Krampf um den Umweltschutz – Teil III

Kaffeekapseln gegen das Wegschütten von Kaffee

Jeder kennt es, keiner will es gewesen sein: Wenn wir Kaffeereste wegschütten, tun wir der Umwelt keinen Gefallen. Warum ist das so und was haben Kapseln damit zu tun?

Datum:
Wir kippen Kaffee weg

Kaffee wird weggekippt, das schadet der Umwelt.

Fakt ist: Kaffeekapseln aus Aluminium stehen vehement in der Kritik. Das Aluminium sei schlichtweg ein unnötiger Luxus, der sowohl beim Abbau des Rohstoffs, bei der Herstellung, aber auch bei der Entsorgung die Umwelt belastet.
Wir haben uns damit ausführlich in „Kaffeekapsel-Heuchelei: Die schockierende Umweltwahrheit“ und „Kaffeekapsel-Heuchelei – was die Leser sagen“ beschäftigt. Die Kritiker haben sich vehement hineingebohrt, woran man deutlich merkt, wie emotional es zugeht und dass den lieben Kapseln der Garaus gemacht werden soll. Doch die Kritiker haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Alu = Böse?

Gerade bei der Zusammenfassung der Lesermeinungen wird sehr deutlich, dass uns Konsumenten fast nichts anderes übrig bleibt, denn simple Formeln anzuwenden: „Alu gleich Böse gleich Doof.“ Es ist dann im Grunde egal, ob man auf Studien verweist, die den Finger sehr deutlich auf die größte Umweltwunde legen, die durch den exzessiv hohen Kaffeekonsum auch in Deutschland überhaupt erst aufgerissen wurde. Der nun einmal der Primärgrund Nr. 1 für die extremen Umweltbelastungen in den erzeugenden Ländern ist. Das will niemand so recht wahr haben. Also muss es eben das Alu sein? „Nicht ich, sondern das und die da.

Geht-super- versus Geht-so- versus Geht-so-bisschen-Umweltschützer

An sich ist diese Haltung kein Wunder. Wie kann ein schöner, bewusster, von fair eingekauften Bohnen erzeugter Genuss umweltschädigend sein? Dies würde bedeuten, dass man nicht nur bei Kaffee von der Herstellung, der Verarbeitung, über den Transport bis hin zu diversen Trinkarten die gesamte Öko-Auswirkungs-Kette vor Augen haben müsste. Um zu wissen, ob man nun der Umwelt etwas richtig Gutes, weniger Gutes, „geht so“-Gutes oder „gar nicht so“-Gutes tut?
Einer alleine packt das nicht einmal ansatzweise, den Überblick zu bewahren (er kann nur maximal simplifizieren). Die EU hat erst kürzlich ein hochkomplexes Projekt gestartet, um von diversen Konsumgütern einigermaßen, wenn überhaupt, irgendwie, so gut es geht Öko-Footprints einschätzen zu können (ich habe mich durch die Wikis durchgefräst und dachte, ich lerne schon wieder für das Examen, Abertausende von Seiten waren es). Eine Mammut-Aufgabe der EU.
Von uns Konsumenten fordert man aber die totale Informationsoberhoheit! Jeder zerrt und zieht an uns, jeder will natürlich nur das Beste für die Umwelt und für seinen Spendenbeutel. Ob Umweltuntergangspropheten oder die Verweigerer des Klimawandels, jeder meint, es am besten zu wissen. Jeder will uns seine Wahrheit weismachen. Weiß nur keiner so genau, wie man der Wahrheit in die Augen schauen will. Die EU fängt erst damit an, Öko-Footprints zu erstellen. Weil es die eben noch nicht gab, auch nicht beim Kaffeeanbau. Ups! Woher soll man denn nun wissen, ob man zur Super-Super-Umwelt, Geht-Super-, Geht-so-, Geht-so-bisschen-Umweltgruppe gehört? Es ist eine Meinung, eine Haltung, fundiert ist das nicht. Womöglich ist es so. Testen wir also, was wir so drauf haben. Wenn es um Fragen des Umweltschutzes geht. Eine ganz simple Sache eigentlich. Lassen Sie uns Kaffee wegschütten!

