Schnell und billig oder nachhaltig und gesund?

Ernährungsreport 2017: So isst Deutschland

Der Ernährungsreport für 2017 verrät, was die Deutschen am liebsten essen, worauf es ihnen ankommt und was sie von Superfood, fleischloser und veganer Ernährung halten.

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Ernährungsreport 2017: So isst Deutschland

Was ist das liebste Essen der Deutschen? Das BMEL hat es herausgefunden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat den jährlichen Ernährungsreport für 2017 veröffentlicht. Befragt wurden rund 1.000 Bundesbürger ab 14 Jahren. 2016 war Superfood in aller Munde, zumindest in der Berichterstattung. Auch wir haben über Power-Lebensmittel wie Quinoa, Chia-Samen und Acai berichtet. Die Mehrheit der Deutschen denkt allerdings, dass es sich bei Superfood nur um einen kurzfristigen Trend handelt. 51 Prozent der Befragten glaubten, dass die neuen Nahrungsmittel bald wieder aus den Regalen der Supermärkte verschwinden. Nur 21 Prozent glaubten, dass sie langfristig im Angebot bleiben werden. Falls Sie den Begriff noch nicht kennen, lesen Sie unseren Superfood-Ratgeber. Immerhin glauben mittlerweile über 70 Prozent der Bundesbürger, dass vegane und glutenfreie Lebensmittel dauerhaft im Angebot bleiben. Bei laktosefreien Produkten sind es sogar über 80 Prozent.

Gesund? Ja, aber Hautsache es schmeckt!

Trotz der Skepsis bei Superfood, die Deutschen legen Wert auf eine gesunde Ernährung. 89 Prozent der Befragten gaben an, dass Essen gesund sein soll. Es war die zweithäufigste Antwort zum diesem Thema. Nur der Geschmack ist den Deutschen noch wichtiger. 99 Prozent legen Wert auf eine genussvolle Mahlzeit. Fast alle. Kein Wunder, dass es rein funktionelle Ernährung wie Huel schwer hat.

Lieblingsgericht: Kartoffel

Die Kartoffel liegt ganz vorne beim Genuss. Als einziges Gemüse wurde sie separat angegeben. Für 14 Prozent der Deutschen ist sie das liebste Gericht, egal wie sie zubereitet wurde.

Galerie: So vielfältig – die Kartoffel als Beilage

Essen in der Schule

Wie wichtig den Deutschen eine gesunde Ernährung ist, zeigen auch weitere Statistiken. So wünschen sich 90 Prozent der Befragten verbindliche Qualitätsstandards für das Essen in Schulen und Kitas. Für Bio-Schulessen würden 67 Prozent der Befragten sogar mehr bezahlen. Zudem sind sich 89 Prozent der Deutschen einig, dass Kinder bereits in der Schule die Grundlagen einer gesunden Ernährung als Schulfach angeboten bekommen sollten. Aufschlussreich hier: Vor allem Befragte mit einer niedrigeren schulischen Ausbildung wünschen sich das Schulfach Ernährung. Dabei ist gesundes Kochen mit Kindern gar nicht so schwer.

Galerie: So gelingt gesundes Kochen mit Kleinkindern

Liebstes Essen der Deutschen: Fleisch

Auch wenn es mittlerweile immer mehr Vegetarier und Veganer gibt, für 53 Prozent bleibt Fleisch die beliebteste Nahrung. 16 Prozent gaben an, eine besondere Vorliebe für Fisch zu haben, 13 Prozent mögen am liebsten Geflügelprodukte. Trotz oder gerade wegen der Vorliebe zu gutem Fleisch wird eine artgerechte Haltung der Tiere immer wichtiger. 87 Prozent der Befragten wünschen sich eine bessere Tierhaltung. Auch die Transparenz bei tierischen Produkten sollte besser sein. Das gaben 82 Prozent an. 88 Prozent würden sogar mehr Geld für Fleisch von artgerechter Tierhaltung zahlen. Im Durchschnitt sind die Deutschen bereit, 13,60 Euro für ein Kilo Fleisch hinzublättern. Dabei ist die jüngere Generation spendabler. 14- bis 18-Jährige würden knapp 15 Euro für ein Kilo ausgeben.
Ernährungsreport 2017: So isst Deutschland

Fleisch in jeglicher Variation ist die Leibspeise für 53 Prozent der Deutschen.

Wenn kochen, dann soll es schnell gehen

Ein trauriger Trend zeichnet sich im Bereich des Kochens ab. Immer mehr Menschen nutzen ihre Küche nicht mehr für ihren eigentlichen Zweck. Nur noch 39 Prozent der Befragten gaben an, täglich zu kochen. Elf Prozent haben den Kochlöffel sogar ganz an den Nagel gehängt. Dabei zeigt sich gerade die Jugend sehr ambivalent. Wenn die 14- bis 18-Jährigen der Kochlust frönen, dann tun 89 Prozent dies mit Begeisterung. Allerdings gaben auch 27 Prozent an, normalerweise überhaupt nicht zu kochen. Vielleicht weckt der Ratgeber über einfaches und schnelles Kochen die Lust.
Apropos schnelles Kochen: Auch das wird immer mehr Deutschen wichtig. Wenn in deutschen Küchen gekocht wird, muss es schnell gehen. 55 Prozent legen Wert auf eine schnelle und einfache Zubereitung. Besonders die 19- bis 29-Jährigen haben keine Zeit zu verlieren. Hier muss das Kochen bei 72 Prozent flott gehen. Auch Frauen achten beim Kochen mehr auf Zeit und Einfachheit. Für 63 Prozent des weiblichen Geschlechts ist eine einfache Zubereitung wichtig. Bei den Männern sind es 46 Prozent.
Ernährungsreport 2017: So isst Deutschland

Schnell muss es für viele Deutsche sein. Da greifen 41 Prozent auch gerne mal zur Tiefkühlpizza.

Auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist der komplette Ernährungsreport 2017 als PDF einsehbar.

Bücher zum Thema nachhaltige Ernährung

Alexander Scherb

von

Technik, Lifestyle und Natur sind meine Leidenschaften. Am besten in Kombination.