Wie frisch gedruckt

Das Essen der Zukunft – digital und vegetarisch?

Essenszubereitung kostet Zeit und manchmal auch viel Geld. Das Essen der Zukunft soll günstig sein und auf Knopfdruck auf dem Teller landen.

Datum:
Burger aus dem Drucker

Wer hungrig ist, wählt mit der App seine Lieblingsspeise. Wenig später meldet der Drucker: fertig!

„Mamaaa!!! Druckst du mir Pommes mit Hähnchen? Und dann will ich ein Ü-Ei. In Blau!“ Wenn es nach hippen Food-Konstrukteuren in den Denkfabriken rund um den Globus geht, muss sich bald niemand mehr beim Breikochen, Gemüseputzen oder Schnitzelpanieren die Hände schmutzig machen. Vorbei sind dann die Zeiten der sinnlich-haptischen oder sogar meditativen Koch- und Küchenexperimente mit Geschnipsel und Topfgeschepper. Das Essen der Zukunft soll technisch-vegetarisch werden.

Koch-Automaten

Essenszubereitung geschieht in Zukunft via App mit einer zarten Berührung des kapazitiven Displays auf Smartphone oder Tablet. Oder per Gedankenübertragung. Sofort sirrt dann ein großer Apparat mit vielerlei gefriergetrockneten, pulvrig-gemahlenen und flüssigen Zutaten in zahllosen großen Behältern los; wenige Sekunden später haben Spritzdüsen die individuelle Mahlzeit gedruckt. Warm oder kalt und in der Lieblingsfarbe oder -form, versteht sich.
Gegen Zeitgewinn, Ressourcenschonung und auf Knopfdruck individuell perfekt ausgewogene Ernährung hat bestimmt niemand etwas einzuwenden. Und neue, oder besser gesagt: aus anderen Kulturen adaptierte Eiweißquellen fordern höchstens die alt eingefahrenen Essgewohnheiten heraus. Wie wäre es auf Ihrem Teller mit einem leckeren Smoothie aus exotischer Entengrütze oder knusprigen Keksen aus Grillenmehl?

Galerie: Aus dem Drucker und aus Insekten: Das Essen der Zukunft

Entengrütze-Drink

Der Traum mancher Entwickler ist zum Beispiel, ein „Khai-Nam“ genanntes Wassergemüse direkt in der Küche in einem größeren Behälter mit Häckselwerk zu züchten, an dessen unterem Ende gleich der Zapfhahn eingebaut ist. Auf Knopfdruck sprudelt dann der nahrhafte (grüne) Eiweißdrink ins Glas. Bei den Grillenmehl-Keksen ist nach Zucht, Röst- und Mahlvorgang der Krabbeltiere immerhin noch ordentliche Backkunst im Spiel.
Anderswo sind solche Nahrungsbestandteile ganz normaler Alltagssnack. Die Idee dahinter ist die Suche nach Alternativen zu tierischem Eiweiß aus Fleisch von Rindern und Schweinen oder Milchprodukten. In 35 Jahren leben nach Schätzungen zwei Milliarden Menschen mehr auf der Welt. Und deren Fleisch- beziehungsweise Eiweißhunger will gestillt werden. Der umweltverträgliche Ausbau von Weideflächen und der damit verbundene Futtermittelverbrauch, die Methangas- und CO2-Erzeugung haben schon heute Grenzen überschritten. Endlos lässt sich dieses Prinzip wohl nicht ausdehnen.

Das Laborsteak

Neben der Verarbeitung natürlicher Eiweißquellen bei gleichzeitiger Reduzierung des Fleischverbrauches sind also Ideen gefragt. Bis allerdings das aus Rinder-Stammzellen gezüchtete Steak aus der Petrischale oder das Hühnerei aus pflanzlichen Zutaten ihren Platz auf dem Teller erobert haben, vergeht bestimmt eine Menge Zeit.
Realistischer ist da die Verbreitung von Maschinen wie „The Genie“, die in Sekunden aus gefriergetrockneten Zutaten unter Zugabe von heißem Wasser eine vollwertige Mahlzeit serviert. Und wenn Teller und Gabel dann auch noch nach jedem Bissen genau vermelden, welche und wie viele Nährstoffe und Kalorien auf dem Weg in den Magen sind, ist theoretisch sogar ein digitaler Schutz vor Übergewicht eingebaut.
Gerald Sinschek

von

Kochen, Braten, Backen – meine Küche ist mein liebster Hobby- und Arbeitsraum. Dabei gilt: lieber Kuchen als Kekse, lieber Steak als Tofu, lieber Nouvelle Cuisine als molekulares Brimborium. Gegen deftige Hausmannskost spricht überhaupt nichts und „Gourmand“ begreife ich nicht als Schimpfwort.

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.