Wieso schütten wir Kaffee weg? Weil wir es können!

Sagen wir es so: Wenn der Konsument alles und jedes unter umwelttechnischen Aspekten einkalkulieren möchte, dürfte er nicht einmal mehr außer Haus gehen, bevor er nicht komplett informiert ist. Bis dahin ist er verhungert und verdurstet. Verdeutlichen wir das an einem simplen Beispiel. Stellen wir uns die Frage – die Kritiker ulkigerweise verneinen – wie viel aufgebrühter Kaffee ungetrunken weggeschüttet wird?
Das Problem, was maschinelle Brühverfahren haben, tritt bei Portionskaffee nicht auf. Die Menge an aufgebrühtem Kaffee wird in Büros erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen aus der Thermoskanne ausgetrunken. „Meeting, vier Personen, Kaffee und Kekse“, so lautet die typische Bestellung für den Caterer. Der stellt in der Regel eine bis zwei Kannen Kaffee hin. Wer nach einem Meeting genauer hinschaut, wird womöglich die nicht ausgetrunkenen Kaffeetassen bemerken. Wenn er sich denn jemals dafür interessiert hat. Oder hat schon irgendjemand jemals das Kommando gehört: „Wer den Kaffee nicht austrinkt, verlässt den Raum nicht!“? So kommt nicht leergetrunkener Kaffee aus den Kannen und den Tassen zusammen.
Na und? Nun ja, wir wissen, dass rund 5 % an Kaffeekonsum via Kapselzubereitung durch die Kehlen fließt. 8 % werden über die andere Portionierungsmethodik zubereitet (Pads). Bei Portionierungsmaschinen – wozu dann aber auch die Kaffeevollautomaten gehören – besteht nur das Kaffeetassen-Resteproblem. Alu + Kaffeereste verschlechtern die Umweltbilanz. Allerdings gibt es eben noch Maschinen wie die typischen Filterkaffeemaschinen. Die stehen in 62 % aller deutschen Haushalte. Dort treffen wir auf das Problem der Kaffeereste in Kannen und Tassen, also zwei Problemzonen anstelle einer. Aber ja, doch, wir haben natürlich diejenigen vergessen, die ihre Bohnen einzeln abzählen, jedes Milligramm dosieren und den Kaffee Tröpfchen für Schlückchen genießen. Übrigens, je heißer der Kaffee, je langsamer man trinkt, umso mehr verdunstet der Kaffee aus der Tasse. Wegschütter! Spaß beiseite. Jetzt wird es ernst!
Wir haben uns umgehört und hierzu eine kleine Umfrage gestartet. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. 34 % gaben an, dass Kaffeereste in der Kanne übrig bleiben. 40 % gaben an, dass Reste in der Tasse verbleiben. Da es sich um keine repräsentative Umfrage handelt, kann man von reinem Zufall ausgehen und behaupten, niemand schütte Kaffee weg. Klingt sehr weltfremd? Ist es auch.

Na und, und nun?

Kamen Sie noch mit? Es ging nur um das bisschen Wegschütten. Mit einigen wenigen Parametern, die es zu berücksichtigen gilt. Knapp an die 10, oder sagen wir 20? Rechnen Sie mir nun einfach aus, wie groß die Auswirkungen der Kaffeewegschütter auf die gesamte Ökobilanz sind. Rechnen Sie aus, wie viele Millionen an Hektar Anbauflächen wir einsparen könnten, wenn wir Kaffee nicht mehr verschwenden. Und berechnen Sie die Auswirkungen der Wegschütt-Quoten von den nicht portionierbaren Trinkarten im Vergleich zum portionierbaren Kapselkaffee. Verschiebt sich da etwas?
Ach was, das interessiert Sie nicht? Ist Ihnen viel zu komplex? Wollen wir nicht doch bei Kaffeekapseln bleiben? Das mit dem Alu, das klingt schöner. Böser. Irgendwie. Alu doof, Kaffee gut.
Wie war das in einer Sparkassen-Werbung? „Wir machen das mit den Alu-Fähnchen.
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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