Der grillt auf Lava

Im Test: Lavastein-Gasgrill Atracto von Landmann

Mit zwei separaten Brennern unter dem Deckel und einem Seitenbrenner lässt sich auf dem Lavastein-Gasgrill „Atracto“ von Landmann grillen und kochen zugleich. eKitchen-Autor Gerald Sinschek hat im Test für sie eingeheizt.

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Lavastein-Gasgrill Atracto von Landmann mit Seitenbrenner

Der gasbetriebene Lavastein-Grill „Atracto“ von Landmann ist ein günstiges Einsteigergerät.

Ein Lavastein-Grill wie der gasbetriebene „Atracto“ (Modell 12442) von Landmann grillt ohne Funkenflug und weitgehend ohne zu rauchen. Damit eignet er sich auch für den Einsatz auf dem Balkon oder in einem besonders sensiblen Nachbarschaftsgefüge.

Ausstattung des Lavasteingrills von Landmann

Der Grill verfügt über zwei Brenner mit Piezozündung à 3,5 kW unter dem mit Sichtfenster, Thermostat und Grillgutablage ausgestatteten Deckel sowie einen dritten mit 2,5 kW, der unter dem angehängten Tisch auf der rechten Seite feuert. Hier können Sie als Ergänzung zum Grillvergnügen Gemüse oder Kartoffeln garen. An der linken Seite des knapp 20 Kilogramm schweren Grills (UVP 209 Euro) ist eine wegklappbare Ablagefläche mit drei Haken für Grillbesteck oder Topflappen angebracht. Auf der unteren Ablage findet die Gasflasche (Propan, Butan oder Gemisch) mit drei, fünf oder 11 Kilo Füllung Platz. 54x36 Zentimeter groß ist der lackierte Rost, unter dem beide Brenner bei Volllast 500 Gramm Gas pro Stunde verfeuern. Der Grill lässt sich mit und ohne Lavasteine nutzen, twin-use nennt der Hersteller das.

Galerie: Heißer Stein: Lavastein-Gasgrill Atracto von Landmann

Geduldsprobe Zusammenbau

Das Paket enthält unzählige Einzelteile wie Muttern, Schrauben verschiedener Längen und Durchmesser, Splinte und Bolzen. Werkzeug ist nicht dabei. Die angegebene Montagezeit von einer Stunde kann ich in etwa einhalten – allerdings ist der Sichtschutz für die Flasche auf dem Untergestell doch auf der falschen, nämlich der Rückseite, gelandet. Egal. Die Lackierung ist ultra-dünn und trotz großer Sorgfalt beim Zusammenbau kann ich nicht verhindern, dass der Oberflächenschutz an mehreren Stellen deutliche Macken bekommt. Da wird es schnell rosten. Die Gesamtkonstruktion wirkt recht filigran.

Grillversuch mit Lavasteinen

Auf dem Edelstahlrost direkt über den Brennern ordne ich die Lavasteine großflächig so an, dass ich an wenigstens einer Stelle die Flammen im Blick habe. So kann ich schnell eingreifen, falls ein Windstoß die Flammen löscht, das Gas aber weiterhin ausströmt. Darüber lege ich den schwarz lackierten Grillrost und gebe bei beiden Brennern für 20 Minuten maximales Feuer. Das ist erforderlich, damit sich die Lavasteine gleichmäßig erhitzen und der Lack am Rost aushärten kann. Nach etwa der Hälfte der Vorwärmzeit beginnen einzelne Lavasteine, hörbar zu zerplatzen, Bruchstücke fliegen umher. Ich schließe vorsichtshalber den Deckel, die Knallerei wiederholt sich zweimal. Das darf nicht sein – eine angefragte Stellungnahme von Landmann zu dem Phänomen ergänzen wir in diesem Artikel, sobald sie verfügbar ist.
Trotzdem lege ich eine Latte Spare-Ribs, zwei Würstchen und ein Nackensteak auf den Grill. Die Hitze verteilt sich gut und reicht aus für knusprige Ergebnisse, ohne die Stücke innen auszutrocknen. Am Rand neben den Steinen ist es deutlich kühler – Mehrzonengrillen sozusagen.
Die Ablage im Deckel lässt sich nur in geöffnetem Zustand als Warmhaltefläche nutzen. Bei geschlossenem Deckel hängt das Grillgut zu dicht über der Flamme und dem anderen Grillgut und gart schnell weiter.
Lavasteine sollten Sie übrigens ein- bis zweimal pro Saison gründlich reinigen oder wenden und freibrennen, damit die immer wieder erhitzten Fettrückstände keine schädlichen Stoffe an das Grillgut abgeben können.

