Lebensmittelversender im Test

Online-Supermärkte im Test – die kommen direkt nach Hause

Käse, Brot und Butter online bestellen? Viele sehen das mit Skepsis. Doch der Test zeigt: Angebot und Preise werden immer besser.

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Online-Superm

Die Online-Supermärkte liefern Ihre Einkäufe direkt nach Hause.

Eigentlich will der Mensch nach fünf Tagen Arbeit am Wochenende seine Freizeit genießen. Aber stattdessen verbringt er den halben Samstag im Supermarkt. Da steht er dann im Einkaufswagen-Stau an der Wursttheke und am Ende in der Schlange an genau der Kasse, bei der es am längsten dauert. Dann wuchtet er alles ins Auto, nur um es zu Hause wieder auszupacken. Und dort merkt er, dass er die Butter vergessen hat. Also noch mal los. Aber es geht auch ganz ohne Stress – versprechen Online-Lebensmittel-Shops wie MyTime oder Rewe. Doch gibt es Butter und Gurke online tatsächlich schnell und günstig?
Passend zum Start der ersten Testphase von AmazonFresh in Berlin und Potsdam werfen wir einen kritischen Blick auf die bisherigen Lebensmittelversender im Netz. Für den großen Vergleich von sechs großen Online-Supermärkten hat unser Redakteur mit seiner Familie und einem typischen Wochenendeinkauf ausprobiert, ob der Einkauf per Mausklick die Fahrt zum Supermarkt überflüssig macht.

eSupermarkt: Teuer & umständlich?

Statistisch hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr mindestens einmal im Internet gekauft – allerdings eher Klamotten als Kartoffelchips. Aber nach Angaben des Info-Portals Statista lag im vergangenen Jahr der Anteil der Online-Shopper, die auch Lebensmittel bestellen, bei rund 28 Prozent. Wobei in diesem Marktsegment Online-Bestellungen von Wein sicher eine größere Rolle spielen als Butter, Brot und Käse per Mausklick. Dass es gute Gründe gibt, Lebensmittel vor Ort zu kaufen statt im Internet zu bestellen, haben viele Tests von Online-Supermärkten bereits gezeigt. So befürchtete auch die Testerin ein zu kleines Angebot und zu hohe Preise beim Online-Kauf – und vor allem Berge an Verpackungsmüll, die entsorgt werden wollen. Doch in den vergangenen zweieinhalb Jahren hat sich vieles getan, einige Shops haben mittlerweile ein großes Sortiment und konkurrenzfähige Preise.

Galerie: Test: Das sind die besten Online-Supermärkte

Wie groß ist das Angebot?

Die Tester haben im Sortiment jedes Online-Supermarkts die Verfügbarkeit von insgesamt 132 Artikeln überprüft – von Obst und Gemüse bis zu Tierfutter. Die Angebotsfülle ist je nach Produktkategorie und virtuellem Supermarkt unterschiedlich:
  • Frischwaren: Bei Edeka24 und Amazon Pantry gibt es gar kein frisches Gemüse und Obst, zudem nur sehr wenig Milchprodukte, Wurst und Brot. Am größten war die Auswahl bei MyTime, Rewe Online und AllYouNeedFresh. Kein Shop kann allerdings mit der Frischetheke oder einem Bäcker konkurrieren: Brot, Käse und Wurst gibt es online nur verpackt oder eingeschweißt.
  • Konserven & Co.: Zucker, Salz, Soßen, Suppen, Konserven – hier punkteten die Shops mit einer Angebotsfülle von durchschnittlich 86 Prozent. Klar: Solche Artikel sind lange haltbar und einfach zu versenden.
  • Getränke: Mit einer Trefferquote von durchschnittlich 95 Prozent schnitten die Online-Shops bei Cola, Limo, Wasser, Bier und Wein sehr gut ab. Spitzenreiter hier: AllYouNeedFresh, Lebensmittel.de und Rewe Online. Erneut Schlusslicht: Amazons Lebensmittel-Ecke Pantry.
  • Süßwaren: Bei Schokolade, Gummibärchen, Keksen & Co. war die Trefferquote mit 99,7 Prozent am höchsten.
Retourschein myTime

Neben der Rechnung und dem Lieferschein sollte in jedem Paket auch ein Retourenschein zu finden sein – unverzichtbar für einfache und schnelle Rücksendungen.

Was kostet der Online-Einkauf?

