Bewundernswert oder wunderlich?

Severin KM 3895 James the Wondermachine im Test

Neues Kombigerät: Severin will mit der KM 3895 „James the Wondermachine“ beim Wettlauf um die erfolgreichste Thermo-Küchenmaschine mitmischen. Wir haben die Küchenmaschine getestet.

Datum:
Severin James the Wondermachine

Sie kocht, hackt, rührt und mixt, dünstet und mahlt: Wird die Severin KM 3895 „James the Wondermachine“ ihrem Namen gerecht?

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Der Vergleichstest verrät: Das Gerät von Severin ist technisch nur sparsam ausgestattet, bietet keine Programme, ist relativ laut und in der Handhabung teils nervig. Auch die Resultate beim Probekochen fanden die Tester nicht „wundervoll“ – einzig der Pizzateig ist gut gelungen. Fazit: Eine Wundermaschine ist das nicht. Allerdings ist der Preisverfall bei Amazon schon verwunderlich.

Pro

  • Aufgeräumte Bedienelemente
  • Modernes Design

Kontra

  • Kleine Füllmenge
  • Laute Arbeitsweise
  • Schwache Leistung
  • Magere Rezeptauswahl
  • Keine Waage

Severin James the Wondermachine

Die Severin KM 3895 James the Wondermachine muss ein echter Tausendsassa sein, wenn man der Beschreibung glauben darf: Angeblich kann sie kochen, dampfgaren, mahlen, rühren, schlagen, kneten, mixen, emulgieren, vermischen, zerkleinern und erhitzen. Muss ich da überhaupt noch einen Finger krumm machen? Mal sehen! Der Test zeigt, ob James seinen Namen zu Recht trägt.

Womit trumpft das James the Wondermachine auf?

Direkt beim Auspacken fällt auf: Das Gerät riecht kaum nach Kunststoff, Flammschutzmitteln oder Ähnlichem. Das Design ist schlicht und modern, aber James the Wondermachine soll ja auch in erster Linie gut arbeiten und nicht stylisch aussehen. Als Zubehör hat Severin neben dem Edelstahlmesser einen Teigschaber, einen zwei-etagigen Dünstaufsatz, einen Deckelverschluss mit Griff, einen Rühraufsatz aus Kunststoff und ein ansprechend aufgemachtes Kochbuch mit 10 Menüs und zehn Basisrezepten (Fonds, Saucen, Kräutermischungen, Würze und Pesto) beigelegt. Das ist übersichtlich, aber nicht schlecht.

Severin James the Wondermachine: Leistung im Überblick

Der Edelstahl-Topf fasst 1,5 Liter und wird mit maximal 550 Watt erhitzt. Etwas weniger Leistung, 500 Watt, stehen für das Rührwerk zur Verfügung. Die Kabellänge ist mit gut einem Meter ausreichend – das sollte in der Küchenzeile immer bis zur nächsten Steckdose reichen. Eine Waage ist nicht im Gerät integriert – das macht der Thermomix besser. Dafür ist das Bedienfeld mit einem kleinen Digitaldisplay, zwei Knöpfen und einem großen Drehregler sehr aufgeräumt. Mit dem Regler lässt sich die Drehzahl in vier Stufen von 400 bis 6.000 U/min justieren. Wer mehr braucht, nutzt die Turbostufe (7.000 Umdrehungen pro Minute, Regler drücken). Vier Temperaturen (37°C, 70°C, 100°C und 140°C) stehen zum Kochen und Garen zur Auswahl. Der Timer zählt maximal 60 Minuten, das könnte je nach Gericht auch mal knapp werden.

Galerie: Die Thermo-Küchenmaschine James im Test

James the Wondermachine: So, jetzt mach mal!

Zwei Rezepte für Suppe und Apfelkuchen genügen, um fast alle versprochenen Funktionen zu nutzen. Die Maschine stellt sich anfänglich solide an: Mandeln hacken und mahlen für den Kuchenteig und die Füllung stellt den Apparat nicht vor Probleme. Ebenso wenig das Zerteilen der Äpfel für die Füllung. Als es aber an den Rührteig geht, zeigt sich James the Wondermachine etwas bockig. Obwohl die Butter weich ist und definitiv Zimmertemperatur hat, gerät das Motörchen ins Schwitzen, beginnt zu stinken und schaltet sich dann erst mal ab. Der Fehlercode „EE09“ leuchtet im Display auf: Motor überlastet. Na – dann soll er sich mal etwas erholen und abkühlen. Wird schon wieder! Die offensichtlich gut haftenden Saugfüße machen immerhin super Arbeit. Der Apparat gerät bei seinen Rührbemühungen nämlich ganz schön heftig in Bewegung.

Suppe mit der Severin Wundermaschine

Jetzt die Suppe. Kochen und Mixen sind gefordert. Gleichzeitig dünstet in der oberen Etage des Aufsatzes Kartoffeln für die Einlage. Beides funktioniert ganz ordentlich, muss aber bei 120°C manuell gesteuert werden. Ein Programm, das zuerst kocht und dann kurz vor Ende automatisch kräftig mixt und häckselt, wie ich es von anderen derartigen Maschinen kenne, hat das Gerät nicht. Dafür kann er erhitzen/kochen und permanent langsam rühren. Das Eiweiß ist nach zwei Minuten auf Stufe 2 schnittfest. Während der Arbeit sirrt übrigens ein Lüfter im Dauerbetrieb.
James the Wondermachine

Aufgeräumt: Das Design ist für eine Küchenmaschine vergleichsweise elegant.

