Cooler Schrank?

Der vernetzte Kühlschrank: Darum lässt er auf sich warten

Seit Jahren geistert der vernetzte Internet-Kühlschrank durch die Medien und lässt doch auf sich warten. Warum eigentlich?

Datum:
Internetkühlschrank

Dieser Kühlschrank holt Kochrezepte aus dem Web, erinnert an Verfallsdaten und schickt Einkaufslisten an Smartphones. Wenn er denn mal auf den Markt kommt.

Jedes Jahr präsentieren Elektronikfirmen wie LG und Samsung Kühlschränke mit Internetanschluss. So geht das nun schon seit Jahren. Genauer gesagt: seit 1999. Damals feierte der schwedische Hausgeräte-Hersteller Electrolux auf einer Fachmesse in Köln den ersten „Screenfridge“ (Bildschirmkühlschrank).

Ein Computer für die Küche

Der Urahn aller vernetzten Frischezentren hatte Vieles an Bord, was auch Käufer im Jahr 2014 von einem Internet-Kühlschrank erwarten würden. Er konnte TV-Programme und E-Mails empfangen, Sonderangebote aus dem Supermarkt oder Kochrezepte anzeigen – und über Busverspätungen informieren. 50 Testhaushalte bekamen im Frühjahr 2000 Gelegenheit, das Technikwunder auszuprobieren.

Die Idee wird eingefroren

Auf den Markt kam der Screenfridge aber nicht. „Es war ein Nischenprodukt. Wir haben die Killer-Applikation nicht gesehen, für die ein Kunde bereit gewesen wäre, deutlich mehr als für einen normalen Kühlschrank auszugeben“, erklärt Elisabeth Lokai-Fels, Pressesprecherin von Electrolux Deutschland. Inzwischen ist die Technik preiswerter und in anderen Geräten längst selbstverständlich: Praktisch alles, was die aktuell auf Messen gezeigten Geräte können, lässt sich genauso gut per Smartphone oder Tablet erledigen. So schickt der T9000 von Samsung über den Internetdienst Evernote Einkaufslisten aufs Handy. Er zeigt Google-Kalender an oder Kochrezepte aus dem Web. Sogar das Betriebssystem dafür ist dasselbe wie in modernen Mobilgeräten: Android.

Galerie: Ice Age: Die Idee vom vernetzten Kühlschrank

Warten auf die Killer-Applikation

Eines können aber auch der T9000 (US-Preis: circa 4000 Dollar) und die Konkurrenz von LG (rund 3500 US-Dollar) noch nicht: selbst Nachschub im Internet bestellen. Die Vision vom intelligenten Kühlschrank, der seinem Besitzer den Einkauf im Supermarkt abnimmt, scheitert schon daran, dass der Lebensmittel-Einzelhandel auf solche Onlinebestellungen nicht vorbereitet ist; vernünftige Transportlösungen fehlen. Man stelle sich vor, DHL müsste neben CDs und Büchern von Amazon auch massenhaft Frischfleisch oder Milch transportieren. Immerhin: Die „Smart Fridges“ warnen automatisch, wenn das Verfallsdatum eingelagerter Produkte naht. Und sie machen Rezeptvorschläge, welches Menü sich aus dem Kühlschrankinhalt zaubern lässt. Allerdings nur, wenn der Besitzer jeden Joghurtbecher und Camembert, den er hineinstellt, zuvor selbst am Touchscreen eingegeben hat – mit Haltbarkeitsdatum, versteht sich. Bequeme Lösungen zum Einscannen der Balkencodes auf Lebensmitteln sind in Vorbereitung. Sie lösen das Problem aber nur zum Teil, weil der Kopfsalat vom Markt oder das Gulasch vom Vortag nun mal keinen Barcode hat.

Kühlschränke veralten schnell

Hersteller wie Siemens gehen deshalb andere Wege: Eine Webcam soll künftig den Kühlschrankinhalt aufs Smartphone oder Tablet übertragen. Damit der Einkäufer unterwegs live nachschauen kann, wie viele Milchtüten er zu Hause hat. Eine Markteinführung vor 2015 ist allerdings unwahrscheinlich. Auch Bauknecht will sich mit vernetzten Kühlschränken noch Zeit lassen. Denn es geht nicht nur darum, Bauteile zu finden, die dauerhaft Temperaturen um drei Grad und hohe Luftfeuchte aushalten. Auch schnelllebige Technik erschwert die Entwicklung. Siemens-Geschäftsführer Roland Hagenbucher: „Wir rechnen für unsere Geräte mit einer mittleren Lebensdauer von 15 Jahren. Ein Kühlschrank ist kein Smartphone, das regelmäßig ersetzt wird“. Da ist die Gefahr groß, von Trends im Tablet- oder Handy-Markt überholt zu werden – das gleiche Problem haben übrigens auch Autohersteller.
Miele@Home

Miele@Home: Bereits 2010 brachte Miele eine Kontroll-App für Kühlschränke heraus.

Bedienhilfen per App

Eine mögliche Lösung: intelligente Funktionen gleich ins Tablet auslagern, wie es die Service-App myBosch für iOS und Android vormacht. Das Hausgerät selbst ist dann zwar nicht vernetzt, der Nutzer bekommt aber Bedienhilfen – etwa wenn er ein Produktetikett mit der Tablet-Kamera einscannt. Oder er lässt sich mit der Hotline verbinden.

Vernetzung über die Stromleitung

Als einzige Marke bietet Miele schon länger eine echte App-Steuerung an. Miele@home-Geräte vernetzen sich per Powerline. Die Möglichkeiten sind aber begrenzt, erst in künftigen intelligenten Stromnetzen werden sie ihre Talente vollends ausschöpfen – etwa „auf Vorrat“ kühlen, wenn Energie zu bestimmten Tageszeiten günstiger ist. Damit ist so ein Kühlschrank schon ziemlich smart; noch cleverer macht ihn schnell und günstig ein ausrangiertes Tablet, das Sie einfach per Magnethalterung anheften. Überhaupt kommt’s gerade beim Kühlschrank eher auf das an, was drin steckt. Worauf Sie beim Kauf achten sollten, erfahren Sie in der folgenden Bildergalerie.

Galerie: Darauf müssen Sie beim Kühlschrankkauf achten

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.