Absurde Verschwendung!

MHD: Mindesthaltbarkeitsdatum ist meist Quatsch!

Auf industriellen Lebensmitteln in Deutschland ist in der Regel ein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben. Viele dieser MHD sind aber fernab der Realität. So lernen Sie, Ihren Sinnen zu vertrauen.

Datum:
Frau prüft MHD

Diese Frau prüft ein MHD. Oftmals lohnt es sich aber, das eigentliche Produkt zu untersuchen.

Sie öffnen den Kühlschrank und stellen fest, dass der Joghurt, den Sie neulich erst gekauft und niemals geöffnet haben, schon wieder das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten hat. Hand aufs Herz: Schmeißen Sie ihn weg? Wenn ja, stehen Sie nicht alleine da. Das Marktforschungsinstitut Innofact hat in einer repräsentativen Umfrage ermittelt: 47 Prozent, also fast jeder Zweite, haut „abgelaufene” Lebensmittel ohne einen zweiten Gedanken in die Tonne. Und damit nicht genug: 12 Prozent der Befragten gingen sogar davon aus, dass der Verzehr von anscheinend überlagerten Lebensmitteln nach dem Ablauf des MHD gesetzlich verboten sei. Die Wahrheit sieht allerdings vollkommen anders aus.

Das MHD ist kein Wegwerfdatum

Oftmals sind Lebensmittel in einem völlig tadellosen Zustand, noch lange nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Denn das das MHD ist genau das: ein Datum, das angibt, wie lange etwas mindestens haltbar sein muss. Bei richtiger Lagerung (meist: kühl, trocken, dunkel) ist das also die absolute Untergrenze, die Hersteller einhalten müssen, um die Eigenschaften des Produkts zu gewährleisten. Das Datum garantiert also den vollen Geschmack, die gewünschte Konsistenz, den angegebenen Nährstoffgehalt – und den risikofreien Verzehr. Allerdings nur, wenn es in dieser Zeit ungeöffnet bleibt. Nach dem Öffnen gelten die Anweisungen zur Lagerung auf der Packung. Das MHD ist aber keinesfalls ein Wegwerfdatum. In den meisten Fällen sind Produkte deutlich länger haltbar und genießbar. Es kann aber sein, dass sich in dieser Zeit beispielsweise die Farbe oder Konsistenz, etwa bei einem Pudding, leicht verändern. Schlimm ist das nicht.

Greenpeace untersucht das MHD im Langzeittest

Im Frühling 2017 hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace einen Langzeittest zur Haltbarzeit von Lebensmitteln durchgeführt. Vier Monate lang hat man dort Käse, Eier, Salami, Joghurt, Sojajoghurt, Tofu, veganen Brotaufstrich und veganen Kuchen jeweils alle zwei Wochen nach dem Ablauf des MHD untersucht. Das Ergebnis: Nur beim Sesam-Brotaufstrich, der bereits beim ersten Test als „gärig” beschrieben wurde, lag das Mindesthaltbarkeitsdatum in der Nähe des tatsächlichen Verderbens der Produkte. Alle anderen Produkte waren noch sechs Wochen nach Ablauf des MHD genießbar – ohne spürbaren Unterschied zum „frischen” Produkt. Joghurt, Sojajoghurt und Tofu waren sogar noch 112 Tage (!) nach Beginn der Tests in Ordnung – allerdings vermerkten die Greenpeace-Tester bereits kleine sensorische, aber natürliche Auffälligkeiten. Das Labor beweist: Die Testobjekte waren unbedenklich und zum Verzehr geeignet.

Galerie: So lagern Sie Ihre Lebensmittel optimal

Vertrauen Sie nicht dem MHD, sondern Ihren Sinnen!

Vertrauen Sie also unbedingt Ihren Sinnen! Riechen Sie, fühlen Sie – und ja: schmecken Sie. Wenn Ihnen etwas verdorben erscheint, ist es das meist auch. Es gilt aber eben auch der Umkehrschluss: Wenn es schmeckt, greifen Sie zu, unabhängig vom MHD. Übrigens: Die Richtlinien für das Mindesthaltbarkeitsdatum sind europaweit geregelt. Wer sich im Ausland aufhält, darf dieselben Mittel der Überprüfung auch bei den Lebensmitteln der dortigen Märkte nutzen.
Erik J. Schulze

„Vertrauen Sie sich! Sehen, fühlen und probieren Sie – dann kann nichts schief gehen.“

Erik J. Schulze,

Ausnahme: Das Verfallsdatum

Das Verfallsdatum sollte man nicht mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum verwechseln. Dieses Datum ist tatsächlich ein Verbrauchsdatum und gilt als Richtlinie, nach der man ein Lebensmittel nicht mehr konsumieren und entsorgen sollte. Die Kennzeichnung ist „Zu verbrauchen bis …”. In einigen Fällen ist der Verzehr von Nahrungsmitteln, die das Verfallsdatum überschritten haben, sogar gesundheitsschädlich. Man findet dieses Datum besonders bei fleischhaltigen Produkten, z.B. bei abgepacktem Hack. An dieser Stelle gelten die losen Regeln des MHD also nicht – Ihre Gesundheit geht beim Verfallsdatum eindeutig vor.