James muss noch viel lernen

Will man, wie in vielen Rezepten aus dem mitgelieferten Kochbuch vorgeschrieben, unter einer Minute häckseln oder mixen, muss man mit der „-“-Taste von einer Minute an herunter zählen. Das ist mitunter etwas lästig. Auch das vergleichsweise geringe Volumen des Topfes limitiert den Einsatz. 1,5 Liter Suppe sind für vier Personen knapp bemessen. Mitbewerber erlauben 2 oder sogar 2,5 Liter. Apropos knapp bemessen: Mit dem Rührteig hatte die Maschine Probleme – der Motor könnte bei der nächsten Generation gern etwas stärker geraten. Ansonsten macht der Kerl seine Arbeit ganz ordentlich und kann insbesondere durch die kombinierten Einsatzmöglichkeiten beim Kochen/Dünsten echte Zeitersparnis bringen. Preislich ist er mit 499 Euro zwischen den in etwa vergleichbaren Geräten von Pearl (299 Euro) und Krups (800 Euro) angesiedelt.

Im Vergleichstest: Wie schlägt sich James the Wondermachine?

Als James the Wondermachine auf den Markt kam, galt das Gerät als Alternative zu Thermomix & Co. – die Zeit bleibt aber auch in der Küche nicht stehen. Im großen Vergleichstest mussten zehn beliebte Küchenmaschinen mit Kochfunktion zeigen, was sie draufhaben. Im Labor und in der Testküche musste auch James beweisen, ob er mit der Zeit geht und ob aus dem Wunderkind auch ein erfolgreicher Erwachsener geworden ist.

Severin James the Wondermachine im Vergleichstest

Funktionen der Küchenmaschine (8,00 % der Gesamtnote)

ausreichend 3,50

Funktionen: Kochen / Dampfgaren / Kneten / Zerkleinern / Schlagen

ja / ja / ja / ja

Erweiterte Funktionen: Anbraten / Frittieren / Linksdrehen / Rühren / Scheibenschneiden

ja / nein / nein / ja / nein

Internet-Anbindung (Smart-Home-Funktion)

keine

Effizienz der Küchenmaschine (11,00 % der Gesamtnote)

befriedigend 3,79

Temperatur: maximal / Abweichung von der Herstellerangabe

hoch (140 °C) / hoch (20° höher)

Betriebsgeräusch (in Sone): maximal / Nüsse zerkleinern / Teig kneten

sehr laut (81) / sehr laut (60) / etwas laut (13)

Benötigte Zeitdauer zum Wasserkochen (500 Milliliter)

lang (6 Minuten, 4 Sekunden)

Ausstattung und Gewicht (5,00 % der Gesamtnote)

ausreichend 3,79

Integrierte Hilfsmittel: Waage / Zeitschaltuhr / Thermometer

nein / ja / nein

Rührtopf: Gewicht / Füllvolumen

gering (1,5 kg) / gering (2 l)

Praxis-Test (44,00 % der Gesamtnote)

ausreichend 3,62

Zubereitung der Speisen: Kürbissuppe kochen / Fisch mit Kartoffeln zubereiten / Pizzateig kneten / Sahne schlagen / Nüsse mahlen

umständlich / umständlich / umständlich / umständlich / sehr umständlich

Konsistenz der Speisen: Kürbissuppe / Fisch mit Kartoffeln / Pizzateig / Sahne / Nüsse

mäßig / schlecht / sehr schlecht / schlecht / schlecht

Aussehen der Speisen: Kürbissuppe / Fisch mit Kartoffeln / Pizzateig

durchschnittlich / schlecht / schlecht

Bedienung und Handhabung (32,00 % der Gesamtnote)

ausreichend 4,31

Allgemeine Handhabung des Geräts (persönliche Meinung der Tester)

umständlich

Rezepte: mitgeliefert / Umfang / Vorschläge nach Zutaten / Erweiterung durch Hersteller-Rezepte (Kosten je weiteres Rezept) / eigene Rezepte abspeichern / Geschmack der zubereiteten Rezepte

wenige (62) / etwas knapp / nein / nein / nein / sehr schlecht

Schritt-für-Schritt-Assistent / automatische Koch-Programme

nein / keine

Geeignet für die Spülmaschine / Reinigung der Teile

nein / keine

Bedienungsanleitung

etwas knapp

Sicherheitsfunktionen: Start nur mit Deckel / Start ohne Topf / Meldung bei Fehlbedienung / Überlaufschutz

ja / nicht möglich / Hinweis auf dem Display / nein

Gesamtnote im Vergleichstest

ausreichend 3,90

Das ist keine Wundermaschine

Ausreichend (3,90) – das ist keine Glanzleistung. Während das Design des Geräts ansprechend ist, schwächelt die Severin Küchenmaschine schon bei kleinere Problemen. Viele Arbeitsschritte sind mit James schwieriger oder nerviger im Vergleich zu anderen Geräten. Im Vergleichstest landet die ”Wundermaschine” auf Platz 8 von 10. Da muss Severin nachbessern.

Severin James the Wondermachine

Gerald Sinschek

von

Kochen, Braten, Backen – meine Küche ist mein liebster Hobby- und Arbeitsraum. Dabei gilt: lieber Kuchen als Kekse, lieber Steak als Tofu, lieber Nouvelle Cuisine als molekulares Brimborium. Gegen deftige Hausmannskost spricht überhaupt nichts und „Gourmand“ begreife ich nicht als Schimpfwort.