Um den Umfang des Angebots zu prüfen, stellten die Tester einen Testwarenkorb mit über 130 Artikeln zusammen. Daraus wurde eine Auswahl von 17 Artikeln bestellt, um den Bestellvorgang und die Lieferung zu überprüfen. Um die Preise vergleichbar zu machen, bestellten die Tester und Familie Just stets die gleichen Artikel-Marken wie etwa „Crunchips“ von Lorenz. Anschließend ermittelten sie die entsprechenden Preise in einem Supermarkt in Hamburg. Das Resultat war verblüffend: Abgesehen von einzelnen Ausreißern waren die Online-Shops im Mittel nur knapp 6 Prozent teurer als der Supermarkt – wenn man den reinen Waren-Verkaufspreis vergleicht. Doch bei Online-Bestellungen treiben Versandkosten und diverse Zuschläge den Endbetrag in die Höhe.

So drücken Sie die Zusatzkosten

Die Höhe dieser Zusatzkosten variiert stark. Doch viele Zuschläge lassen sich mit einer geschickten Bestell-Strategie minimieren:
  • Versand ohne Zustellkosten: Alle Anbieter erheben Versand- oder Zustellkosten zwischen maximal 3,95 Euro (Edeka24) und 5,90 (Rewe Online). Außer bei Amazon entfallen die Versandkosten aber ab Bestellwerten zwischen 40 und 100 Euro. Rewe Online bot zum Testzeitpunkt Gratis-Lieferungen für die ersten drei Bestellungen. Zusätzlich erheben Rewe und Lebensmittel.de Zuschläge, die bei großen Mengen schwerer Waren wie Getränkekisten anfallen.
  • Pfand einlösen: Wie in jedem Geschäft berechnen auch Online-Shops das Pfand auf Flaschen und Dosen. Das Leergut lässt sich aber in jedem Geschäft auch wieder zu Geld machen. Rewe Online bietet die Möglichkeit, Leergut bei der Lieferung wieder mitzunehmen. MyTime erhebt 5 Euro Pfand auf jede seiner Kühlboxen. Per beigefügtem Rücksendeschein kann der Kunde die Boxen kostenfrei zurückschicken und sogar vom Paketdienst DHL abholen lassen.
  • Frischeaufschlag minimieren: Lebensmittel.de, AllYouNeedFresh und MyTime erheben maximal zwischen 4,90 und 4,99 Euro Frische-Aufschlag beim Versand von gekühlten oder gefrorenen Artikeln. Bei MyTime verringerte sich bislang der Aufschlag mit steigender Füllung der Kühlbox (bis auf 1 Euro bei 100 Prozent Befüllung) – ein ausgeklügeltes System, doch seit Kurzem setzt das Unternehmen stattdessen auf eine Pauschal-Regel: Nun kostet jede Frischwaren-Bestellung 4,90 Euro extra. AllYouNeedFresh erhebt keinen Aufschlag, wenn Kunden die Kurierzustellung auswählen, die aber nicht überall verfügbar ist.
Trockeneis

Warnung auf der Box: Trockeneis nicht anfassen! Unser Redakteur überlas den Hinweis und „verbrannte“ sich die Finger.

Wie funktioniert die Lieferung?

Außer bei Amazon und Edeka24 kann der Kunde den Liefertag frei wählen. Am besten klappt das bei Rewe Online: Der Lieferdienst bietet online einen Kalender mit Zeitfenstern, die sich per Mausklick auswählen lassen – möglich ist das, weil Rewe seinen eigenen Kurierdienst nutzt. Nachteil: Trotz theoretisch bundesweiter Verfügbarkeit müssen Kunden bei Rewe stets online prüfen, ob sie auch tatsächlich beliefert werden. Bei AllYouNeedFresh klappt die Terminplanung ähnlich gut, sofern eine Kurierlieferung möglich ist. Lieferungen an Packstationen sind bei allen außer Amazon Pantry, Rewe und MyTime möglich – teils abhängig von Menge und Art. Nur Kühlwaren werden generell nicht an Packstationen geliefert.

Wie groß ist das Müll-Problem?

Lebensmittel erfordern einen enormen Verpackungsaufwand, Tiefkühlwaren bleiben nur mit Trockeneis frisch – dass dieses Kühlmittel bei Hautkontakt durchaus schmerzhaft sein kann, hat der Redakteur beim Test erfahren. Generell können Pappe, Papier, Plastik, Styropor und Trockeneis mehr als die Hälfte des Liefervolumens ausmachen. Der größte Umweltsünder im Test war AllYouNeedFresh – allerdings nur dann, wenn man als Kunde nicht den Kurierservice nutzen kann. Trost: AllYouNeedFresh nahm alles gratis per Retourenschein wieder zurück. Bei Rewe läuft es immer vorbildlich: Hauseigene Kuriere bringen die Ware größtenteils lose in Kisten – klasse!
AllYouNeedFresh Verpackung

Nichts darf verderben oder kaputt gehen. Darum bestehen Lebensmittel-Lieferungen teils zu mehr als der Hälfte aus Verpackungsmaterial.

