Online-Fleischhändler

BioFleischKontor im Test: So gut ist der Fleisch-Versand

Immer mehr Menschen wollen Qualitätsfleisch statt Billigsteaks. Der Online-Shop BioFleischKontor hat sich bewussten und fairen Fleischgenuß auf die Fahne geschrieben. Der Test.

Datum:
Jelena Danilov

Gutes Fleisch direkt an die Tür? Das BioFleischKontor macht es möglich.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Das BioFleischKontor macht beim Fleisch alles richtig: Fein gewürzt und von hoher Qualität dürften sich begeisterte Fleischesser hier mehr als zufrieden geben. Auch die Rahmenbedingungen stimmen: Der Bestellvorgang ist einfach, die Mitarbeiter wirken kompetent und freundlich. Das ökologisch vertretbare Verpackungsmaterial hinterlässt auch einen guten Eindruck. Schade nur, dass die Lieferung des Fleischs nur schwer garantiert werden kann: Verschiebungen und Verspätungen trübten im Test den eigentlich positiven Eindruck immens. So ist der Service des BioFleischKontors immer noch wirklich gut, für viele Nutzer dürfte sich der durchwachsene Versand aber als unüberwindbares Problem herausstellen.

Pro

  • Hohe Fleischqualität
  • Große Auswahl
  • Übersichtliche Website
  • Angemessenes Preis-Leistungsverhältnis

Kontra

  • Produkte nicht immer verfügbar
  • Keine Garantie für zeitnahe Lieferung
  • Recht unflexible Lieferzeiten

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Lebensmittelskandale, Shitstorms aufgrund von Billigfleisch und ein zunehmendes Verlangen nach hoher Qualität: Gründe, nur noch hochwertiges Biofleisch zu kaufen, gibt es so einige. Viele Menschen setzen dabei auf den Schlachter um die Ecke, beim Online-Kauf zögern die meisten Nutzer aber immer noch. Zu unsicher wirkt der Versand frischer Lebensmittel, zu unklar ist oftmals die Herkunft der Produkte. Das BioFleischKontor aus Remagen geht mit dem Versprechen an den Start, dass der Versand zuverlässig und schnell vonstatten geht – und natürlich, dass Steak, Wurst & Co. von höchster Qualität sind. Aber stimmt das? Wir haben drei Kollegen (Michael, Torsten und Christoph) dazu verpflichtet, jeweils eines der Fleischpakete der Website zu bestellen – und zu probieren. Kann BioFleischKontor.de überzeugen? Wir verraten, ob es von der Website bishin zum Fleisch auf dem Teller irgendwo hakt, oder ob tatsächlich ein entspannter Genuss ins Haus steht.

Diese BioFleischKontor-Pakete wurden getestet

BioFleischKontor

Torsten hat beim BioFleischKontor das Paket „Martin” bestellt.

Michael entscheidet sich für „Meat Up”: Die Zusammenstellung dieses Grillpakets für 77,90 Euro übernahm der Küchenchef des Kölner Burgerladens Die Fette Kuh. Das Paket kommt auf insgesamt 2,7 Kilogramm Fleisch und ist die größte Box im Test.
  • 4 x Schweinenackensteak Kräuter (je 200 Gramm)
  • 2 x Ribeye-Steak aus dem Entrecôte (je 250 Gramm)
  • 4 x Lammkoteletts (je 180 Ggramm)
  • 5 x Rostbratwurst mit Bärlauch (je 110 Gramm)
Bei Torsten kommt das Grillpaket „Martin” auf den Grill: Auch hier ist Die-Fette-Kuh-Küchenchef Martin Block für den Inhalt des Pakets verantwortlich. Mit 2,5 Kilogramm Fleisch ist diese Variante nur minimal kleiner als das große „Meat Up”. Die geballte Ladung Fleisch bekommt Torsten für 61,90 Euro.
  • 2 x Ribeye-Steak aus dem Entrecôte (je 300 Gramm)
  • 5 x Krakauer-Würstchen (je 100 Gramm)
  • 2 x Bauchfleischscheiben vom Schwein (je 180 Gramm)
  • 4 x BB-Spareribs BBQ vom Schwein (je 250 Gramm)
Christoph wählt mit „Nina“ ein etwas kleineres Paket: „Nina“, benannt nach der Frau des BioFleischKontor-Gründers, ist ein Paket mit einem nicht zu mächtigen Inhalt. Mit einem Kampfgewicht von 1,1 Kilogramm und einem Preis von 52,90 Euro ist es das kleinste und günstigste Paket in unserem Test.
  • 2 x Rinderfilet-Steaks (je 200 Gramm)
  • 2 x Rumpsteak aus dem Roastbeef vom Rind (je 200 Gramm)
  • 10 x Mini-Kräutergriller
BioFleischKontor

