Augen auf beim Fischkauf

Was steckt hinter dem MSC-Siegel bei Fischprodukten?

Viele Fischbestände in den Weltmeeren sind an der absoluten Nutzungsgrenze – oder haben diese bereits überschritten. Bringt eine Zertifizierung wie das MSC-Siegel Sicherheit beim Einkauf?

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gemischtes Fischangebot MSC

Ein üppiges Fischangebot wird vom Kunden erwartet. Unter welchen Bedingungen der Fisch gefangen wurde, ist aber oft ungewiss. Das MSC-Siegel soll helfen.

Weltweit steigt der Lebensstandard und damit die Nachfrage nach Proteinquellen tierischen Ursprungs. Fleisch von Schweinen, Rindern und Geflügel wird schon längst nach industriellen Maßstäben in gigantischen Mengen produziert. Zunehmend stammen auch Fisch und anderes Meeresgetier aus Zuchtbetrieben in künstlichem oder natürlichem Umfeld. Doch die fast unvorstellbare Menge von etwa 90 Millionen Tonnen Fischen pro Jahr wird nach wie vor mit riesigen Netzen oder kilometerlangen Hakenleinen direkt als Wildfang aus dem Meer gezogen. Und das vor dem Hintergrund, dass rund 90 Prozent der weltweiten Fischbestände als maximal befischt oder sogar bereits als überfischt gelten, wie der MSC (Marine Stewardship Council) meldet.

Nach welchen Kriterien vergibt der MSC sein Label?

Seit der Gründung 1997 versucht der MSC Lösungen für das globale Problem der Überfischung der Weltmeere zu finden. Ursprünglich ins Leben gerufen von der Umweltorganisation WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever, ist der MSC seit 1999 eine eigenständige und gemeinnützige Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, nachhaltige Fischerei mit verschiedenen nationalen Partnern zu prüfen und zu zertifizieren. Wer die Kriterien weitgehend erfüllt, darf seine frischen oder tiefgefrorenen Produkte mit dem MSC-Siegel, einem stilisierten, weißen Fisch auf blauem Grund, kennzeichnen. Das soll für die Verbraucher unter anderem bedeuten:
- dass der Fischbestand in gutem Zustand ist
- dass der Lebensraum Meer (Korallen, Tangwiesen und andere empfindliche Strukturen) mit der jeweiligen Fangmethode weitgehend geschont wird
- dass das Management der Fischereibetriebe z.B. Schonzeiten einhält, gegebenenfalls die Fangflotte reduziert, und insgesamt auf eine nachhaltige Nutzung der Bestände ausgerichtet ist.

Galerie: Was steckt hinter dem MSC-Siegel bei Fischprodukten?

Wie wird das MSC-Label eingeschätzt?

Der Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher „Die Verbraucher Initiative e.V.“, der unter anderem durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird, bewertet den MSC auf seiner Seite label-online.de positiv. Das Siegel ist seiner Meinung nach hinsichtlich Anspruch, Unabhängigkeit, Kontrolle und Transparenz besonders empfehlenswert.
Greenpeace hingegen sieht neben den unbestreitbaren Stärken durchaus Schwächen im Konzept. So hält die große Umweltorganisation manche Standards und Zertifizierungsanleitungen für schwach oder unklar formuliert. Nach Meinung von Greenpeace ermöglicht das Siegel zertifizierten Fischereien z.B. ungesunde und ausgezehrte Bestände zu befischen und hohen Beifang zu tolerieren.
Der WWF indes erkennt grundsätzlich nachhaltigen Fischfang und schonenden Umgang mit den Beständen der Fischereien mit MSC-Siegel. Die Ermessensspielräume der Zertifizierer sind aber nach Ansicht des WWF teilweise zu groß, so dass manche Bewertung stark kritisiert wird. Aktuell konnte der WWF seinen Einspruch gegen eine zu positiv ausgelegte Thunfisch-Zertifizierung durch ein Gericht bestätigen lassen.

Wie viel ist zertifiziert?

Momentan sind lediglich rund 10% der Wildfänge nach MSC zertifiziert. Der Großteil der weltweiten Fänge unterliegt, wenn überhaupt, nationalen Fangbestimmungen, die oft einen großen Spielraum gewähren und häufig eher politischen und wirtschaftlichen Zwängen als dem Ziel der nachhaltigen Fischerei unterliegen. Letztlich muss angesichts vieler gefährdeter Bestände und genereller Überfischung jeder seinen Verbrauch und sein Einkaufsverhalten im Supermarkt oder am Markttresen überdenken. Eine Reduzierung des persönlichen Konsums auf ein Fischgericht (aus nachhaltiger Fischerei) pro Woche würde schon viel helfen.
Gerald Sinschek

von

Kochen, Braten, Backen – meine Küche ist mein liebster Hobby- und Arbeitsraum. Dabei gilt: lieber Kuchen als Kekse, lieber Steak als Tofu, lieber Nouvelle Cuisine als molekulares Brimborium. Gegen deftige Hausmannskost spricht überhaupt nichts und „Gourmand“ begreife ich nicht als Schimpfwort.

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