Teller oder Tonne?

Aufessen statt wegwerfen: Apps gegen Lebensmittelverschwendung

Laut einer WWF-Studie landen in Deutschland jedes Jahr rund 18,4 Millionen Tonnen Nahrung im Müll. Wir stellen drei Apps vor, die verhindern, dass so viele Lebensmittel verschwendet werden.

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Lebensmittelverschwendung

Brötchen, Sushi, Kuchen, indisches Essen? Unglaublich: Das wäre alles im Müll gelandet!

Jeder neunte Mensch auf der Erde muss hungrig schlafen gehen. Gleichzeitig haben wir einen Überfluss an Lebensmitteln, mit denen wir nicht nur dieses Neuntel der Menschheit, sondern darüber hinaus noch viel mehr Menschen ernähren könnten. Statt einer gerechten Verteilung des Essens landen bei uns 18,4 Millionen Tonnen pro Jahr im Müll, während die Hungerleidenden weiterhin leer ausgehen. Eine absurde Situation.

Lebensmittelverschwendung: Jeder tut es

Wir haben keine Lösung, um die Hungersnot der Welt zu bekämpfen. Doch jeder kann sein eigenes Konsumverhalten überdenken. Lebensmittel wegzuschmeißen, die oftmals sogar noch genießbar sind, ist eine unnötige Verschwendung. Und doch tun wir es alle. Man fährt in den Urlaub und der Kühlschrank ist noch halb voll – alles Verderbliche wird weggeschmissen. Ob der Käse noch gut ist? Ach, lieber auf Nummer Sicher gehen, wegschmeißen und einen neuen kaufen. Die braune Banane ist zu süß und der Salat nicht mehr knackig genug. Weg, weg, weg. Wir leben in solch einem Überfluss, dass wir immer lieber die neusten, frischesten und knackigsten Dinge kaufen, anstatt die alten aufzubrauchen.
Lebensmittelverschwendung

Einfach per App Gutes tun und Leckeres ordern: Mit „Too Good To Go” oder „MealSaver” kann man Essen „retten”, das sonst in der Mülltonne gelandet wäre.

Die Idee: Apps gegen die Verschwendung

Einige clevere Köpfe haben sich überlegt, wie man diesen Teufelskreis durchbrechen kann. Wie wir Lebensmittel weniger wegwerfen. Drei Apps bieten Lösungsansätze: „MealSaver”, „Too Good To Go” und „Zu gut für die Tonne”. Wir stellen sie vor:

1. MealSaver

Gastronomen können oftmals noch weniger als Privatleute planen, wie viele Lebensmittel sie pro Tag verkaufen und verbrauchen. So kommt es oftmals zu einer immensen Überproduktion. Wer schon einmal gesehen hat, wie frische, leckere Brötchen und Brote vom Bäcker in der Tonne landen, weiß, wie verschwenderisch und unsinnig das ist. Die App MealSaver (kostenlos im App Store oder im Google Play Store erhältlich) ermöglicht es Gastronomen, zum Ende der Ladenzeiten Foodboxen für wenig Geld zu verkaufen. Wer sich die App installiert, sieht genau, welche Foodboxen wo und zu welcher Uhrzeit angeboten werden. Ob Tagesgericht oder eine Tüte voller Backwaren – alles ist dabei. Per PayPal oder Kreditkarte wird bezahlt. Mit dem digitalen Beleg in der App gibt es dann vor Ort zur angezeigten Zeit die Box. Unglaubliche Schnäppchen, leckere, frische Produkte – und weniger Abfall für die Gastronomiebetriebe. Großartige Idee! MealSaver ist bisher nur in Hamburg und Berlin aktiv.

2. Too Good To Go

Das große Vorbild von der eben vorgestellten MealSaver-App: Too Good To Go, kurz TGTG, kommt aus Dänemark und ist inzwischen in verschiedenen Ländern Europas aktiv. Auch diese App ist kostenlos im App Store oder im Google Play Store erhältlich. In Deutschland sind viele Gastronomiebetriebe aus neun deutschen Städten dabei, Tendenz steigend. TGTG ist damit deutlich breiter aufgestellt als MealSaver, es lohnt sich aber, beide Apps zu checken. Achtung, die Foodboxen, die am Abend verteilt werden, sind oftmals schon am frühen Nachmittag ausverkauft! Wer sich mit gutem Gewissen den Bauch vollschlagen will, sollte also schnell sein.
Übrigens: Beide Apps behalten jeweils einen Euro pro verkaufter Foodbox für sich, um laufende Kosten zu decken. Wir hoffen, dass hier tatsächlich nur die laufenden Betriebs-, Personal- und Marketingkosten, nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund stehen.

3. Zu gut für die Tonne

Wenn das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Webseite und eine App entwickelt, klingt das erstmal wenig sexy. Doch in diesem Fall lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auf www.zugutfuerdietonne.de gibt es alle Infos für (zukünftige) Lebensmittelretter: Infos zur Lebensmittelverschwendung, Tipps für Lagerung, Einkauf und Vorratskammer sowie leckere Rezepttipps für „Reste“. Für die Reste nur das Beste, sozusagen. Es gibt auch Tipps, wie beispielsweise versalzene, angebrannte oder verkochte Gerichte noch zu retten sind. Eben alles, um im wahrsten Sinne des Wortes restlos satt zu werden. Auch die App funktioniert gut. Einfach angeben, welche Lebensmittel weg müssen, schon macht die App Vorschläge, mit welchen Rezepten diese verwertet werden können. Auch die Rezepte von den „Kochpaten“, also diversen Köchen aus ganz Deutschland, sind lecker, leicht nachzumachen und beinhalten Lebensmittel, die gerne mal übrig bleiben.

Was geht sonst noch?

Neben diesen drei Apps bietet auch die Seite www.foodsharing.de eine Möglichkeit, Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Hier können Privatpersonen ihre überflüssigen Lebensmittel einstellen und verschenken. Der Urlaub steht vor der Tür, der Obstkorb ist aber noch voll und im Kühlschrank steht noch eine Packung Kartoffelsalat und eine verschlossene Milch? Einfach bei foodsharing einstellen und abholen lassen. Andere Leute freuen sich darüber und retten das Essen, das sonst in der Tonne gelandet wäre.
Anna Brüning

von

Journalistin. Redakteurin. Bloggerin. Texterin. Autorin.

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