Revolution in der Küche?

Miele Dialoggarer: Das ist der Wunderofen im Praxis-Test

Die Ankündigung des Miele Dialoggarer brachte die Welt der Küchenelektronik zum Beben. Der Praxis-Test zeigt, ob der Hype gerechtfertigt ist.

Datum:
Dialoggarer

Mit dem Dialoggarer will Miele die Küche revolutionieren.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Der Miele Dialoggarer ist einmalig – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Küchengerät wie dieses gibt es auf dem Markt sonst nicht. Miele hat eine neue Produktkategorie erfunden, die vielseitig und voller Potenzial ist. Die unvermeidbare Lernkurve verhindert anfänglich zwar ein problemloses Draufloskochen, der Spaß an den Multikomponentengerichten und den technischen Spielereien, die mit dem Miele Dialoggarer möglich sind, macht den nicht unbedingt einfachen Einstieg sofort wieder wett. Fast alle Aspekte dieses Wunderofens überzeugen auf ganzer Linie. Der Dialoggarer ist ohne Zweifel ein Premium-Gerät für absolute Enthusiasten – diese dürften mit M Chef, elektromagnetischen Wellen & Co. eindeutig ihren Spaß haben.

Pro

  • Produktkategoriedefinierende Innovation
  • Überzeugendes „M Chef”-Konzept
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Vielseitige Einsatzgebiete

Kontra

  • Nicht unbedingt leichter Einstieg
  • Limitierte Kombinationsmöglichkeiten

Miele Dialoggarer

Schon zur Enthüllung des Miele Dialoggarers auf der Internationalen Funkausstellung 2017 in Berlin war klar: Dieses Gerät dürfte das Küchenhighlight des Jahres werden. Jetzt ist das Gerät, das aussieht wie ein schlichter Backofen, auf dem Markt. Was genau sich an technischer Raffinesse in dem 8.000-Euro-Gerät verbirgt, verrät der Name „Dialoggarer“ nicht wirklich. Doch beim Test wird klar, dass es sich tatsächlich um eine Revolution in der Küche handeln könnte. Was als Demo zur Messe noch wie eine nette – aber beeindruckende – Spielerei wirkte, entfaltet seine Wirkung doppelt so stark, wenn man es selbst zubereitet: Der Fisch im Eisblock ist noch immer eine starke Präsentation der Fähigkeiten des Dialoggarers. Ein Fischfilet kommt, umgeben von einem massiven Block aus Eis in den Dialoggarer – acht Minuten später ist das Eis nicht geschmolzen, der Fisch hingegen ist durchgegart und dampft. Die Technik dahinter ist komplex und ermöglicht zahlreiche weitere Anwendungsgebiete in der Küche. Der Praxis-Test verrät, ob das wirklich so einfach klappt.
Ob das klappt und wie es funktioniert zeigt Erik Schulze im Test. Unterstützung gibt es dabei durch Profi-Koch Kevin von Holt. Video abspielen

Der Miele Dialoggarer ist eine Art Ofen, der verschiedene Lebensmittel gleichzeitig auf den Punkt gart. Das Test-Video.

Dialoggarer im Test – halb Ofen, halb futuristische Mikrowelle?

Der Dialoggarer sieht aus wie ein gewöhnlicher Backofen und kann alles, was ein gewöhnlicher Backofen kann. Die große Innovation ist aber auf den ersten Blick unsichtbar: Der Miele Garer arbeitet mit elektromagnetischen Wellen. Ähnlich wie eine Mikrowelle – nur mit einer anderen Wellenlänge. Diese Wellen im Dialoggarer bewegen sich in dem Frequenzbereich, den wir in Europa für gewisse Mobilfunknetze verwenden (915 Megahertz). Aber keine Sorge: Das ganze Gerät ist so aufgebaut, dass es nicht zu Störungen im Mobilfunk kommt. Im Test funktionierte das Smartphone im betroffenen E-Plus-Netz ohne Probleme. Miele nennt diese Technologie M Chef: Der Dialoggarer wirkt auf die in ihm enthaltenen Lebensmittel und erfasst mit diversen Sensoren und Antennen wie viel die Lebensmittel an Energie aufnehmen. Da sich die Moleküle der Lebensmittel während des Garvorgangs ständig verändern, reguliert der Dialoggarer den Zubereitungsprozess und sendet je nach Speise und Garfortschritt entsprechend Energie aus. Dabei entstehen weder Bräunung der Speisen noch Röstaromen. Zudem dringen die Wellen des Dialoggarers tiefer in die Lebensmittel ein als bei einer Mikrowelle – Miele spricht hier von einer Garung im Volumen. Das heißt, dass die Lebensmittel gleichmäßig durchgaren und nicht von außen nach innen. So wird verhindert, dass Zutaten außen schon durch, aber innen noch roh sind. Kurios: Mithilfe der Wellen ist es beispielsweise möglich einen Teig „durchzubacken”, ohne dass er knusprig-braun wird. Auf Röstaromen, die man aus einem klassischen Backofen kennt, muss man aber natürlich nicht verzichten: Der Dialoggarer vereint seine neue Technologie mit den gängigen Funktionen eines Ofens wie Ober- und Unterhitze, Umluft und einer Grillfunktion.