Bei Schimmel: Lebensmittel sofort entsorgen!

Auch mit Schimmel ist nicht zu spaßen: Finden Sie bei Marmelade oder Hartkäse kleine Schimmelstellen, reicht es nicht, diese Bereiche zu entfernen. Die feinen Partikel des Schimmels sind oft schwer erkennbar, obwohl sie sich längst im ganzen Nahrungsmittel verbreitet haben. Die giftigen Mykotoxide und Aflotoxine sind bekannt dafür, im schlimmsten Fall Nieren- oder Leberschäden und sogar Krebs auszulösen. Dieses Risiko sollte man also in keinem Fall eingehen.

Bei diesen Lebensmitteln ist das MHD Quatsch

Tatsächlich führt das Mindesthaltbarkeitsdatum dazu, dass viel mehr Lebensmittel im Müll landen als nötig ist. Eine verschlossene Milch ist im Schnitt eine halbe Woche länger haltbar als angegeben. Eier sind oftmals bis zu zwei Wochen länger haltbar. Der Greenpeace-Test beweist: Es sind nicht die einzigen Lebensmittel, die umsonst in millionenhöhe in den Mülleimern der Nation landen. Absurd: Einige Lebensmittel brauchen laut einer EU-Verordnung gar kein MHD – die Hersteller interessiert das herzlich wenig.

Diese MHD sind Quatsch!

Speise

Haltbarkeit

Schokolade

Schokolade ist oft nahezu unendlich haltbar. Der weiße Rand ist unbedenklich. Mit der Zeit verliert die süße Sünde aber an Zartheit.

Nudeln & Reis

Wer trockene Produkte wie Nudeln, Reis oder Ebly dunkel und kühl lagert hat lange etwas von diesen Produkten. Auch hier liegt die Haltbarkeit Jahre über den Angaben der Hersteller.

Honig

Solange Sie keine Keime, beispielsweise durch ein butterverschmiertes Messer, in den Honig mischen, ist dieses Lebensmittel auch geöffnet quasi ewig haltbar.

Marmelade

Marmelade hält sich dank des hohen Zuckeranteils ähnlich gut wie Honig. Auch hier sollten Sie auf die Sauberkeit achten.

Alkohol

Je höher der Alkoholgehalt, desto länger ist das Produkt haltbar. Bei Bieren und Mischgetränken vertrauen Sie auf Ihre Sensorik.

Wasser

Ordnungsgemäß abgefülltes Mineralwasser ist noch lange nach der Frist haltbar. Kohlensäurehaltige Produkte verlieren eventuell an Spritzigkeit.

Zucker

Luftdicht verpackt bleibt Zucker unendlich haltbar. Sonst entwickeln sich Klumpen. Hersteller sind nicht verpflichtet, ein MHD anzugeben.

Essig

Weißweinessig hält sich über Jahre. Solange man ihn dunkel und fest verschlossen lagert.

Ahornsirup

Ahornsirup hält sich im Kühlschrank mehrere Monate. Im Gefrierfach ewig.

Salz

Ähnlich wie Zucker hat Salz kein Ablaufdatum. Wirkung und Geschmack bleiben für die Ewigkeit.

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Ende mit der Lebensmittelverschwendung!

18 Millionen Tonnen landen an Lebensmitteln pro Jahr auf dem Müll – allein in Deutschland. Die globale Lebensmittelindustrie will sich dem nun entgegenstellen. Im vergangenen Juni hatte der Verband Consumer Goods Forum beschlossen, eine doppelte Kennzeichnung auf Lebensmitteln zu befürworten. Auf diversen Produkten könne man demnach zukünftig zwei Angaben finden: Zum einen gibt es das „längste Verkaufsdatum”, was in etwa dem MHD entspricht – solange dürfen Märkte das Produkt anbieten. Das zweite Datum soll eine Variante des Verbrauchsdatum sein – solange dürfen Kunden bedenkenlos konsumieren. Bis 2020 will man die Initiative auf EU-Ebene umsetzen. In Deutschland gibt es in Teilen der Politik und Wirtschaft noch Widerstand. In Japan und dem Vereinigten Königreich ist eine doppelte Kennzeichnung bereits Pflicht.
Erik J. Schulze

von

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