So sieht die Website des BioFleischKontors aus.

BioFleischKontor-Website: Wie angenehm ist die Bestellung im Netz?

An der zweisprachigen Webseite gab es im Test grundsätzlich wenig zu beanstanden. Die Seite ist übersichtlich aufgebaut und der Nutzer findet schnell wonach er sucht. Schade: Die per Button auswählbare englische Version der Webseite funktionierte im Test (noch?) nicht. Auch die Informationspolitik stimmt: Der Nutzer wird zu allen Details des Versands stets auf dem Laufenden gehalten. Bezahlen kann man beispielsweise per PayPal. Fraglich ist, ob das Thema Versand noch präsenter, beispielsweise in der oberen Menüleiste, auftauchen sollte, da ein Biofleischhändler hier besonderen Ansprüchen gerecht werden muss. Nach einer technischen Störung im Bestellprozess war es im Test außerdem nicht schwer, die Telefonnummer für Beanstandungen zu finden. Die Ansprechpartner zeigten sich am Telefon sehr freundlich.

Galerie: Fleischversender aus dem TESTBILD-Test

Lieferung: Kommt alles pünktlich?

Die Lieferung bei einem Fleischversand muss sitzen, da hier immer im Hinterkopf bleibt, dass man ein verderbliches Lebensmittel bestellt. Schlecht, wenn man dann nicht genau weiß, wann es geliefert wird. Die Lieferzeiten per DHL sind auf der Website zwischen 18 und 20 Uhr bei 1 bis 3 Werktagen angegeben. Meistens – so die Website – soll die Auslieferung schon am nächsten Tag erfolgen. Wenn man berufstätig ist, ist das Zeitfenster der Lieferung zwischen 18 Uhr und 20 Uhr somit sehr praktisch. Blöd nur, wenn man am Samstag grillen möchte und auf sein Fleisch warten muss, da die Lieferung auch samstags ausschließlich in diesem Zeitfenster stattfindet. Aber wie funktioniert der Versand in der Bestellung? Tatsächlich ist das ein Punkt mit dem das BioFleischKontor noch zu kämpfen hat. So kam es es bei den Bestellungen aller drei Test-Kandidaten zu Verzögerungen und Unstimmigkeiten in der Lieferung. Hier die Schilderungen der Probe-Griller:
Michaels Lieferung: „Ich habe am Mittwoch Abend die Bestellung aufgegeben, damit man die Lieferung am Donnerstag losschicken kann, damit es Freitag Abend da ist und Samstagmittag gegrillt werden kann. Zunächst sah es so aus, als würde mein Plan aufgehen, denn die erste Mail von DHL kündigte die Sendung für den Freitag zwischen 18 Uhr und 20 Uhr an. Was Freitag nicht kam, war das Paket vom Biofleischkontor. Am Samstag sah der Tracking Link auch lange Zeit nicht viel besser aus. So saßen wir also Samstag Nachmittag zur besten Grillzeit da und warteten auf das Fleisch, welches sogar zeitig angekommen wäre, hätte es nicht eine Sonderrunde gedreht, um ins angegebene Zeitfenster zwischen 18 und 20 Uhr zu fallen. Es sorgt natürlich nicht für gute Stimmung, wenn man nicht weiß, ob man noch etwas zu essen bekommt oder ob man noch etwas einkaufen muss. Richtig unangenehm wird es, wenn man die Freunde wieder ausladen – oder sich ein paar Nackensteaks von der Tanke besorgen muss. Im Ergebnis kam das Fleisch am Samstag Abend um 19:50 Uhr und ich habe mich schlecht gelaunt in den dunklen Garten gestellt, um zu grillen.
Lieferung