Dialoggarer von Miele: M Chef und Gourmet Units

Miele Dialoggarer

Hochwertige Verarbeitung: Der Miele Dialoggarer macht einen erstklassigen Eindruck.

Die oft beschriebene Technologie des Dialoggares trägt den Namen „M Chef“. Diese sorgt dafür, dass die elektromagnetischen Wellen mit der Beschaffenheit der Lebensmittel kommuniziert. Dank verschiedener Voreinstellungen weiß das Gerät, wie die Struktur der Speisen aussehen soll, wenn sie gegart sind. Das Entwicklerteam hat lange mit Wissenschaftlern und Köchen an diesen Einstellungen gearbeitet, denn ohne eine entsprechende Datenbank an Informationen zu Lebensmitteln würde das Konzept des Garers nicht aufgehen. Miele nutzt Gourmet Units als Einheit für die Energiemenge, die das Gerät einem Gericht zuführt. Eine Gourmet Unit entspricht dabei der Energiemenge von einem Kilojoule. Erfahrene Köche stellen die gewünschten Parameter manuell ein: So geben Sie über das Bedienfeld neben der Betriebsart beispielsweise an, auf welcher Temperatur sie Kochen möchten (im Schnitt 20 Grad höher als im normalen Ofen), wie viele Gourmet Units Sie dem Gargut zuführen und in welcher Intensität der Dialoggarer arbeiten soll. Nutzer entscheiden dabei je nach Zutaten zwischen drei Intensitätsstufen. Beim Hands-on mit der Maschine präsentiert sich das Miele Gerät in der Bedienung sehr übersichtlich und aufgeräumt, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sind die meisten der Funktionen schlüssig und logisch aufgebaut. Das Touch-Bedienfeld dürfte aber etwas flotter reagieren.

Rezepte und smarte Hinweise durch den Gourmet Profi im Dialoggarer

Miele Dialoggarer M Chef

Die Bedienung ist einfach – sobald die Arbeitsweise des Miele Dialoggarer verinnerlicht ist.

Gleichzeitig ist es möglich, dass ein schlaues System des Dialoggarers, Gourmet Profi genannt, Vorschläge zur optimalen Zubereitungsart anbietet. Für mehr Komfort nutzen Sie eines der voreingestellten Automatikprogramme, zahllose Rezepte mit entsprechenden Anleitungen sind im mitgelieferten Kochbuch vorhanden. Eines darf natürlich nicht fehlen: eine passende App. Gemeinsam mit der Miele-App greift der Dialoggarer auf Rezepte zu, deren Zubereitungsparameter sich mit einem Klick sofort übertragen lassen. Zusätzlich finden sich auf dem Smartphone jede Menge Zubereitungsvideos mit Anleitungen und die Möglichkeit, Einkaufslisten zu erstellen.
Miele DIaloggarer auf der IFA 2017 Video abspielen

Auf der IFA 2017 in Berlin durften wir uns den Miele Dialoggarer etwas genauer ansehen. Unser Redakteur fasst zusammen wie das neue Gerät die Küche revolutioniert.

