Hui oder pfui?

Milben im Käse: Ist das lecker oder kann das weg?

Im Bett oder Teppich sind Milben keine gern gesehenen Gäste. Das sieht beim Würchwitzer Milbenkäse ganz anders aus. Hier sind sie ein wichtiger Bestandteil der Reifung.

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Milben im Käse: Ist das Lecker oder kann das weg?

Milben im Käse sind nicht für jeden was, gelten unter Kennern aber als Delikatesse.

Seit über 500 Jahren gibt es schon den Würchwitzer Milbenkäse. Im Mittelalter war der Milbenbefall im Käse ein durchaus ernstzunehmendes Problem bei der Reifung. Die findigen Würchwitzer machten schnell aus der Not eine Tugend und banden die kleinen Spinnentiere kurzerhand in den Reifeprozess ihres Käses ein. Ein gewitzter und erfolgreicher Trick, denn bis heute zählt der Würchwitzer Milbenkäse zu den teuersten und edelsten Käsesorten Deutschlands.

Da bewegt sich was

Egal ob Schimmel oder Bakterien, man findet so allerhand Zeug im Käse. Dabei ist klar: Je mehr (Kleinst-)Lebewesen an der Produktion eines Käses beteiligt sind, desto teurer wird er. Der Würchwitzer Milbenkäse bildet dabei keine Ausnahme. Eine handgroße Rolle kostet online 8,99 Euro. Herzhaft und kräftig, wird er für seine fruchtige, an Zitrone erinnernde Note sehr geschätzt. Und obwohl der Würchwitzer Milbenkäse schon so lange existiert, hat sich noch keiner Gedanken darüber gemacht, woher dieses einzigartige Aroma stammt. Bis jetzt. Denn vor Kurzem hat die Technische Universität Darmstadt den unkonventionellen Käse untersucht und das Geheimnis entschlüsselt.
Milben im Käse: Ist das Lecker oder kann das weg?

Dr. Michael Heethoff von der TU Darmstadt untersucht die von Milben besiedelte Käserinde.

Heraus kam eine erstaunliche Erkenntnis. Bei Gefahr schütten die Milben ein Abwehrsekret aus, welches den Stoff Neral beinhaltet. Dieser ist auch Hauptbestandteil von Zitronenöl. Der fruchtige Geschmack entsteht also erst beim Zerschneiden des Käses, beziehungsweise beim Zerkauen. Bewiesen wurde dies unter anderem durch die Tatsache, dass die säuerliche Note nach dem Abklopfen der Milben nicht vorhanden war. Um das einzigartige Aroma des Würchwitzer Milbenkäses genießen zu können, müssen die kleinen Gliederfüßer also mitgegessen werden.
Übrigens sind die Würchwitzer nicht die Einzigen, die mit Milben ihren Käse versetzen. Auch der Mimolette aus Frankreich reift in Milben. Auch bei ihm konnten die Forscher den Stoff Neral nachweisen. Auf der Internetseite milbenkaese.de finden Sie alle Informationen zu diesem einzigartigen Käse.

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Alles Käse oder was?

Alexander Scherb

von

Technik, Lifestyle und Natur sind meine Leidenschaften. Am besten in Kombination.

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