Die Lieferung hat gedauert: Das Eis ist längst geschmolzen.

Torstens Lieferung: „Bei meiner Online-Bestellung gab es ein kleines technisches Problem mit meiner Bestellbestätigung per E-Mail. Ich rief dort an, man konnte mir sofort helfen und schickte mir per E-Mail dann eine Bestellbestätigung zu. In dieser E-Mail stand dann aber noch, dass die Spareribs, die zu meiner Bestellung gehörten, nicht sofort lieferbar seien. Mir wurde mitgeteilt, dass somit das gesamte Paket nicht am Tag meiner Bestellung am Donnerstag den 22.03., sondern erst in der dann kommenden Woche am Dienstag den 27.03. versandt wird. Das gefiel mir nicht so besonders. Das Paket kam dann am Donnerstag den 29.03. mit DHL per Abendlieferung (18:10) bei uns an.
Fleisch auf der Wage

Mehr als versprochen: großzügig geschnittene Stücke Fleisch.

Christophs Lieferung: „Bei der Bestellung ist die Angabe einer Telefonnummer obligatorisch. Prompt klingelt am nächsten Tag das Telefon. Das gute Wetter ließ die Nachfrage explodieren, meine Lieferung muss wegen Steak-Mangels warten. Das Telefonat war äußerst freundlich und hinterließ das gute Gefühl, mit dem Fleischer selbst und nicht mit einem Callcenter telefoniert zu haben. Das bestellte Paket soll nun eine Woche später kommen, eine schriftliche Bestätigung folgt per Mail. Eine Woche später trifft am Donnerstag die Benachrichtigung ein: Das Paket wurde am Mittag vom BioFleischKontor an DHL übergeben. Kurz darauf eine zweite Mail, das Paket kommt am Freitag zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr an. Am Freitag um 20:00 Uhr folgt die Ernüchterung: kein DHL, kein Fleisch. Laut Sendungsverfolgung ist das Fleischpaket irgendwo zwischen Neuwied und Billbrook. Samstag volles Risiko: Wir kaufen auf dem Wochenmarkt Gemüse und Salat aber kein Fleisch, keinen Fisch – voller Optimismus, dass das Fleischpaket noch kommt. Samstag um 16:05 Uhr dann die Mail von DHL: Das Paket wird heute zwischen 18:00 Uhr und 20:00 zugestellt. Haben wir Groundhog-Day? Dann keimt Hoffnung auf: Eine SMS von DHL! Voraussichtlich zwischen 18:40 und 19:10 Uhr. Das klingt gut. Und tatsächlich: Am Samstag um 19:14 Uhr klingelt die Tür. Der arme DHL-Bote kämpft sich in den fünften Stock, das Paket ist da!
Verpackung BioFleischKontor

Das Verpackungsmaterial ist ökologisch. Es bleibt aber dennoch viel Müll.

Verpackung: Überzeugt die BioFleischKontor-Verpackung?