Nur mit dem Dialoggarer: Das sind Multi-Component-Gerichte

M Chef, Gourmet Units und elektromagnetische Wellen – das hört sich alles erst einmal abstrakt und technisch an. Im echten Leben hat der Miele Dialoggarer aber tatsächlich spannende Einsatzgebiete. Das wohl wichtigste Schlagwort lautet dabei Multi-Component-Zubereitung, gemeint sind Gerichte, die aus unterschiedlichsten Bestandteilen bestehen. Da der Garer immer weiß, wieviel Energie bereits im Gericht steckt, ist es möglich, verschiedenste Zutaten gleichzeitig zuzubereiten. Also gart er nicht nur (den im Alltag wohl weniger praktikablen) Fisch im Eisblock, ohne dass das Eis schmilzt, er bereitet auch mehrere Lebensmittel gleichzeitig und laut Miele ohne Qualitätsverlust zu.

Kochen mit dem Miele Dialoggarer: So klappt es

Multi-Component-Gericht Miele Dialoggarer

Diese Zutaten waren gleichzeitig im Dialoggarer: Miele ist stolz auf das kochen mit vielen Komponenten.

Im Praxis-Test klappte das Zubereiten komplexer Speisen auf Anhieb wunderbar: Mit Pilzcreme gefüllte und mit Blätterteigdeckel versiegelte Süßkartoffeltörtchen gelingen im Dialoggarer knusprig-leicht; Kohlrabi-Scheiben, zarter grüner Spargel und türkische Bergbirnen behalten ihren Biss und sind angenehm angeröstet. Dass die einzelnen Produkte trotzdem extrem saftig bleiben, liegt an der Zubereitungsart: Durch die elektromagnetischen Wellen sind die Zutaten zum Teil bis zu 70 Prozent schneller fertig als im herkömmlichen Ofen, die Gerichte trocknen also auch bei der Verwendung von klassischer Hitze deutlich weniger aus. Tatsächlich erinnern die Ergebnisse an die feine Qualität, die Nutzer normalerweise nur aus dem Sous-vide-Garer kennen.

Kleine Limitationen trüben den Kochspaß im Dialoggarer kaum

Miele Dialoggarer App

Vernetzter Dialoggarer: Mieles App macht den Ofen smart.

Wie immer mit neuen Technologien ist aber auch viel Ausprobieren angesagt: Beim Versuch ein schokoladiges Soufflé zu zaubern, ist im Test zweifaches Nachjustieren nötig, das Rezept aus der Miele Versuchsküche war zu diesem Zeitpunkt noch nicht optimal angepasst. Das Endergebnis war dann aber wiederum nahezu perfekt. Praktisch: Wer will, speichert sich eigene Rezepte und Einstellungen in der App ab und aktiviert sie das nächste Mal per Druck auf dem Smartphone. Trotzdem gibt es bei Multi-Component-Gerichten ein paar Limitationen: Auch wenn die Vielfalt an M-Chef-tauglichen Gerichten bereits sehr groß wirkt: Nicht alle Zutaten sind frei miteinander kombinierbar. Ist die molekulare Struktur der Lebensmittel zu unterschiedlich, hat der Dialoggarer Probleme.

Miele Dialoggarer: Preis und Verfügbarkeit

Der Miele Dialoggarer ist seit Sommer 2018 erhältlich. Ein günstiges Vergnügen ist diese Kücheninnovation aber nicht: Das Gerät ist bei ausgewählten Miele-Partnern für 7.990 Euro erhältlich. Ob Hobbyköchen diese Küchenrevolution von fast 8.000 Euro wert ist, wird sich zeigen. Immerhin: Kunden bekommen ein sogenanntes Private Dining für bis zu 6 Personen gesponsort, bei dem ein Profi-Koch die Funktionen des Dialoggarers vorstellt und ein spezielles Menü zubereitet. Übrigens: Wer zwar gern hochqualitativ isst, aber nicht immer selbst kochen möchte, findet bald mit einem ebenfalls M Chef genannten Lieferdienst eine interessante Alternative. Ein Start-up liefert ab Herbst 2018 (vorerst in NRW, später bundesweit) Gerichte in Sternequalität auf Porzellantellern aus, die dann nur noch auf Knopfdruck im Miele Dialoggarer durchgaren. Zum Start stehen 22 Menüs zur Auswahl – 365 Tage im Jahr.

Miele Dialoggarer

Erik J. Schulze

von

Fast Food und gesunde Ernährung sind nicht miteinander vereinbar? Mit etwas Kreativität und den richtigen Gadgets können auch Freunde der schnellen Küche mit einem guten Gefühl im Bauch zuschlagen.