterlegt, MealSalver scannt Kreditkarten einfach per Kamera – so spart man sich das lästige Abtippen der langen Kartennummer. Top! Nach Bestätigung des Kaufs erhalte ich bei beiden Apps meine virtuellen Gutscheine, auf denen Abholzeit und Adresse der gastronomischen Betriebe stehen. In den meisten Fällen sind es Restaurants, die noch Speisen vom Mittagstisch übrig haben und diese am frühen Nachmittag herausgeben. Aber auch kleine Bistros, Steh-Cafés und Bäckereien machen mit. Insgesamt wähle ich vier verschiedene Foodbox-Verteiler aus, jeweils zwei von jeder App. Vom Partyservice-Bistro bis zum Kiosk mit Brötchen-Theke ist alles dabei.
TGTG Foodbox

Volle Tüte: Frische Nudeln, Gemüse und noch mehr gab es an der Theke, so konnte ich von allem etwas in meiner Box mitnehmen.

Auf zur Schnitzeljagd!

Bewaffnet mit meinen digitalen Coupons mache ich mich auf den Weg, erstes Ziel: ein kleines Restaurant in Hamburgs Hafencity. Ich zeige einem Mitarbeiter den Gutschein in meiner TGTG-App, er bestätigt den Kauf mit einem Wisch über den Bildschirm und nur zwei Minuten später verlasse ich das Restaurant mit einer Box voll mit Spargel und Kartoffelpüree, alles sogar noch frisch und warm. Als nächstes führt mich der Weg in die Hamburger Altstadt. Sowohl MealSaver als auch TGTG zeigen auf Wunsch den Weg zum angepeilten Abholort an, bei MealSaver läuft das allerdings nur per externer Maps-App von Apple oder Google. Wieder präsentiere ich meinen Coupon, diesmal von MealSaver, und erhalte kurz darauf eine Box mit Fischfilet, Bratkartoffeln und Salat vom Mittagstisch. Zwei von vier geschafft, weiter geht's.
MealSaver vom Steh-Café

Snacks für zwischendurch: Auch im Steh-Café habe ich die freie Wahl; diesmal zwischen diversen Brötchen und Sandwiches.

Benachrichtigungen per SMS

Auch die Kommunikation zwischen App und Nutzer stimmt: TGTG verschickt Nachrichten per SMS, sollte sich die Abholzeit bei einer Bestellung ändern. Falls man seine Box dann nicht abholen kann, wird das Geld zurückerstattet. In meinem Fall war das nicht nötig. In Restaurant Nummer drei wartet eine Buffet-Theke auf mich, an der ich meine Foodbox ganz individuell zusammenstellen kann. Mit vollbepackten Tüten ziehe ich nun weiter, um meine letzte Bestellung abzuholen. In einem kleinen Eckcafé in der Innenstadt darf ich mir nach Vorzeigen des Gutscheins zwei belegte Brötchen aussuchen.

Preiswertes Festessen aus dem Karton

Nach dem langen Heimweg sind natürlich manche Speisen nur noch lauwarm – schmecken tun sie trotzdem noch! Für meine Mitbewohner und mich ist mit Spargel, Fisch und Nudeln genug für ein vollwertiges Abendessen dabei. Die Boxen haben mich je nach Restaurant zwischen 2,90 Euro und 3,45 Euro gekostet – für eine Foodbox mit frischen Speisen vom Mittagstisch ist das der Hammer, für zwei belegte Brötchen vom Morgen ist es nur in Ordnung. Meine Lieblingsrestaurants speichere ich bei TGTG direkt als Favoriten ab, so sehe ich später schneller, ob bei ihnen noch Foodboxen zu holen sind. Zusätzlich kann ich den Restaurants bei TGTG eine Bewertung im Sterne-System hinterlassen, und auch MealSaver fragt mich nach der Nutzung nach Feedback zur App.
Foodboxen MealSaver + TGTG

Überraschungspakete: Was in der Foodbox wartet, weiß man oft vor der Abholung nicht.

Viele Gemeinsamkeiten und kleine Unterschiede

Das Prinzip ist bei MealSaver und TGTG dasselbe: Box bestellen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, leckeres Essen mit nach Hause nehmen. Und das funktioniert in der Praxis genauso wie es soll. Daher fällt auch mein Gesamteindruck beider Apps durchweg positiv aus, aber TGTG sticht durch Kleinigkeiten wie die Favoritenfunktion hervor. Ein weiterer Unterschied der beiden Anwendungen ist die Verteilung, die Gastronomen überschneiden sich nämlich zwischen MealSaver und TGTG nicht. Die Auswahl ist dennoch – zumindest in Hamburg und Berlin – bei beiden recht groß.
Knapp 50.000 User hat MealSaver und ist neben Hamburg, Berlin und München mittlerweile auch in Köln, Düsseldorf und einigen Städten im Ruhrgebiet vertreten. TGTG hat seine Partner ebenfalls in Deutschlands fünf größten Städten und zudem in Frankfurt, Hannover und Stuttgart. Welche App den persönlichen Geschmack am besten trifft, muss dann aber jeder für sich herausfinden.
Giovanni Cardillo

von

Jeden Tag nur Tiefkühlpizza oder Nudeln mit Pesto. Als Student kocht man ja nicht. Oder doch? Man kann es zumindest versuchen!