Gerade bei tierischen Produkten ist eine konstante und verlässliche Kühlung unerlässlich. Eine Herausforderung ohne Kühlkette. Das BioFleischKontor legt Wert darauf, keine TK-Ware zu verschicken. Zu dem Gedanken der Nachhaltigkeit und Qualität gehört auch, dass man nicht pfundweise Plastik und/oder Styropor verschickt. Die Lösung findet das BioFleischKontor in Trinkwasserkühlpacks und zahlreichen in Folie eingeschweißten Strohmatten zur Isolierung, die eine Biotonne schnell zur Hälfte füllen dürften. Das Fleisch selbst ist auch recht schmucklos aber funktional vakuumverpackt. Der Verpackungsaufwand – und sei er noch so umweltverträglich – hat bei den Testern einen ungewollten Beigeschmack. Beim lokalen Fleischer entsteht weniger Abfall, es könnte aber auch deutlich schlimmer sein. Immerhin: Trotz bei Ankunft längst geschmolzener Pakete, ist die Kühlung zumindest an kälteren Tagen gewährleistet. Test-Experte Christoph misst bei der Ankunft an einem eher kühlen Frühlingstag eine Fleischtemperatur von etwa 8 Grad Celsius. Ob das im Hochsommer auch noch so gut gegangen wäre?

Es geht um die Wurst: So schmeckt das Fleisch

Fleisch online bestellen

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Das BioFleischKontor liefert hohe Qualität.

Geschmack ist subjektiv, das ist klar. Das Urteil unserer Test-Experten war im Test an dieser Stelle aber durch die Bank positiv. Denn auch wenn das Fleisch zum Teil durch den Transport und die Verpackung etwas aus der Form geraten ist: Der erste Eindruck hat alle drei Fleisch-Fans schnell überzeugt. Haptik und Geruch wurden ausnahmslos als einwandfrei bewertet und auch das im Online-Shop versprochene Gewicht pro Steak hält das BioFleischKontor ohne Probleme ein. Auch das Verhältnis von Fett und Muskelfleisch fällt positiv ins Auge. Hier kommt tatsächlich ein hochwertiges Stück Tier auf den Grill. Einige Produkte sind bereits (vieleicht sogar etwas zu) fein vorgewürzt. Der Verdacht einer Überwürzung bestätigt sich zumindest nicht, es fehlt nur noch eine Prise Salz und Pfeffer, um das eigene Aroma zu unterstreichen. Das BioFleischKontor präsentiert das Fleisch wie sich selbst: mit angenehm wenig Schickimicki. Die Würste & Co. sind geschmacklich stark, das passt. Lediglich der Schnitt des Fleisches hätte hier und da (zum Beispiel beim Rumpsteak oder beim Entrecôte) für unsere Tester etwas dicker sein dürfen.
Steak

Auch Fleisch-Fans mit hohen Ansprüchen kommen hier auf ihre Kosten.

Für wen ist das BioFleischKontor?

Die Preise des BioFleischKontors sind indiskutabel: Hier geht es schließlich um Tiere, die vergleichsweise tiergerecht gehalten wurden. Dass hier keine Discounterpreise angemessen sind, dürfte dementsprechend nicht überraschen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass man als Kunde ein paar Euro in die Hand nehmen muss, um hier das Fleisch für eine Grill-Party zusammenzustellen. Das BioFleischKontor ist also durchaus eher für Enthusiasten, denen Qualität auch etwas wert ist. Problematisch ist es, wenn man als Kunde einen Bio-Schlachter in der Nähe hat: Wieso sollte man die Lieferschwierigkeiten in Kauf nehmen, wenn der Schlachter die direkte Beratung und sofortige Verfügbarkeit garantiert – und das zu ähnlichen Preisen. Ist die Dichte an Qualitäts-Schlachtern eher niedrig, wirkt die Bestellung beim Online-Lieferdienst verlockend. Gerade dann ist es nur besonders ärgerlich, wenn die versprochenen Versandtermine nicht eingehalten werden – und die Party ohne angemessene Ausweichmöglichkeit ins Wasser fällt. Wer etwas flexibler ist, dürfte an diesem Versand aber durchaus seine Freude haben.

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