Grillversuch ohne Lavasteine

Für den Test ohne Lavasteine decke ich die Brenner mit dem beiliegenden Blech ab, so kann Fett nicht direkt in die Flammen tropfen. Da ich nur zwei Stücke zubereiten will, zünde ich lediglich einen Brenner auf Vollgas. Die Hitzeentwicklung ist bescheiden, nur direkt über den Flammen erhalten die Steaks einen schmalen Streifen Bräunung. Da muss man viel hin- und herschieben, um ein halbwegs gleichmäßiges Ergebnis zu erhalten. Dann jedoch ist das Fleisch zu gar. Knusprig und medium lässt sich in diesem Versuch nicht realisieren. Schade. Nebenbei koche ich auf dem Seitenbrenner Kartoffeln. Das klappt sehr gut.

Fazit

Mit Lavasteinen funktioniert der große Mehrzonen-Grill gut, wobei das Rätsel der gesprengten Steine noch geklärt werden muss. Auch der Seitenbrenner erfüllt seine Aufgabe tiptop. Für 209 Euro UVP – im Netz sind deutlich günstigere Preise verfügbar – darf man kein Profigerät ohne Fehl und Tadel erwarten. Der dünne Lack und das etwas enttäuschende Ergebnis des Grillversuchs ohne Lavasteine trüben die Freude an dem Gerät.

Update 24.11.2015

Stellungnahme des Produktmanagers von Landmann, Ronald Bosse, zu dem explodierenden Lavagestein:
„Es ist einer von insgesamt drei Fällen abgeplatzter Partikel, die Landmann bei seinen Lavasteingrills bekannt geworden sind. Durch Tests haben Fachleute herausgefunden, dass dieses Phänomen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Restfeuchte des verwendeten Lavasteins zurückzuführen ist.
Das hat zwischenzeitlich auf Nachfrage auch unser ehemaliger Lieferant für den verwendeten Lavastein eingeräumt. Lavastein ist ein Naturmaterial vulkanischen Ursprungs, dessen Materialeigenschaften von Stein zu Stein leicht abweichen können. So lässt sich nicht immer ganz ausschließen, dass einige Lavasteine mehr, einige weniger Feuchtigkeit enthalten als andere. Trotzdem müssen vom Lieferanten natürlich die erforderlichen Parameter zwingend eingehalten werden.
Dass verbleibende Restfeuchte die Ursache ist, bestätigt auch die Tatsache, dass sich der Schaden nur während der ersten Aufheizphase von ca. 30 Minuten reproduzieren ließ; später konnten keine weiteren Absprengungen registriert werden, was sich ja auch mit Ihren eigenen Beobachtungen deckt.
Um keine weiteren Risiken einzugehen, hat Landmann die betroffenen Grills aus der betreffenden Produktionscharge gesperrt. Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Lieferanten wurde eingestellt, und Landmann bedient sich einer anderen Bezugsquelle, bei der von der Einhaltung aller notwendigen Parameter ausgegangen werden kann.”
Gerald Sinschek

von

Kochen, Braten, Backen – meine Küche ist mein liebster Hobby- und Arbeitsraum. Dabei gilt: lieber Kuchen als Kekse, lieber Steak als Tofu, lieber Nouvelle Cuisine als molekulares Brimborium. Gegen deftige Hausmannskost spricht überhaupt nichts und „Gourmand“ begreife ich nicht als Schimpfwort.

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