Der Coca-Cola-Report

So kritisieren Verbraucherschützer den Coca-Cola-Konzern

So schlimm wie die Tabakindustrie? Verbraucherschützer von Foodwatch sehen bei Coca-Cola in vielen Bereichen Nachholbedarf und fordern den Konzern zum Handeln auf.

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Coca-Cola Foodwatch

Scharfe Kritik: Verbraucherschützer von Foodwatch attackieren Coca-Cola.

Hilft nur eine Zuckersteuer und ein Werbeverbot? Deutschland wird immer dicker – und die Organisation Foodwatch sieht in der Coca-Cola Company einen der beitragenden Übeltäter. So habe der Softdrink-Hersteller eine „Mitverantwortung” für die „Epidemie chronischer Erkrankungen” in Deutschland. Dazu gehören typische durch Zucker hervorgerufene Krankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit. Dass Coca-Cola im Rahmen bis 2020 den Zuckergehalt des Sortiments um insgesamt zehn Prozent senken will, spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Viel mehr kritisiert Foodwatch die Werbestrategien des Unternehmens. In einem 108 Seiten langen Dokument („der Coca-Cola-Report”) nehmen die Autoren von Foodwatch die Präsenz des Limonadenherstellers auseinander.

Influencer und Fußballstars: Jugendliche im Bann der Zuckerbrause?

Coca-Cola ist mit riesigen Marketing-Kampagnen allgegenwärtig. Für Foodwatch etwas zu sehr: denn Fußballstars im Werbespot und besonders Influencer auf Youtube oder Instagram sprechen auch Kinder und Jugendliche extrem an. Ein positives Image trotz der Gefahr gesundheitlicher Risiken zu schaffen, war für den Konzern nie ein Problem. Foodwatch fordert deshalb einen Werbestopp für Coca-Cola in der besagten Zielgruppe. Auch eine Zuckersteuer wie in Großbritannien sei denkbar. Der Getränkegigant schießt aber zurück: „Man könne Übergewicht nicht wegbesteuern” heißt es von Seiten des Unternehmens. Und schon jetzt sei man bei zuckerreduzierten oder zuckerfreien Getränken auf einem guten Weg, schließlich wolle man bis 2025 etwa die Hälfte des Absatzes mit entsprechenden Getränken erzielen. Es sei bereits immerhin ein Drittel des Sortiments ohne Zucker, alle klassischen Softdrinks gebe es auch in einer zuckerfreien Variante. Auch von der Werbekritik zeigt man sich bei Coca-Cola unbeeindruckt. Der Konzern werbe schließlich nicht in Medien, die sich vorwiegend an Kinder unter zwölf Jahren richten.
Coke

Immer weniger Zucker? Die Coca-Cola Company zeigt sich ambitioniert.

Industrie und Ministerium lehnen Lebensmittelampel ab

Verbraucherschützer fordern seit langem Lebensmittelampel, die die Inhaltsstoffe farblich nach wissenschaftlichen Standards einordnet. Das würde auch für Produkte wie Coca-Cola gelten. Der erhöhte Zuckergehalt würde hier mit einem warnenden Rot unterlegt sein – nicht zur Freude des Konzerns. Die Industrie hat deshalb an einer alternativen Lösung gearbeitet, die allerdings vielerorts als Augenwischerei belächelt wird, da offensichtliche Dickmacher wie Nutella hier noch als gesund gewertet werden. Die große Koalition aus SPD und CDU hat bereits angekündigt, selbst eine neue Darstellung der Nährwerte ins Spiel bringen zu wollen. Von der bisher vorgeschlagenen Ampel hält man hier allerdings wenig: Ernährungsministerin Klöckner lehnt diesen Entwurf ab. Ein System das einen Orangensaft ungesünder einstuft als eine zuckerreduzierte Limonade sei nicht zielführend. Eine Zuckersteuer lehnt die Union ebenfalls ab.
Erik J. Schulze

von

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