Rücksendungen unterliegen den üblichen Bedingungen, können also in der Regel binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen erfolgen. Ausgenommen sind verderbliche oder tiefgekühlte Waren wie Eis. Nur Rewe akzeptiert keine Rücksendungen. Grund: Kunden können die Waren direkt bei der Lieferung begutachten und bei Beanstandungen dem Kurier auf der Stelle wieder zurückgeben.
Online-Supermärkte Lieferung

Eigentlich hätten alle Artikel hätten in eine Einkaufstüte gepasst. Die Lieferung kam aber in einem riesigen Karton.

Komfortable Bestellfunktionen

Im Prinzip funktioniert die Bestellung von Lebensmitteln im Internet genauso wie jeder andere Online-Kauf: Artikel aussuchen, in den Warenkorb legen, an der Kasse bezahlen, Bestellung abschicken – fertig. Allerdings birgt der Kauf von Lebensmitteln eine typische Besonderheit: Anders als Schuhe oder Bücher, kauft man Butter, Kaffee und Milch in der Regel immer wieder. Einige Kandidaten punkten darum mit ausgefeilten Merkfunktionen:
  • Favoriten: Wie in anderen Internet-Shops lassen sich einzelne Artikel auf einem Merkzettel oder in einer Favoritenliste speichern.
  • Einkaufslisten: Rewe und MyTime bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Zusammenstellungen in je einem eigenen Einkaufszettel zu speichern und mit einem Mausklick in den Warenkorb zu befördern. Auf diese Weise sind regelmäßige Einkäufe bequem erledigt. Bei AllYouNeedFresh klappt das nur mit Bestellungen, die der Kunde zuvor schon gemacht hat.
  • Abonnement: Lebensmittel.de bietet die Möglichkeit, einen einmal getätigten Einkauf zukünftig als Abo einzurichten und den Einkauf so ohne weiteres Zutun zu erledigen.

Galerie: So viel kosten Lebensmittel im Online-Supermarkt

Amazon, der Ausnahmekandidat

Amazon Pantry fiel im Test mit sehr günstigen Preisen, aber in einigen Bereichen auch mit einem vergleichsweise sehr geringen Angebot auf. Der Grund: Die Pantry des Online-Giganten gibt es nur mit ausgesuchten und entsprechend markierten Artikeln. Darüber hinaus gibt es noch weitere Besonderheiten:
AmazonFresh

Bei Amazon Pantry ist die Auswahl bescheiden. Frischware ist gar nicht erhältlich – dafür soll es Amazon Fresh bald bundesweit geben.

  • Exklusiv: Pantry-Artikel sind nur für Prime-Kunden verfügbar. Das Abo kostet derzeit 69 Euro pro Jahr.
  • Versandkosten: Pro Box berechnet Amazon 4,99 Euro Versandkosten – Ausnahmen gibt es nicht.
  • Füllmenge: Pantry-Lieferungen kommen stets im Standard-Karton und begrenzen so die maximale Menge pro bestellter Box. Den Befüllungsgrad einer Pantry-Box zeigt Amazon im Laufe des Bestellprozesses sehr übersichtlich in Prozent an. Ist eine Box voll, der Einkauf aber noch nicht abgeschlossen, befüllt das System zwar automatisch eine zweite Box – aber erhöht auf diese Weise auch die Versandkosten.
Mit dem neuen Service AmazonFresh für Prime-Kunden möchte der Online-Gigant den Online-Kauf von Lebensmitteln jedoch weiter optimieren. Das Angebot wurde auf über 85.000 Produkte erweitert, darunter befinden sich nun auch frische und tiefgekühlte Lebensmittel. Die Lieferung soll schnell erfolgen, denn wer bis mittags bestellt soll seinen Einkauf bereits am selben Abend erhalten. Bestellen Sie bis 23 Uhr, erhalten Sie die Waren in einem gewählten 2-Stunden-Fenster am nächsten Tag. Der Mindestbestellwert beträgt 40 Euro, dafür müssen Sie jedoch keine Liefergebühren drauf zahlen. Zusätzlich zu den jährlich 69 Euro für die Prime-Mitgliedschaft, müssen Kunden zusätzliche 9,99 Euro monatlich zahlen, um AmazonFresh zu nutzen. Bisher können von dem Service nur Prime-Mitglieder aus Berlin und Potsdam profitieren, AmazonFresh soll in Zukunft aber bundesweit verfügbar sein.

Fazit: Online-Supermärkte im Test

Am besten klappt der Lebensmittelkauf per Maus mit Rewe Online dank gutem Liefersystem und akzeptablen Preisen – sofern der Dienst ins gewünschte Gebiet liefert. Falls nicht, sind AllYouNeedFresh oder MyTime die beste Wahl. Amazon Pantry hat dagegen eine viel zu kleine Auswahl. Für Familie Just ist jedenfalls klar: Online-Supermärkte können den Wochenend-Einkauf allenfalls ergänzen, aber (noch) nicht ersetzen.