Wie fair ist das wirklich?

Fairtrade: Wie verlässlich ist das Siegel?

Das steigende Umweltbewusstsein der Verbraucher lässt die Kölner Initiative Fairtrade boomen. Sie wirbt mit fairen Bezahlungen aller am Produkt beteiligter Dienstleister. Doch wie verlässlich ist das aufgedruckte Siegel eigentlich?

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Fairtrade

Das in auffälligem grün und blau designte Fairtrade-Logo ist gut sichtbar an den Produkten angebracht.

Es klingt so simpel: Befindet sich das auffällige Fairtrade-Gütesiegel auf einem Lebensmittel, kann der Verbraucher bedenkenlos zugreifen. Denn Fairtrade, das bedeutet „fair gehandelt“. Niedriglöhne und Kinderarbeit sollen dank dieser Initiative schon bald der Vergangenheit angehören. Jeder, der an einem Produkt beteiligt ist, bekommt den Lohn, der ihm zusteht. Mittlerweile arbeiten weltweit über 1200 verschiedene Produzentenorganisationen nach den Standards des fairen Handels. Zu diesen gehört nicht nur der finanzielle Respekt gegenüber den Dienstleistern sowie die Einhaltung der Menschenrechte, sondern auch die Transparenz für den Kunden. Ist ein Produkt mit dem Fairtrade-Siegel versehen, geht der Verbraucher automatisch davon aus, dass es die Fairtrade-Anforderungen erfüllt. Doch tun das tatsächlich alle Produkte mit dem Gütesiegel?

Welche Produkte werden Fair Trade gehandelt?

Das Fairtrade-Modell fand seinen Anfang in der Landwirtschaft. Güter, die aus Entwicklungsländern in Industrieländer exportiert wurden, waren von der ungleichmäßigen Verteilung der Erträge besonders betroffen. Entsprechend wurde Kaffee zu einem der ersten, fair gehandelten Produkte der Welt. Aber auch exotische Obst- und Gemüsesorten, Zucker, Nüsse, Honig und besonders Schokolade gehören aktuell zu den wichtigsten Fairtrade-Produkten. Darüber hinaus gibt es seit 1998 auch ein eigenes Label für fair gehandelte Schnittblumen, das sogenannte Flowerlabel (FLP). Mittlerweile hat sich der Fairtrade-Handel auch auf Handwerksbereiche ausgeweitet. Das Gütesiegel Rugmark garantiert faire Arbeitsbedingungen bei der Teppichherstellung. Doch auch Kleidung, Fußbälle, Computer, Erdöl oder sogar Diamanten werden zunehmend von der Fairtrade-Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) berücksichtigt und von einzelnen Organisationen betreut. Jüngster Neuzugang ist die Fairphone-Initiative.
fairphone

Auch Smartphones gibt es heute bereits in fair.

Die holländische Firma stellt nach gängigen Fairtrade-Normen Mobiltelefone her, um damit ein Zeichen gegen die unmenschlichen Herstellungsbedingungen der Firma Foxconn zu setzen, die schon vielfach in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist.

Ab wann ist fair Fairtrade?

Fairtrade Labelling Organizations International ist die Organisation, unter der sämtliche Fairhandelsorganisationen zusammengeschlossen sind. Sie alle überprüfen regelmäßig, ob die einzuhaltenden Arbeitsbestimmungen erfüllt werden. Diese sind notwendig, um das begehrte Fairtrade-Gütesiegel zu erhalten. So ist das Zurückgreifen auf Kinder- und Zwangsarbeit sowie Sklaverei ebenso verboten wie jedwede Art der Diskriminierung. Auch Umweltstandards sind einzuhalten, nach denen der Gebrauch von Pestiziden und Chemikalien nur sehr eingeschränkt erlaubt ist. Gentechnik ist (noch) verboten. Schließlich sorgen die Organisationen dafür, dass den Handwerkern, Bauern und anderen Arbeitskräften ein fester Mindestpreis ausgezahlt wird, der die Kosten einer nachhaltigen Produktion deckt. Für biologisch angebaute Produkte gibt es Zuschläge. Um die regelmäßige Kontrolle dieser Standards zu gewährleisten, hilft es, dass die Produzentenorganisationen gleichberechtigte Teilhaber am Fairtrade-System sind. So können die Produzenten den fairen Handel selbst mitgestalten und beeinflussen.

Wo ist der Haken?

Obwohl das Fairtrade-Modell von vielen Seiten Unterstützung erhält, muss sich die Organisation auch immer wieder Kritik gefallen lassen. Auf die Einhaltung der Standards wird penibel geachtet, sodass wirklich nur jene Produkte ein Gütesiegel erhalten, die ihre Produkte nach den Fairhandelsvorgaben herstellen. Doch durch die große Anzahl an Gütesiegeln und der gesetzlich unklaren Definition des Fairtrade-Begriffes fühlen sich viele Verbraucher unsicher. Da jedes Siegel unterschiedliche Qualitätsmerkmale besitzt, ist der Begriff „Fairer Handel“ häufig eine Frage der Definition. Immerhin lassen sich mittlerweile immer mehr Organisationen in die Karten schauen. Das Internet gibt Aufschluss über die einzelnen Prüfverfahren der verschiedenen Fairtrade-Modelle.

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